Eigentümer kontert Bedenken der Teublitzer Anwohner wegen Flüchtlingshaus

Von Jan Lange, Werner Artmann · 18. Oktober 2023 um 05:00

Der Andrang am Montagabend war groß: 55Teublitzer hatten sich in einer Garage am Trattweg getroffen, um ihre Bedenken und Forderungen zu der Unterbringung von 25 syrischen Flüchtlingen in einem privaten Wohnhaus in der Dollingerstraße vorzubringen.

Nicht alle Anwesenden fanden einen Sitzplatz, viele mussten stehenbleiben, so groß war das Interesse der Anwohner. Auch der Teublitzer Bürgermeister Thomas Beer (CSU) sowie Stadtrat Hans-Peter Schmid (FW) waren gekommen.

Die Sorge, die Zusammenkunft könnte in eine radikale politische Richtung abgleiten, trat nicht ein. Die Kritik wurde von den Anwesenden in sachlicher Form geäußert.

Der größte Vorwurf der Anwesenden ging an das Landratsamt Schwandorf wegen der fehlenden Information. Bürgermeister Beer erklärte auf MZ-Nachfrage, dass er am vergangenen Donnerstag die Infos schriftlich erhalten habe.

„Ich hätte mir eine frühere Information und bessere Kommunikation von übergeordneter Stelle gewünscht“, meinte Beer gegenüber der MZ. „Nur dadurch kann angemessen und mit ausreichend zeitlichem Spielraum auf Sorgen und Bedenken der Anwohner, die ich sehr ernst nehme, eingegangen werden.“ Durch das Vorgehen des Landratsamtes seien die Anwohner vor vollendete Tatsachen gestellt und jeglicher Möglichkeit der Reaktion beraubt worden, lautete die übereinstimmende Kritik am Montagabend. Das Minimalziel der Nachbarn sei, dass zumindest asylsuchende Familien in der Dollingerstraße untergebracht werden, denn damit könnte jeder leben, so der Tenor der anwesenden Anwohner.

Vorerst drei Jahre angemietet

Es habe zunächst auch geheißen, dass vier Familien in das Wohnhaus einziehen werden, erklärte Christian Ehmann, der eine Art Sprecher der Anwohner ist. Dass Familien kommen sollen, habe bei den Anwohnern für eine gewisse Erleichterung gesorgt. Wenige Tage später habe man dann erfahren, so Ehmann, dass es sich bei den künftigen Bewohnern um 25syrische Männer handeln soll. Dies führte bei den Anwohnern zu einem gewissen Schock. Sie sehen dadurch das soziale Gefüge in ihrer Wohnsiedlung in Gefahr.

Wie Landkreissprecher Hans Prechtl bestätigte, handelt es sich ausschließlich um Männer. Die Syrer sind demnach gestern eingezogen. Das Gebäude wurde, so Prechtl, vorerst für drei Jahre angemietet.

Der Eigentümer erklärte im Gespräch mit der MZ, dass er traurig und richtig erschrocken von den Reaktionen sei. Ihm gehe es keineswegs darum, mit den Flüchtlingen Geld zu verdienen. Schon in der Vergangenheit habe er sich immer wieder für Geflüchtete eingesetzt, ihnen beispielsweise bei Behördengängen geholfen oder Arbeit gegeben.

Das Haus in der Dollinger-straße habe der Eigentümer dem Landkreis für die Unterbringung von Flüchtlingen angeboten, hatte Prechtl schon am Montag bestätigt.

Fast täglich neue Angebote von Wohnraum

Bereits im Januar 2022 rief der Landkreis Schwandorf dazu auf, private Unterkünfte zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Die dezentralen Unterkünfte würden der schnelleren und besseren Integration dienen. „Derzeit erhalten wir, offenbar gestärkt durch die umfangreiche Berichterstattung in den Medien, fast täglich neue Angebote“, teilte der Landkreissprecher auf Nachfrage mit. Eine Unterkunft muss den üblichen Wohnraumkriterien entsprechen, wies Prechtl hin. Das sei bei dem Teublitzer Haus der Fall. Der Eigentümer erklärt, dass die Behörden dies genau geprüft hätten. „Die Unterkunft erfüllt höherwertige Anforderungen als zum Beispiel eine Hallenbelegung“, teilte Prechtl mit.

Das bedeute nicht, dass er eine höhere Miete verlangen könne, sagte der Eigentümer. Das Haus in der Dollingerstraße werde zum ortsüblichen Mietpreis zur Verfügung gestellt. Er erinnerte daran, dass kein Flüchtling freiwillig komme. Die Syrer, die in seinem Haus untergebracht werden, würden wegen des Krieges ihr Heimatland verlassen. Aus der Situation müsse man das Beste machen, steht für ihn fest.

Oft normale Nachbarschaft

Dem Landkreis sind laut Prechtl auch Fälle bekannt, in denen der Vermieter vor dem Vertragsabschluss seine Nachbarn informiert habe. „In sehr vielen Fällen wird eine normale Nachbarschaft gelebt“, meinte der Landkreissprecher. Das möchte auch der Eigentümer des Teublitzer Wohnhauses erreichen. Er habe den Vorschlag gemacht, nach einer gewissen Eingewöhnungszeit ein Gespräch zwischen Anwohnern, Bürgermeister, Pfarrer und den Flüchtlingen zu organisieren.

Mit Bürgermeister Beer hat der Eigentümer zwischenzeitlich bereits gesprochen. Beer wolle noch mal abklären, ob auch Familien in dem Gebäude untergebracht werden könnten, fasst er das Treffen inhaltlich zusammen.

Anwohner wie Bürgermeister hatten sowohl im Vorfeld als auch bei dem Treffen am Montag geäußert, dass das Haus aus ihrer Sicht nicht für die Unterbringung einer Gruppe von 25Flüchtlingen geeignet sei.

„Meine Bedenken gegenüber dem Objekt beziehen sich darauf, dass ich aufgrund der baulichen Voraussetzungen des Gebäudes, das bislang von einer vierköpfigen Familie bewohnt wurde, eine vernünftige Unterbringung als problematisch erachte“, erläuterte der Bürgermeister im Nachgang seine Einschätzung.

Dem Vorwurf, der Wohnraum sei zu klein für 25 Syrer, tritt der Eigentümer entschieden entgegen. Das Haus habe auf drei Etagen genügend Räume. Von „eingequetscht“ sein, wie eine Nachbarin behauptet hatte, könne da keine Rede sein. Die Größe des Gebäudes lasse, so Hans Prechtl, eine Belegung mit 32 Personen zu.