Eigenbedarf: Gaststätte Alte Post in Maxhütte-Ponholz hat jetzt geschlossen

Die Alte Post in Ponholz, einem Gemeindeteil von Maxhütte-Haidhof im Landkreis Schwandorf, findet man bei Michelin im „Bib Gourmand Award“. Allerdings – den Weg dorthin kann man sich ab sofort sparen. Das Restaurant hat die Türen dauerhaft geschlossen. Nicht, weil Pächter Martin Kandlbinder nicht mehr öffnen wollte, sondern weil in das Restaurant demnächst die Ingenieure einziehen.
Das wiederum hängt damit zusammen, dass Eigentümer Robert Gerstl ein grundsätzliches Platzproblem hat, das seit Jahren in der Schwebe hängt. Gerstl ist bekannt als Eigentümer und Sanierer der Alten Post, ebenso also Eigentümer von Schloss Pirkensee und einiger anderer alter Immobilien wie dem Gebäude, in dem Bergers Café in Pirkensee untergebracht ist, das ehemalige Gröninger- oder „Boda“-Haus. Sein Geld verdient der Elektroingenieur jedoch mit seinem europaweit tätigen Ingenieurbüro für technische Gebäudeausstattung.
Schloss Pirkensee steht nicht zur Verfügung
Das führt zurück zur Alten Post. In der Hauptsache sitzen dort 30 Mitarbeiter seiner Unternehmensgruppe. Längst sollten diese zusammen mit ihren Kollegen in Schloss Pirkensee arbeiten, das Gerstl 2017 kaufte. Da es damit auf absehbare Zeit nichts wird, „blieb nichts andere übrig als Eigenbedarf für die Flächen des Restaurants geltend zu machen, um dort rund 20 zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen“. „Eine Entscheidung, die mir sehr schwer gefallen ist, denn für mich steckt da viel Herzblut drin. Mein großer Wunsch ist es, dass diese Schließung nicht für immer ist“, sagt Gerstl dazu.
Bei diesem Wunsch kommt man zu seinem Grundsatzproblem. So sehr er für die Sanierung der Alten Post gelobt und ausgezeichnet wurde, bis hin zur einer Denkmalschutzmedaille, so sehr liegt er inzwischen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und weiteren Behörden über Kreuz. Sämtliche Versuche, seine Platzprobleme zu lösen, seien „aktuell gescheitert“.
Der Plan vom Vierseithof
Plan Nummer eins war, wenn schon beim Schloss die Dinge festgefahren sind, die Alte Post wieder in ihren ursprünglichen Zustand als Vierseithof zu versetzen. Dabei wären unter anderem, die für ihn dringend notwendigen Büroflächen entstanden und ebenso dringend notwendige Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste, die Schloss Pirkensee für Hochzeiten nutzen.
Einige Anwohner wie Behörden zeigten sich jedoch von der Planung wenig begeistert. Das ließ im Hintergrund die Dinge immer weiter eskalieren. Man tut Gerstl nicht Unrecht, wenn man feststellt, dass er im Lauf der Diskussionen mit härteren Bandagen kämpfte.
So standen weitere Ideen, wie die, statt Vierseithof, ein modernes Apartmenthaus hinter die Alte Post zu bauen, unter keinem guten Stern. Gerstl: „Das moderne Architekturkonzept missfiel dem Landesamt für Denkmalpflege.“
Die Atmosphäre wurde dadurch nicht besser, und vor drei Wochen eskalierte die Situation endgültig. Zum einen gab es öffentliche Vorwürfe Gerstls gegen Behördenvertreter in einem Anzeigenblatt, zum anderen traf bei ihm ein Schreiben des Landratsamtes Schwandorf ein. Inhalt: Die Forderung, weitere Unterlagen für den vorliegenden Bauantrag aus 2017 für Schloss Pirkensee einzuschicken, samt Fristsetzung, da ansonsten eine „finale Ablehnung“ erfolgen würde. Damit ist der Ausbau des Schlosses als Büro und Hotel in „weitere Ferne“ gerückt, was wiederum zur Eigenbedarfskündigung für die Alte Post führte.
Dazu kommt ein weiterer Dissens über den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses auf dem Grundstück von Bergers Café. Erneut legte das Landesamt für Denkmalpflege ein Veto ein. „Hier laufen momentan zeitintensive Klärungen, ob sich nicht doch eine Lösung findet“. Ein weiterer Versuch, einfache Übernachtungsmöglichkeiten am Schlosspark in Pirkensee, auf den Terrassen, in Form von Tiny Houses zu schaffen, scheiterte kürzlich im Bauausschuss der Stadt Maxhütte-Haidhof.
Auch die vorerst letzte Option zerschlagen
„Letzte Option“, zumindest Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen, war es, das Gebäude „Hotel-Garni“ in Ponholz zu erwerben, das als Unterkunft für Geflüchtete im Gespräch ist. Angesichts der Preisvorstellungen des Eigentümers, dem ein zehnjähriges Mietangebot der Regierung der Oberpfalz vorliegen soll, habe es keine finanzielle Einigung gegeben.
Eine Gemengelage, die für Gerstl nach eigenen Worten Anlass ist, einen grundsätzlichen Neustart in seinen Planungen sowie den Beziehungen zu den Behörden anzustreben. Erster Schritt dazu: Für das Projekt Schloss werde derzeit von ihm „ein neues denkmalerfahrenes Team aufgestellt“, das sein eigenes Architektenbüro bei einer neuen Planung unterstütze.