Leserbriefe: Flüchtlinge im Wohngebiet polarisieren die Teublitzer

Von Mittelbayerische Zeitung · 24. Oktober 2023 um 14:40

Die Leser der Mittelbayerischen beschäftigt, dass ein privates Wohnhaus mitten in einer Teublitzer Wohnsiedlung zur Unterkunft für Flüchtlinge geworden ist. Zu ihrer Berichterstattung hat die MZ diese Leserbriefe erhalten:

Florian Pabst aus Teublitz: Wie kann man nur so empathielos sein?

Vorab: Jeder, der einen Satz mit den Worten „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber …“ beginnt, hat etwas gegen Ausländer und meint, seine Fremdenfeindlichkeit mit dieser Einleitung zu relativieren.

Woher kommt die Angst, seinen Namen nicht zu nennen? Wegen dem Mittelbayrischen lesenden Syrer, der sich jetzt (zurecht) diskreditiert fühlt? Oder weil so ganz im Hintergrund doch noch eine kleine Erinnerung an christliche Nächstenliebe vorhanden ist?

Hier kommen Menschen, auf deren Häuser Bomben geworfen wurden, die Unsägliches erlebt haben. Wie kann man so empathielos sein und diese Menschen, schon vor dem Einzug, zur Gefahr für die vielen Kinder in der Nachbarschaft erklären? Und das in einem Land, in dem wir ohne Hilfe von Ausländern kein einziges Auto bauen, keine Straße oder Häuser fertigstellen würden, ein Land, in dem die zu Pflegenden in ihren Fäkalien liegen würden, wenn nicht doch der ach so böse Ausländer die Drecksarbeit für uns machen würde.

Aber was soll man erwarten, in einem Bundesland, in dem 70 Prozent der Wahlberechtigten rechts-konservativ bis klar rechts wählten. Gerade in Bayern wird immer auf den christlichen Werten und Traditionen herumgeritten. Ich habe damit nicht viel zu tun, aber dass Neid, Missgunst und Vorverurteilung dazu gehören, dachte ich nicht.

Wer wegen 25 Syrern Angst hat, an den Eselweihern nicht mehr spazieren gehen zu können, dem sei auch empfohlen, Familie, Sportverein und Kirche zu meiden. Die grausamsten Delikte passieren in diesem Umfeld. Die irrationale Angst, hat nichts mit dem tatsächlichen Sicherheitsverhältnissen in diesem Land zu tun. Wie kommt es zu diesen nahezu hysterischen Angstzuständen? Wie würde es Ihnen wohl gehen, wenn Sie durch Aleppo (Syrien) spazieren müssten und nicht am Eselweiher?

Wir sind durch Glück oder Zufall hier geboren, und daran sollten wir uns immer wieder erinnern. Wir sollten den Menschen zur Seite stehen, die nicht unser Glück haben, sie aber zumindest nicht vorverurteilen und nicht alle über einen Kamm scheren.

Felix Bachl aus Teublitz: Wie immer zählt nur das wirtschaftliche Interesse

Ein augenscheinlich altes, marodes Haus mit schönem Grundstück im Dornröschenschlaf, welches auf dem „Mietmarkt“ nicht mehr in der Liga eines „Gewinnbringers“ spielt. Was mache ich hiermit?

Vermiete ich es an eine junge Familie mit Kindern und spreche ihr zu, dass sie das Haus aufwerten darf? Einer jungen Familie, die nur ein Gehalt bezieht, da sie keinen Platz in einer Kita bekommt, oder eben auch nicht will? Einer Familie, die seit mehreren Jahren ein Haus sucht, um sich eventuell zu vergrößern oder sich einfach momentan die aktuelle Mietwohnung nicht mehr leisten kann?

Oder setze ich in ein bestehendes Wohngebiet, in dem sich Familien ihr Zuhause mit einem schicken Garten, Pool und einem Spielplatz aufgebaut haben, 25 Männer, die sich bei der Ankunft untereinander nicht kennen. Diese 25 Männer haben keinerlei Privatsphäre, müssen sich eine oder zwei Küchen, zwei oder vielleicht drei Toiletten teilen. Mit den Nachbarn können sie nicht kommunizieren und arbeiten dürfen sie auch nicht.

Ich habe mich bei uns im Wohnviertel umgehört. Die Ängste liegen vor allem bei den Frauen. Eine Nachbarin sorgt sich, dass sie sich nun am Pool von 25 Männern anschauen lassen muss. Eine andere fürchtet um ihre Unbeschwertheit, wenn sie abends bei den Eselweihern zum Joggen geht oder mit der Freundin einen Spaziergang unternehmen will.

Eine Dritte fühlt sich nun beim Gassi-Gehen mit ihren Hunden unwohl. Und Eltern raten ihren Kindern, sie sollten nun doch einen anderen Weg zur Schule nehmen... Die Entscheidung ist klar, wenn ich ein nicht ortsansässiger Investor bin. Bei einer Familie mit einem Gehalt bekomme ich vielleicht etwa 1000 Euro Miete im Monat. Bei 25 Flüchtlingen bekomme ich laut dem aktuellen Mietspiegel circa 3000 Euro.

Wenn ich, als Eigentümer, direkt daneben wohnen würde, wäre mir natürlich die junge Familie lieber. So ist das Leben. Aber wo bleiben hier wieder die Familien, die unser Land so dringend braucht? Die Familien, die künftige Steuerzahler und Fachkräfte großziehen?

Das Alles ist wieder ein Beispiel dafür, dass man sich von der Politik verlassen fühlen könnte. Und wie immer zählt nur eins, das wirtschaftliche Interesse an so einem Projekt, bei dem man sich auf Nächstenliebe herausreden kann…