Wenn das Traumschloss zum Alptraum wird: Denkmalschutz oder zeitgemäße Nutzung?

Robert Gerstl kaufte sich in der Oberpfalz ein denkmalgeschütztes Anwesen – das Schloss Pirkensee im Landkreis Schwandorf. Seither läuft er gegen Wände. Obwohl das Schloss 1999 bis auf die Grundmauern niederbrannte, redet der Denkmalschutz ein gehöriges Wörtchen mit.
Luftschlösser hat sich Robert Gerstl keine gebaut. Im Gegenteil. „Man kauft sich doch kein Schloss, weil man gerade Lust dazu hat“, sagt der Unternehmer. „Ich habe jahrelang geplant, ein Konzept erstellt.“ Doch am Ende wurde das Traumschloss in Pirkensee für Gerstl zum Alptraum. „Ich bin für Denkmalpflege“, sagt der Schlossherr. „Aber die Zusammenarbeit mit dem Landesamt ist eine Katastrophe.“
Zwei Behörden sind es, mit denen sich Gerstl im Dauerclinch befindet. Auf der einen Seite steht das Landratsamt Schwandorf, in dem die Untere Denkmalschutzbehörde angesiedelt ist. In München sitzt das Landesamt für Denkmalpflege, eine Behörde, die in Bayern für über 100.000 Baudenkmäler und knapp 50.000 Bodendenkmäler zuständig ist.
Hotel und Büros geplant
Will man die Bedeutung des Amtes erfassen, dann tut der Blick in die Geschichtsbücher Not: Denn schon König Ludwig I., der mit der Walhalla bei Regensburg, der Befreiungshalle bei Kelheim oder dem Pompejanum in Aschaffenburg selbst bedeutende Baudenkmäler schuf, legte den Grundstein für die Behörde. 1835 veranlasste der König, die „Generalinspection der plastischen Denkmale des Reiches“ zu gründen und die Denkmäler seines Königreichs fotografieren zu lassen.
Heute hütet das Landesamt die Schätze des Freistaates. Doch lässt es den Eigentümern dieser Güter noch die Chance, das Denkmal weiterzuentwickeln? Gerstl findet: Nein. 2017 kaufte er das Schloss Pirkensee, das 1999 einer Brandstiftung zum Opfer fiel und bis auf die Grundmauern abbrannte. „Ich hatte von Anfang an eine öffentliche Nutzung geplant“, sagt Gerstl. „Im Schloss sollten Arbeitsplätze für zwischenzeitlich 80 Mitarbeiter entstehen, zudem sollte eine Gastronomie und eine Hotelnutzung mit 30 Betten folgen“, sagt Gerstl. Doch alles kam ganz anders. „Der Denkmaleigentümer ist nur ein Bittsteller“, sagt der Schlossherr heute, nachdem er sechs Jahre gegen Windmühlen kämpft.
Die Behörde sieht das völlig anders. „Die Untere Denkmalschutzbehörde und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bemühen sich seit vielen Jahren, zusammen mit dem Eigentümer eine wirtschaftliche und auch denkmalfachlich vertretbare Lösung für das Baudenkmal Schloss Pirkensee zu finden“, teilt eine Sprecherin mit. Das Ziel der Denkmalpflege sei es, „dass ein Denkmal weiterhin zeitgemäß genutzt und dadurch erhalten werden kann“. Das Landesamt sei in der Beratung der Bauherren bestrebt, „Lösungen zu finden, mit denen die unterschiedlichen Anforderungen angemessen umgesetzt werden können“, so die Stellungnahme. Kosten für Renovierung und Instandhaltung sei bei denkmalgeschützten Gebäuden oft teurer als der Erwerb der Immobilie selbst. Dafür gebe es aber jede Menge staatlicher Zuschüsse, steuerlicher Vergünstigungen und vieles mehr. Doch der Eingriff in die Substanz müsse eben abgewogen werden. „Diese Abwägung ist Voraussetzung, dass eine Erlaubnis erteilt oder versagt werden kann“, teilt das Landesamt mit. Auch das Landratsamt Schwandorf lässt ausrichten, man habe das Projekt Gerstls von Anfang an unterstützt. „Jedoch fehlen bis heute ein prüfbares und stimmiges Immissionsschutzgutachten sowie ein denkmalgerechtes Konzept, das diesem besonderen Einzeldenkmal gerecht wird“, heißt es von der Behörde.
Dabei kann man in unmittelbarer Umgebung zu Schloss Pirkensee sehen, was passiert, wenn ein Denkmal keinen Investor findet. In Münchshofen im Landkreis Schwandorf steht ein Schloss, das als eines der wenigen vollständig im Stil der Renaissance erbauten Schlösser gilt. Es ist vom Verfall bedroht. Wie viele solcher Denkmäler vor sich hin verfallen, kann man beim Landesamt in München übrigens nicht sagen: „Es gibt keine belastbaren Kenntnisse über die Anzahl unsanierter Baudenkmäler in der Oberpfalz“, so eine Sprecherin.
Schloss Pirkensee ist nicht die einzige Baustelle, die Gerstl mit den Denkmalschützern hat. Er kaufte auch die Alte Post in Ponholz, ganz in der Nähe von Pirkensee. Die 1766 errichtete Poststation der Fürsten von Thurn und Taxis ist zwischenzeitlich saniert. Doch der Wiederaufbau von Teilen der Anlage scheiterte. Im August erhielt er vom Landratsamt die Ablehnung für den Neubau eines Boarding Houses mit fünfzehn Einheiten und einem Nebengebäude. Der zuständige Gebietsreferent für Pirkensee beim Landesamt für Denkmalpflege hatte Bedenken angemeldet, denn „die Lage des Apartmenthauses und seine Abmessungen“ würden laut Landesamt und Landratsamt den „Fokus weg von der Alten Post hin zum geplanten Vorhaben lenken“, wie es in dem Ablehnungsbescheid heißt.
Schlossherr gibt nicht auf
Gerstl will nicht aufgeben. Zwischenzeitlich erwägt er, Schloss Etterzhausen im Landkreis Regensburg zu erstehen. Derzeit ist es mit einem Kaufpreis von knapp zwei Millionen Euro inseriert. Ob er zuschlägt und seine Firma lieber dort statt nach Pirkensee verlagert, ist eine seiner Überlegungen. Das Exposé des Schlosses zeigt jedenfalls, welches Problem Gerstl dort nicht hätte: In Etterzhausen wurde innen bereits vollständig saniert. Probleme mit der Denkmalpflege könnte es somit nur in geringem Umfang geben.
