Die niederländische „Erbtante“ vom Dackelmuseum ist zu Besuch in Regensburg

Von Rainer Wendl · 21. Oktober 2023 um 11:00

Die 84-jährige Maaike Hoek aus den Niederlanden hat das Dackelmuseum mit ihrer Sammlung auf ein neues Niveau gehoben. Jetzt ist sie erstmals zu Besuch in Regensburg.

„Niederländisches Blau, sehr schön!“ Astrid Freudenstein versuchte kunsthistorische Expertise mit einzubringen, als sie am Freitagmittag eine neugestaltete Vitrine im Dackelmuseum besichtigte. „Delfter Blau“, lautete postwendend die sachte Korrektur von Seppi Küblbeck und Oliver Storz. Ja, bei den beiden Museumsmachern muss man schon genau sein – erst recht dann, wenn die „Lieferantin“ der Schätze mit dabei ist.

Die Bürgermeisterin war nämlich gekommen, um Maaike Hoek zu begrüßen und ihr einen schönen Aufenthalt in Regensburg zu wünschen. Die 84-jährige Niederländerin sammelt seit 1971 Dackel-Devotionalien aller Art und aus aller Herren Länder. Über 20 000 Stücke sind während dieser langen Zeit zusammengekommen, von einfachen Werbeartikeln bis hin zur kostbaren Porzellan-Vase. Etwa 10 000 Dackel-Postkarten von 1897 bis heute gehören ebenfalls zu ihrem Fundus, den sie in diesem Sommer an Küblbeck und Storz verkauft hat. Jetzt schaut sie sich erstmals an, was die beiden Bayern aus ihrem Lebenswerk so machen.

Dackelmuseum Regensburg: Betreiber sind begnadete Netzwerker

„Wirklich sehr gelungen! Besser hätte ich es mir nicht wünschen können“, lautet das hochzufriedene Urteil der Dame aus Almelo. Die Begeisterung beruht auf Gegenseitigkeit, und zwar in menschlicher wie in dackelspezifischer Hinsicht. „Maaike ist eine liebe Tante für uns geworden“, sagt Küblbeck und fügt hinzu: „Ihre Sammlung ist unglaublich, so etwas gibt es kein zweites Mal.“

Weil er und Storz begnadete Netzwerker sind, wurde die Bergung dieses Schatzes möglich. Ein befreundeter Blumenhändler aus den Niederlanden erzählte den beiden Floristikmeistern von einem Zeitungsartikel über eine Frau in Almelo, die ihre Dackel-Sammlung verkaufen will – und schon wurde das Duo aktiv. „So eine Sammlung muss doch beieinander bleiben. Und wo könnte die besser aufgehoben sein als bei uns?“, fragt Küblbeck eher rhetorisch, während Storz zu einer zeitkritischen Analyse ansetzt: „Heute sammelt ja keiner mehr, da geht leider enorm viel Kultur verloren. Ich glaube nicht, dass es mal WhatsApp-Museen geben wird.“

So sorgsam der Umgang mit den Exponaten ist, so vertrauensvoll läuft auch die Zusammenarbeit der Museumsmacher mit ihrer „Tante“. Der Seniorin auf einen Schlag die Wohnung auszuräumen oder sie gar über den Tisch zu ziehen, wäre Küblbeck und Storz nie in den Sinn gekommen. Im Gegenteil: Sie zahlen einen hohen fünfstelligen Betrag für die Sammlung und transportieren diese scheibchenweise nach Regensburg.

Jedes Jahr am „Welttag des Dackels“ im Juni fahren sie künftig in die Niederlande und nehmen wieder neue Exponate mit. Aus dem in Almelo verbeibenden Fundus gestalten sie die Vitrinen in der Wohnung von Maaike Hoek neu, wodurch sie quasi ein sich stets veränderndes privates Dackelmuseum hat.

Regensburg ist „europäischen Dackel-Hauptstadt“ – doch Europa ist nicht mehr genug

Angetan von dieser Systematik sowie vom Gespür und Geschmack ihrer bayerischen „Neffen“ hat die Niederländerin das Lob „Ihr seid Zauberer!“ parat. Eine gewisse Magie verspürte offenbar auch Astrid Freudenstein bei ihrem Besuch am Freitag. Sie merkte bewundernd an, dass Regensburg nur ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Museums zur „europäischen Dackel-Hauptstadt“ geworden sei. Und wieder musste Küblbeck sachte korrigieren: „Eigentlich kann man ,weltweit’ sagen.“ Mit der Sammlung von „Tante“ Maaike im Rücken lässt sich das leicht behaupten.