Erste Annäherung zwischen Teublitzer Anliegern und neuen Asylbewerbern

Vor einer Woche wurden in der Dollingerstraße in Teublitz rund 25 Asylbewerber aus Syrien einquartiert. Seitdem herrscht unter den Nachbarn des Gebäudes Verunsicherung. Am Sonntag kam es zur ersten Begegnung zwischen Alteingesessenen und Neuankömmlingen. Pfarrer Lucas Lobmeier hatte dazu in den Pfarrsaal geladen.
Zu dem Treffen kamen einige Dutzend Teublitzer aus dem betroffenen Wohnquartier, der Eigentümer der Asylbewerberunterkunft, fünf Syrer sowie Bürgermeister Thomas Beer (CSU) und der geschäftsleitende Beamte Franz Härtl. Vertreter der Medien waren nicht zugelassen. Pfarrer Lobmeier wollte angesichts der persönlichen Betroffenheit der Besucher und der zu erwartenden Emotionen einen geschützten Raum bieten.
Der Seelsorger, der die Pfarrei Herz Jesu erst vor kurzem übernommen hat, sieht sich als neutraler Gastgeber, der als Christ starkes Interesse daran hat, für gute Kontakte und ein friedliches Miteinander zu sorgen. Als Moderator hatte er sich ein Konzept zurechtgelegt und auch für den Fall, dass die Diskussion aus dem Ruder laufen sollte, gewappnet. Letztlich sei es ihm aber jedes Mal, wenn die Emotionen etwas hochkochten, gelungen, die Wogen zu glätten, berichtete Lobmeier. Von seinem Hausrecht habe er jedenfalls keinen Gebrauch machen müssen. Niemand sei des Saales verwiesen worden.
Als die Bewohner der Dollingerstraße durch Zufall erfahren hatten, dass ein größeres Gebäude zur Flüchtlingsunterkunft werden sollte, wurde kurzfristig eine Versammlung einberufen. Lesen Sie dazu auch: Eigentümer kontert Bedenken der Teublitzer Anwohner wegen Flüchtlingshaus
Fünf Flüchtlinge hatten sich, so der Pfarrer weiter, bereit erklärt, sich vorzustellen und Fragen zu beantworten. Dabei war ein Syrer behilflich, der schon seit vielen Jahren in der Region zuhause ist und sich ehrenamtlich zum Beispiel als Dolmetscher engagiert.
Eine Besucherin schilderte, die Flüchtlinge seien sehr nett, aber auch sehr nervös gewesen. Man habe deutlich gespürt, dass sie sich „auf dem Präsentierteller“ nicht wohl fühlten. Sie könne das gut nachvollziehen. Vom Vermieter ihrer Unterkunft hätte sie sich erwartet, dass er sich, sollte es Probleme geben, als Ansprechpartner und Vermittler zur Verfügung stelle. Denn aufgrund seiner eigenen Geschichte kenne er die Mentalität der Asylbewerber sehr gut und spreche sogar ihre Sprache. Er habe die Bitte aber abgelehnt – und überhaupt deutlich gemacht, dass er sich nicht in der Pflicht sehe, für sein Handeln Rechenschaft abzulegen. Denn er habe nichts Illegales getan, sondern wolle in einer Notlage nur helfen.
Eigentümer des Gebäudes hält sich zurück
Auf Nachhaken der MZ wollte sich der Hauseigentümer nicht näher zum Verlauf des Abends äußern. Jenen unter den Anwesenden, die ein gewisses Verständnis für ihn aufgebracht hätten und Menschlichkeit gegenüber den Flüchtlingen erkennen ließen, sei er aber zutiefst dankbar. Ebenso Pfarrer Lobmeier für sein Engagement.
Bürgermeister Beer erklärte auf Anfrage, er habe den Eindruck, dass im Rahmen der Gesprächsrunde Vorurteile ausgeräumt worden seien. Zugleich seien „kursierende Fehlinformationen und krude Behauptungen“ aus den Sozialen Medien richtiggestellt worden. Alle Beteiligten hätten Gelegenheit gehabt, ihre Ansichten zu schildern. So sei es unter der „hervorragenden Moderation“ Lobmeiers gelungen, Sorgen und Befürchtungen abzubauen. Jeder habe gegenseitiges Verständnis mit Nachhause genommen – und die Erkenntnis, „dass Integration nur mit Zusammenhalt gelingt“.
Das erste Beschnuppern dauerte rund drei Stunden. Auch Pfarrer Lobmeier zog ein positives Fazit. Nun sei es wichtig, im Gespräch zu bleiben. Für weitere Annäherungen stehe das Pfarrheim jederzeit zur Verfügung.
Anliegerin ist weiter unzufrieden
Eine Anliegerin ist jedoch nach dem Abend eher unzufrieden. Im Prinzip sei sie heute genau so schlau wie vorher, viele Fragen seien ungeklärt geblieben, meinte sie. Aber auch sie wolle guten Willen zeigen und beispielsweise Flüchtlinge freundlich grüßen, wenn man sich über den Weg laufe. Grundsätzlich sei sie bemüht, zu Nachbarn ein gutes Verhältnis aufzubauen. Im konkreten Fall sei dies jedoch schwierig, denn es sei zu erwarten, dass die ersten Asylbewerber schon nach wenigen Monaten wieder umziehen würden. „Und dann geht das Spiel von vorne los.“