Kein Bus zum Kindergarten: Drei Kelheimer Mädchen bleiben auf der Strecke

Ohne Margaret Weber-Brunner stünden sie auf der Straße. Nur durch ihre täglichen Fahrten auf eigene Faust können drei Mädchen aus Kelheim den Waldkindergarten in Kapfelberg besuchen. Die ehrenamtlich engagierte Frau bemüht sich seit Wochen um eine andere Lösung – bisher vergeblich.
Die drei Mädels, alle vier Jahre alt, hüpfen aus dem Privat-Auto von Weber-Brunner. Soeben hat die 60-Jährige ihre jungen Fahrgäste vom Waldkindergarten zurückgebracht und in der Klosterstraße abgeliefert. Dort leben Praise und Marijam mit ihren Müttern in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Für Isabella geht es einige Straßen weiter, auch sie bringt Weber-Brunner vor die Haustür. „Alle drei sind kluge, aufgeweckte Mädchen“, sagt die Kelheimerin.
Ihre Mütter stammen aus Nigeria (Praise und Isabella) sowie Brasilien (Marijam), geboren sind sie aber in Deutschland. Seit Jahren arbeitet Weber-Brunner für das Kelheimer „Bündnis für Menschenwürde“ und unterstützt Geflüchtete. „Mir ist wichtig, dass die Kinder integriert werden. Sie sollen Deutsch lernen und Anschluss finden.“ Der Besuch eines Kindergartens sei deshalb elementar. Schon öfters organisierte die 60-Jährige Plätze in Kigas.
Alle anderen Möglichkeiten schieden aus
Heuer schien es vertrackt. „In keinem einzigen Kindergarten in der Stadt war ein Platz zu bekommen.“ Dafür bot der neue Waldkindergarten in Kapfelberg eine Aufnahme an. Der Freude darüber folgte die Frage nach der Beförderung der Mädchen. Ihre teils alleinerziehenden Mütter haben keinen Führerschein, einen Kindergarten-Bus gibt es nicht. Die ÖPNV-Anbindung nach Kapfelberg deckt sich nur nachmittags mit den Bring- und Abholzeiten der Einrichtung.
Letztere Option warf ein weiteres Problem auf: Wer begleitet die Kinder vom Kiga zur einige hundert Meter entfernten Haltestelle? Was auch beim Rufbus „Kexi“ nicht anders wäre.
Wie es Weber-Brunner auch drehte und wendete. „Es blieb nur übrig, dass ich selbst fahre.“ In der Früh und am Nachmittag leistet die engagierte Frau nun den Fahrdienst, mit ihrem Auto und auf eigene Kosten. Eine Mitfahrgelegenheit mit anderen Eltern fand sich nicht. „Aus Kelheim fährt nur noch ein weiteres Auto nach Kapfelberg, das ist aber schon voll.“ So gerne sie die Touren macht, so anstrengend wird es für die 60-Jährige zusehends. „Ich bin an meinen Grenzen.“
BRK und Stadt winken ab
Sie klopfte unter anderem beim BRK Kelheim – dem Träger des Waldkindergartens – und der Stadt an. „Es muss sich doch bewerkstelligen lassen, die Kinder zu befördern.“ BRK-Kreisgeschäftsführer Christoph Kühnl findet das Engagement der Frau „bewundernswert“. Allein: „Unsere Aufgabe ist die Betreuung. Die Beförderung können wir nicht zu unserem Thema machen.“ Zum einen wäre das mit hohen Auflagen verbunden, zum anderen würde ein Bus auch in anderen BRK-Kigas nicht angeboten.
Auch die Stadt lobt Weber-Brunners Einsatz, winkt aber ebenso ab. „Die Beförderung von Kindergartenkindern ist keine Pflichtleistung der Stadt, da es keine Kindergartenpflicht gibt. Die Übernahme der Beförderung wäre eine freiwillige Leistung“, heißt es aus dem Rathaus. Gegen einen Kindergartenbus in der Kommune hätte sich der Stadtrat „sowohl in der Vergangenheit als auch jüngst“ ausgesprochen.
Im Landkreis Kelheim leistet sich einzig die Gemeinde Riedenburg einen Kindergartenbus. Problem für Kommunen ist neben der logistischen Bereitstellung die Finanzierbarkeit. Andernorts werden über Eltern Busse organisiert. Beide Modelle sind kostenpflichtig.
Zumindest einen Bus würde sie benötigen
Die 60-Jährige lässt nicht locker. Wenigstens einen Bus könne man ihr doch zur Verfügung stellen, damit sie nicht mit ihrem eigenen Pkw fahren müsse. Die Stadt hätte einen Vereinsbus. „Der Bus ist für die Nutzung durch Vereine vorgesehen. Eine regelmäßige Ausleihe an Einzelpersonen würde die Verfügbarkeit erheblich einschränken“, so die Pressestelle im Rathaus.
Auch das BRK „kann nicht einfach ein Fahrzeug aus dem Fuhrpark rausnehmen“, so Geschäftsführer Kühnl, der aber eine andere Option prüfen lassen will: Eine Erzieherin begleitet die drei Mädchen am Nachmittag zum ÖPNV-Bus. „Allzu große Hoffnungen möchte ich jedoch nicht machen.“
Mütter könnten als Begleitperson mitfahren
In die Rolle der Begleitperson, die bei der Beförderung von Kindern vorgeschrieben ist, würden die Mütter der Mädels schlüpfen, sagen sie im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. „Wir wollen, dass unsere Mädels in den Kindergarten gehen können.“