Dorflinde in Hiltenbach bei Stamsried: Schnitt für Schnitt für die Baum-Rettung

Mehrere hundert Jungbäume müssten gepflanzt werden, um den ökologischen Schaden auszugleichen, wenn die rund 300 Jahre alte Dorflinde in Hiltenbach (Markt Stamsried) gefällt werden müsste, sagt Georg Fritsch. Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Friedersried ist deshalb sehr froh, dass der Baum überleben kann, weil ihm die nötige Statik zurückgegeben wurde.
Am Dienstag wurde die etwa 20 Meter hohe Linde um fünf Meter gekürzt, damit sie auch künftig neben der Kapelle stehen kann, ohne Passanten zu gefährden.
Christian Hartl, Spezialist für Baumpflege und Industrieklettern aus Prackenbach, war mit einem Mitarbeiter gekommen, um die Arbeiten auszuführen. Mittels eines Autokrans wurden die Experten immer wieder in den Baum gehoben und brachten ihn Schnitt für Schnitt mit der Motorsäge auf das gewünschte und geforderte Maß. Von morgens bis zum frühen Nachmittag dauerten die Arbeiten.
Pilz hat sich eingenistet
„Dass ein Kran mit dabei ist, ist für uns schon etwas Besonderes“, erläuterte Hartl, die Arbeit an sich für ihn und seine Mitarbeiter aber fast „Tagesgeschäft“: Es komme öfter vor, dass alte, große Bäume gekürzt und zugeschnitten werden müssen.
Dass bei der Dorflinde in Hiltenbach akuter Handlungsbedarf bestand, hatten Untersuchungen ergeben. Das Chamer Landratsamt hatte herausgefunden, dass ein hartnäckiger Brandkrustenpilz dem Baum über die Jahre stark zugesetzt und von innen ausgehöhlt hatte. Dadurch litt die Statik des Baums, was ein Gefahrenpotenzial unter anderem für alle Menschen darstellte, die unter der Linde unterwegs waren oder dort Rast machten.
„Gehört zum Dorfbild“
Das Landratsamt gab daraufhin ein Experten-Gutachten in Auftrag mit dem Ziel, die Standfestigkeit des Baumes wieder herzustellen – und ihn damit zu retten. Die darauf folgende Empfehlung war die Kürzung um etwa fünf Meter, für die dann die Spezialfirma von Christian Hartl engagiert wurde.
Den Pilz werde man durch die Maßnahme nicht los, erläuterte Hartl, der Baum könne aber auch so gut weiterleben. Auch würde er nach dem Schnitt wieder eine neue Krone ausbilden.
Dass er erhaltenswert sei, steht für alle Beteiligten außer Frage: Alte Bäume bieten sehr vielen Tieren wie Insekten, Vögeln oder Fledermäusen einen Lebensraum, auch geschützte Arten finden sich darunter. Außerdem gehöre die Linde mit einem Durchmesser von etwa 6,50 Metern zum Dorfbilds Hiltenbachs, betonte Fritsch, „wenn sie reden könnte, könnte sie die komplette Geschichte des Ortes erzählen.“
„Schön, dass sie stehenbleiben kann“
Mit Vorher-Nachher-Bildern dokumentierte er die Aktion, für Landratsamt und Experten hatte er Lob im Gepäck: „Es ist sehr schön, dass die Dorflinde auch weiterhin an ihrem Platz stehen kann.“


