In diesem Renaissance-Schloss kann man Schlossherr werden
Das Familienunternehmen Home-Bau saniert ein historisches Gebäude in Regendorf, das einst Altersheim mit Klosterschwestern und Schulfreizeit-Heim war. Der Denkmalschutz ist einverstanden.
Viele kennen das Schloss Regendorf noch als Freizeitstätte für Schüler. Ganze Generationen von Regensburger Pennälern machten Ausflüge in das Schloss. Zuvor betrieben Klosterschwestern dort ein Altenheim. Und bis 1920 beteten die Regendorfer im Untergeschoss des Herrschaftssitzes, denn dort war die Pfarrkapelle des Ortes untergebracht. Noch heute steht der alte Altar unter einem Kreuzgewölbe, ein Grabstein erinnert an den früheren Besitzer, den Grafen von Oberndorff. „Seine Überreste wurden damals aber schon umgebettet“, lacht Sabine Homeier. Die Unternehmerin hat das Schloss gemeinsam mit ihrem Mann Hans gekauft, Sohn Thomas ist der Bauleiter.
Alles unter Denkmalschutz
Denn der einstige Wohnsitz der Grafen von Faber-Castell, die hier sogar Bier brauten und es 1916, kurz vor dem Zusammenbruch des Kaiserreiches verkauften, soll kernsaniert werden. 24 teils herrschaftliche Wohnungen sollen im Schloss entstehen, acht im Marstall. Der Quadratmeterpreis wird zwischen 5500 und 6500 Euro liegen. Doch weil die gesamte Anlage mitsamt des Marstalls und sogar der Schlossmauer unter Denkmalschutz steht, können Käufer das Objekt weitgehend von der Steuer absetzen. „Ein Handwerker, der für uns arbeitet, kannte den alten Besitzer, ein Zahnarzt.“ Der habe im Schloss Material gelagert, so seien die Homeiers immer wieder in das Gebäude gekommen. „Es ist eine unglaublich große Herausforderung, das zu sanieren“, sagt auch Sabine Homeier. Etwa zehn Millionen Euro müssen investiert werden, um aus der früheren Unterkunft für Schüler eine moderne Wohnanlage zu machen.
Der Vorbesitzer des Schlosses, ein Zahnarzt, hatte es bereits voruntersuchen und die Baugeschichte rekonstruieren lassen. Der Regensburger Architekt Stefan Ebeling beschrieb das Gebäude so: 1510 starb das Geschlecht der Regeldorfer aus, 1515 wird das Gut neu erreichtet. Schon im 13. Jahrhundert muss dort ein Adelssitz gewesen sein, ob dieser in den Neubau von 1515 integriert wurde, ist nicht mehr nachweisbar. Gefunden hat er aber spätmittelalterlichen Setzmörtel.
Im Dreißigjährigen Krieg gibt es Zerstörungen. 1662 wird das Schloss an einen Freiherrn Christian von Egg verkauft. Ende des 17. Jahrhunderts kauft es Philipp Anton Leopold von Oberndorff, 1840 wird es klassizistisch umgebaut. Das Schloss kommt in den Besitz der Familie von Faber-Castell.
Sowohl das Schloss, als auch die Außenmauer und der Baumbestand stehen unter Denkmalschutz. Im Inneren ist das Gebäude Opfer der 60er Jahre geworden: Weiße Fliesen verunstalteten die Wände, die Waschbecken in den einzelnen Zimmern wurden bereits abgenommen. In einem der Zimmer im Erdgeschoss finden sich noch Überreste der historischen Wandbemalungen aus der Renaissance-Zeit. Und auch ein alter Parkettboden aus dem 19. Jahrhundert, der Zeit, in der die Grafen von Faber-Castell hier residierten.
„Wir machen eine komplette Kernsanierung, bei der die Bodenplatte neu aufgebaut und die Zwischendecke erneuert wird“, erzählt Bauleiter und Geschäftsführer Thomas Homeier. Geplant ist, das Schloss bis 2024 bezugsfertig zu sanieren. „Die alte Ansicht von 1900 dient als Vorlage, wir werden die Fensterform und die Fensterläden nach diesen Bildern gestalten“, so Homeier.
Ein Park soll entstehen
Nicht nur die Käufer der Wohnungen, die hier entstehen sollen, werden das Schloss genießen können. Denn die Außenanlage soll wieder hergestellt werden, angelehnt daran, wie sie im 19. Jahrhundert bestand. Eine klein Treppe, die noch heute existiert, und ein Weg führten damals zu einem Brunnen, dessen Grundriss noch heute zu sehen ist. „Hier lag ein klassizistischer Garten, die Blickachse lief von der Belle Etage auf den Brunnen“, sagt Sabine Homeier. Der wieder angelegte Weg soll mit Buchsbäumchen gesäumt werden, damit die neuen Besitzer hier flanieren können.
Alles, was im Schloss saniert wird, muss naturgemäß mit dem Denkmalschutz abgesprochen werden. Doch sowohl die Bauherren, als auch das Amt sprechen von einvernehmlicher und enger Zusammenarbeit. „Es trifft zu, dass es ein gutes Einvernehmen zwischen den drei genannten Parteien – Untere Denkmalschutzbehörde, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege und Bauherren – gibt“, heißt es aus dem Landratsamt. „Die bisherigen Abstimmungen hinsichtlich der Sanierung des denkmalgeschützten Schlosses Regendorf erfolgen einvernehmlich.“
Den ersten Bewohner hat das Schloss Regendorf übrigens schon: Nämlich den Storch. Nachdem Störchin und Nachwuchs das Nest verlassen haben, lässt es sich Vater Adebar auf dem Dach gutgehen. Die Bauarbeiten unter ihm stören ihn keineswegs.