Privates Wohnhaus in Teublitz wird Flüchtlingsunterkunft

Für die zahlreichen Flüchtlinge, die derzeit in Deutschland ankommen, wird allerorten händeringend Wohnraum gesucht. In Teublitz (Landkreis Schwandorf) wird nun eine Gruppe Syrer in einem größeren Wohnhaus untergebracht.
In den ersten neun Monaten des Jahres sind in Deutschland mehr als 250.000Asylanträge gestellt worden, davon erstmals fast 234.000 – eine Zunahme gegenüber 2022 um rund 73 Prozent. Die vielen ankommenden Flüchtlinge müssen irgendwo untergebracht werden. Mehrere Landkreise haben deshalb Aufrufe gestartet, dafür privaten Wohnraum zur Verfügung zu stellen.
Auch in Teublitz soll ein privates Wohnhaus genutzt werden. Geplant ist, 25Syrer in einem größeren Wohngebäude an der Dollingerstraße unterzubringen. Landkreissprecher Hans Prechtl bestätigte auf Nachfrage diese Anzahl. Zum Termin des Einzuges konnte er aufgrund der kurzfristigen Anfrage bis zum Redaktionsschluss keine Auskunft geben. Nach MZ-Informationen soll er bereits am Dienstag erfolgen.
Widerstand durch Nachbarn
Gegen die Unterbringung formiert sich Widerstand. Am Montagabend wollten sich, wie die MZ erfahren hat, mehrere Anwohner treffen, um darüber zu sprechen, wie sie die Unterbringung der syrischen Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft noch verhindern können. „Wir haben nichts gegen Ausländer“, betonte eine Nachbarin, die erstmal nicht namentlich genannt werden will, im Vorfeld der Zusammenkunft. In dem Wohngebiet seien nach ihren Worten einige Ausländer zuhause. „Es gibt hier Rumänen, das sind nette Leute, und auch Inder, die ebenfalls nett sind“, meinte sie.
Auch in dem Haus, in dem nun die Asylbewerber einziehen sollen, hätten laut der Nachbarin früher Ausländer gewohnt. Es habe nie Probleme, nie Beschwerden gegeben, sagte sie.
Kein Problem mit Familien
Dass dies auch nach der Einquartierung der 25 Syrer so bleibt, glaubt sie nicht. Mit Flüchtlingsfamilien hätten sie und ihre Nachbarn kein Problem, nicht aber mit einer Gruppe junger Männer, die noch dazu in einem Wohnhaus „eingequetscht“ werde, so die Anwohnerin. Das sei ihrer Meinung nach menschenunwürdig. „Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn sie dann aggressiv werden“, so die Nachbarin weiter.
Dass es sich nur um Männer handeln soll, konnte Hans Prechtl ebenfalls nicht bestätigen, da dies dem Landkreis nicht bekannt sei. „Wir können die Bewohner nicht selbst aussuchen, sondern bekommen sie zugewiesen“, erklärte der Landkreissprecher weiter. Dennoch halten die Nachbarn aus Teublitz an ihrer Kritik fest: In ihrem Wohngebiet seien viele Kinder zuhause. Zudem befindet sich in der Nähe eine Kita. Die Anwohner würden gerne im nahegelegenen Wald laufen oder spazieren gehen. Die Anwohnerin befürchtet, dass dies in Zukunft nicht mehr möglich ist. Kritisiert werden von den Nachbarn auch die fehlenden Informationen. Nur durch Zufall hätten sie vom Vorhaben erfahren.
Stadt nicht Eigentümerin der Immobilie
An der Stadt Teublitz hat dies nicht gelegen. Wie Bürgermeister Thomas Beer (CSU) klarstellt, ist die Stadt weder Eigentümerin dieser Immobilie, noch habe sie diese vermietet. „Hätten wir als Stadt ein Mitspracherecht gehabt, hätten wir diese Immobilie für eine Unterbringung in der nun geschehenen Art und Weise nicht empfohlen“, sagte Beer.
Auch der Rathauschef hält das ausgewählte Wohnhaus für die Unterbringung von 25Syrern nicht für geeignet. Er werde die Problematik bei der Regierung der Oberpfalz schriftlich anmahnen, kündigte er an.
Wohnhaus wurde Landkreis angeboten
Prechtl erklärte, dass das Wohnhaus dem Landkreis angeboten wurde. Aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen bestehe enormer Handlungsdruck. Der Landkreis sei deshalb über jedes Angebot froh. „Hilfe dem Nächsten zu gewähren, liegt nichtsdestotrotz in unserer menschlichen Natur“, meinte der Teublitzer Bürgermeister. Die sich daraus ergebende Aufgabenstellung der Integration gehe alle etwas an. „Gelingen kann dies aber nur mit Maß und Verstand.“
In der Stadt Teublitz gibt es laut Beer seit nahezu 30 Jahren Flüchtlinge aus vielen Ländern. Bislang waren diese Geflohenen in der Gemeinschaftsunterkunft Koppenlohe untergebracht. „Doch durch die derzeitige Flüchtlingspolitik stoßen wir auch in Teublitz an Kapazitätsgrenzen“, erklärte der Rathauschef. „Die dezentrale Unterbringung von Geflohenen, wie man es aus vielen anderen Städten und Gemeinden hört, ist nun also auch in Teublitz eingetreten.“ Bedenklich sei aus Beers Sicht, dass aufgrund der schieren Masse an Flüchtlingen scheinbar keine nachvollziehbare und vernünftige Verteilung mehr stattfinden könne.
Ohne Vorurteile begegnen
Beer könne die geäußerten Bedenken der Nachbarn nachvollziehen, appelliert aber dennoch, nicht mit Argwohn und Vorurteilen den Geflohenen zu begegnen. „Diese Menschen, die nun in Teublitz Unterkunft finden, haben ihr Heimatland verlassen, da dort die Lebensumstände durch Krieg menschenunwürdig geworden sind“, betonte er.
Der Eigentümer des Wohnhauses an der Dollingerstraße war für die MZ am Montag zunächst nicht erreichbar. Am Abend kündigte er dann ein Gespräch für den heutigen Dienstag an.
In einer früheren Version des Artikels war von einem Einfamilienhaus die Rede. Diese Information konkretisierte der Eigentümer der Immobilie nach Erscheinen des Artikels. Es handle sich vielmehr um ein größeres Wohnhaus, was auch ein Foto bestätigt.