Hinweise auf rechtsextremen Hintergrund: Mann (28) stößt Syrer von der Steinernen Brücke

Von Philip Hell, André Baumgarten · 13. Oktober 2023 um 19:00

Großeinsatz auf der Steinernen Brücke: Am Freitagmittag gegen 12.15 Uhr wurde ein 20-jähriger Syrer über die Brüstung gestoßen. Er fiel rund zehn Meter tief und landete auf einem Brückenpfeiler. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts – und hat einen 28-jährigen Deutschen festgenommen. Die Tat könnte einen ausländerfeindlichen Hintergrund haben.

Der Polizei zufolge ging dem Stoß ein Streit voraus. Über den Grund dieser Auseinandersetzung schweigt die Polizei bislang. Nach Informationen der Mediengruppe Bayern ist der 28-Jährige amtsbekannt. Womöglich handelt es sich bei dem Mann, der in Amberg lebt, um einen Rechtsextremisten. Vor knapp einem Jahr wurde gegen ihn wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen ermittelt. Unbestätigten Informationen zufolge ermittelt die Polizei aktuell auch in diese Richtung. Offiziell schweigen die Beamten zu einem möglichen Motiv . „Wir stehen noch am Anfang der Ermittlungen“, sagte Polizeisprecherin Corinna Wild zur Mediengruppe Bayern.

Attacke in Regensburg: Tatverdächtiger mehrfach vorbestraft

Wie Recherchen unserer Mediengruppe ergaben, ist der 28-Jährige bereits mehrfach vorbestraft. Dabei soll es um Eigentumsdelikte, aber auch Beleidigung sowie Körperverletzung gehen. Zudem liegen zwei laufende Strafverfahren gegen den Amberger vor: Erst im Mai soll er am Regensburger Bahnhof mit einer nicht geringen Menge Rauschgift aufgegriffen worden sein. Das letzte Verfahren mit möglicherweise ausländerfeindlichen Hintergründen war im Oktober 2022 wegen Schuldunfähigkeit eingestellt worden.

Die genauen Hintergründe der aktuellen Tat muss nun die Regensburger Kriminalpolizei aufklären. Der 20-jährige Syrer wurde bei dem Sturz von der Steinernen Brücke schwer verletzt. Er kam Wild zufolge in ein Krankenhaus. Passanten hatten dafür gesorgt, dass der Tatverdächtige festgenommen werden konnte. Sie beobachteten den Stoß auf der Brücke und hielten den 28-Jährigen fest, bis Polizeibeamte eintrafen.

Der Großeinsatz sorgte für Aufsehen im Herzen der Altstadt. Neben Polizeibeamten waren Kräfte der Feuerwehr, Sanitäter und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Einsatz.

Syrer in Regensburg verletzt: Blutspritzer auf der Brücke

Die Kriminalpolizei sicherte vor Ort Spuren. Auf dem Vorsprung, auf dem der junge Mann aufgekommen war, waren Blutspritzer deutlich sichtbar. Die Steinerne Brücke war rund eine Stunde gesperrt. Zahlreiche Passanten blieben stehen und beobachteten, wie die Feuerwehr den 20-Jährigen mit einem Kran und einer Trage rettete. Die Bergung nahm in etwa 20 Minuten in Anspruch. Polizisten gingen durch die Reihen der Schaulustigen und suchten nach Menschen, die etwas beobachtet haben. Auch von einem Polizeiboot aus machten die Beamten entsprechende Durchsagen.

Ein junges Paar meldete sich, sie hätten bei der Polizei angerufen, um den Vorfall zu melden. Polizisten sprachen mit dem Paar. Zudem vernahmen die Beamten einen Straßenmusiker, der dem Vernehmen nach alles mit angeschaut haben soll. Diese Beobachtungen wollte Polizeisprecherin Wild nicht kommentieren. Nur so viel: „Wir haben natürlich Zeugen.“

Allerdings suchen die Beamten Wild zufolge noch nach weiteren Menschen, die etwas beobachtet haben. Sie sollen sich unter der Telefonnummer 0941/506-2888 an die Polizei wenden.