Angriff auf der Steinernen Brücke: Mutter des Opfers hörte Attacke live am Telefon mit

Von André Baumgarten · 16. Oktober 2023 um 17:00

Ein 28-Jähriger stößt am Freitag einen jungen Syrer (20) in Regensburg von der Steinernen Brücke. Nun gibt es neue Details: Vieles deutet auf eine Tat im Wahn, doch auch fremdenfeindliche Tendenzen werden geprüft. Der Tatverdächtige zeigte bei der Festnahme den Hitlergruß – nicht zum erstem Mal.

Das 20-jährige Opfer telefonierte am Freitag gegen 12.15 Uhr per Video mit seiner Mutter. Offenbar wurde er dabei völlig unvermittelt von dem Mann attackiert. Laut Augenzeugen soll es vor dem Angriff keinerlei Gespräch zwischen den Männern gegeben haben. Der 20-Jährige sei ruhig an der Brüstung der Steinernen Brücke gestanden. Das Handy habe vor ihm gelegen, als der 28-Jährige an ihn herantrat und ihn in die Tiefe stieß.

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Erste Informationen seitens der Polizei, dass es womöglich einen Streit gegeben habe, bestätigten sich mit den neuen Erkenntnisse nicht. Mehrere Passanten hielten den Angreifer in Schach, ehe er festgenommen werden konnte. Ein zufällig anwesender Polizist verhaftete den 28-Jährigen, bevor die ersten alarmierten Streifenwagen am Tatort in der Altstadt eintrafen.

Nach seiner Festnahme gab der Mann zu, den 20-Jährigen von der Brücke geschmissen zu haben. So bestätigte es Thomas Rauscher von der Regensburger Staatsanwaltschaft auf Nachfrage. Nach erster Einschätzung spreche aber vieles für ein psychotisches Erleben. Für die abschließende Beurteilung sei es noch zu früh. „Wir ermitteln in alle Richtungen.“

Mann (28) zeigte auf der Steinernen Brücke den Hitlergruß

Bei den Ermittlungen geht es auch um Fremdenhass als ein mögliches Motiv, wie Polizeisprecherin Corinna Wild am Montag nun auch offiziell bestätigte. Dabei wurde bekannt, dass bei dem Opfer keine Lebensgefahr besteht. Laut MZ-Recherchen soll der Mann bei der Verhaftung den Hitlergruß gezeigt haben. Das gaben mehrere Zeugen des Vorfalls in Aussagen bei der Kripo an.

Und das wäre nicht das erste Mal: Wie berichtet, lief gegen den 28-Jährigen ein Strafverfahren wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen. Im März 2022 war der Mann durch die Landshuter Innenstadt gelaufen und hatte mehrfach die Hand zum Hitlergruß ausgestreckt. Polizeibeamte fanden zudem selbstgemalte SS-Runen auf dem Rucksack. Auch damals soll der 28-Jährige bei der Tat psychotisch gewesen sein. Das Verfahren wurde vor gut einem Jahr wegen Schuldunfähigkeit eingestellt.

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Das Zimmer, in dem der Verdächtige in Amberg lebte, wurde am Freitag durchsucht. Dabei fanden die Ermittler nichts, was auf eine rechtsradikale Gesinnung hinweisen würde. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, befand sich der Mann in der Vergangenheit mehrfach in psychiatrischen Krankenhäusern.

Aus seinem Umfeld wurde bekannt, dass der 28-Jährige unter Psychosen und Paranoia gelitten haben könnte. Seit Jahren soll er viel mit Rauschgift zu tun gehabt haben. Darauf deutet ein ebenfalls offenes Verfahren wegen Drogenbesitzes hin: Erst im Mai hatten Fahnder ihn mit mehr als 100 Gramm Amphetaminen und Crystal Meth am Regensburger Hauptbahnhof erwischt.

Schwierige Suche nach dem Motiv für Brücken-Stoß

Die Frage nach dem Motiv beschäftigt Kripo und Staatsanwaltschaft in Regensburg intensiv. Bei den Ermittlern soll sich der 28-Jährige als ehrlicher Mensch, aber gottgleich bezeichnet und angedeutet haben, das Opfer sei ein Drogendealer. Das dürfte einer der Gründe sein, warum der Angreifer nicht in Haft, sondern in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wurde. So hatte das der Ermittlungsrichter entschieden.

Am frühen Samstagabend brachten Zivilbeamte den Tatverdächtigen (28) zum Ermittlungsrichter. Dieser ordnete seine Unterbringung in der Psychiatrie an. Foto: Philip Hell