Der Hiltenbacher Linde auf‘s Holz geklopft: Denkmal soll gerettet werden

Wer sagt, er klopft auf Holz, der meint damit, etwas zu tun, um Unglück zu verhindern. Wenn Johannes Winter am Mittwoch in Hiltenbach im Markt Stamsried auf Holz klopft, dann ist das für den Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege gleich im doppelten Sinne so. Denn er will zum einen die 300 Jahre alte Linde gleich neben der Kapelle vor Unglück schützen, wie auch die, die unter hier hergehen, hier rasten oder einfach nur die imposante Linde genauer anschauen wollen.
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Das Naturdenkmal, das das Dorf mit seinen 49 Einwohnern prägt und auch ein Grund dafür war, dass der Ort 2023 im Landkreisentscheid ums schönste Dorf siegte, ist in die Jahre gekommen und braucht Hilfe für Leben und Überleben. Denn tief im Inneren des Baums, der allein einen Durchmesser von 6,50 Metern hat, ist nicht mehr viel Holz übrig.
Und man kann dies deutlich hören. Auch deshalb klopft Johannes Winter auf Holz – und der Baum antwortet: Es klingt hohl, als die Faust auf der Rinde landet. Ein hartnäckiger Brandkrustenpilz hat der Linde zugesetzt und sie ausgehöhlt. Auch wenn der Baum durch Wachstum dagegenhalte, gelinge das im hohen Baumalter nicht mehr ausreichend. Das passiere häufig bei alten Bäumen, sagt der Baumexperte – und darunter leide oft auch die Baumstatik, was wiederum ein Gefahrenpotenzial für Mensch und Umwelt darstellen könne.
Daher habe das Landratsamt ein Expertengutachten zur Standfestigkeit und zur möglichen Rettung in Auftrag gegeben, erläuterte Winter im Beisein von Bürgermeister Herbert Bauer, dem OGV-Vorsitzenden Georg Fritsch und Stefan Pongratz von der Unteren Naturschutzbehörde. Das Ziel dieser Baumkenner sei deren Erhalt, wenn irgendwie möglich und von der Sicherheit her vertretbar. Die Experten empfehlen die Kürzung des Baums um fünf Meter, um ihm eine bessere Standfestigkeit zu geben. Diese Kürzung wird in der kommenden Woche mit Autokran und durch Baumpfleger geschehen. „Die Linde ist von einem holzzerfressenden Pilz befallen, dadurch ist innen eine Höhlung entstanden“, sagte Winter.
Daher sei er nicht mehr so vital, schlage aber dennoch überall aus und habe weiterhin Zuwächse. Insgesamt stehe der Baum auf breiten Füßen, wie man es sich wünsche, so Winter: „Er steht da wie ein Berg!“ Es lohne der Erhalt des Denkmals, denn alte Bäume böten unzähligen Lebewesen wie Vögeln, Fledermäusen und Insekten Lebensraum. Hier seien ganz besondere Insekten wie der Goldglänzende Rosenkäfer oder der Eremit entdeckt worden. Nach der Kürzung werde der Baum wieder eine neue Krone entwickeln.
Ein solcher Baum als Lebenswelt sei nicht einmal durch 500 Jungbäume zu ersetzen, ergänzte OGV-Chef Fritsch. Der Volksmund sage zum Lebenszyklus der Linde, 300 Jahre wachsen, 300 Jahre stehen, 300 Jahre vergehen. Da habe die Linde noch Zeit. Hiltenbach würde der Verlust des Baumseniors wehtun, denn er gehöre mit einer weiteren Denkmalslinde nebenan, der Kapelle und dem „Woghäusl“, dem Ortstreffpunkt, zum Ensemble der Ortsmitte, zudem zur Kultur und Geschichte des Ortes.
Bürgermeister Herbert Bauer betonte die Verkehrssicherungspflicht der Kommune für Bäume. Er sei dankbar, dass das Landratsamt hier helfe. „Der Baum ist einmalig“, so Bauer. Er gehöre hierher, zum Dorf. Auch wenn hier mit etwa 1500 Euro einiges investiert werden müsse, sollte er erhalten bleiben.
Naturdenkmäler im LandkreisDenkmal: Wie Stefan Pongratz von der Unteren Naturschutzbehörde hat der Landkreis Cham 184 Naturdenkmäler. Darunter seien 550 Bäume, die teils in Alleinlage oder als Ensemble zählen, wie etwa der Schlosspark in Stamsried mit über 50 Bäumen. Schützwürdig seien sie etwa aufgrund ihres Alters, ihrer Eigenart oder wegen ihrer Schönheit, wie es bei der Linde der Fall sei.

