Antifa macht Brücken dicht: Anti-Ampel-Protest stößt nicht auf Grünen-Chefin Ricarda Lang

Großkampftag in Regensburg: In der Domstadt prallten am Samstag zwei Demonstrationen aufeinander. Ein Protestzug gegen die Ampel-Regierung musste umdrehen, weil Aktivisten zwei Brücken blockierten.
Der Mann stößt immer wieder in sein Horn. Wenn er die Lippen vom Instrument absetzt, lächelt er ein wenig verschmitzt und blickt auf die andere Seite des Absperrgitters am Dultplatz. Dort haben sich am Samstagnachmittag rund 200 Menschen versammelt, um gegen eine Anti-Ampel-Demonstration zu protestieren. Zu ihnen spricht Sebastian Koch. Während der SPD-Politiker betont, wie wichtig die Brandmauer nach rechts sei, entscheidet sich der Hornist dazu, die deutsche Nationalhymne zu spielen. Nach drei Strophen, die zum Teil von einem Kompagnon mit einer Kuhglocke untermalt werden, wendet er sich dann doch seiner eigenen Demo zu.
Demo in Regensburg: „Stoppen wir gemeinsam diesen Ampel Wahnsinn!“
Diese stand unter dem Motto „Stoppen wir gemeinsam diesen Ampel Wahnsinn!“ Die Anmelderin der Kundgebung hatte zeitweise mit rund 1000 Teilnehmern gerechnet.
Gekommen sind laut Polizei rund 400 − die allerdings zum Teil von sehr weit her. Ausweislich ihrer T-Shirts stammten sie beispielsweise aus Sachsen und Oberbayern. Das Publikum der Demonstration war in der Vergangenheit häufiger Teil sogenannter Querdenker-Proteste, die sich gegen Corona-Maßnahmen richteten. Daneben nahmen auch Menschen aus dem rechten Spektrum an der Demo teil. Beispielsweise Mitglieder der Freien Sachsen, einer rechtsextremen Partei aus dem bayerischen Nachbarland. Die Gegendemonstranten bezeichneten die Kundgebung auf dem Dultplatz als rechts, beziehungsweise rechtsextrem.
Genderwahn und Trommeln
Auf der Bühne präsentierten die Redner einen Parforceritt durch eine Reihe von Themen. Der „Genderwahn“ entzürnte die Demo-Anmelderin. Darüber hinaus stört sie sich an einer angeblichen Frühsexualisierung von Kindern. Auch Waffenlieferungen an die Ukraine kritisierte sie.
Die Reden am Dultplatz wurden begleitet von massiven Protesten mehrerer politischer Gruppen und Parteien. Die Demo-Anmelderin betonte, ihr sei es wichtig, dass sich der Protestzug pünktlich um 15 Uhr in Bewegung setzt, damit man Grünen-Parteichefin Ricarda Lang noch standesgemäß in Regensburg begrüßen könne. Die Spitzenpolitikerin sprach am Samstagnachmittag am Bismarckplatz, die Route des Demonstrationszugs sollte ebenfalls über den Platz vor dem Theater führen, die Stadt hatte darin im Vorfeld kein Risiko gesehen. Bereits am Mittag waren Polizeikräfte damit beschäftigt, den Platz zu sichern, sie errichteten beispielsweise Blockaden rund um die Bühne.
Polizei will Aktivisten von Brücke schieben
Um kurz nach 15 Uhr setzte sich der Anti-Ampel-Zug in Bewegung – kam allerdings nur bis zum Brückenbasar in Stadtamhof. Eine Menschengruppe hatte die Steinerne Brücke blockiert. Darunter waren auch Mitglieder der Antifa. Polizeieinsatzleiter Armin Glötzl forderte die Blockierer mehrfach auf, die Brücke zu räumen – diese blieben jedoch. Die Anti-Ampel-Demonstration blieb derweil beim Brückenbasar stehen und sorgten mit ihren Trommeln für Unterhaltung in den Cafés.
Um Punkt 16 Uhr gab Glötzl das Kommando, die Aktivisten von der Brücke zu schieben. Zentimeter um Zentimeter drückten Einheiten der Bereitschaftspolizei die Aktivisten die Steinerne Brücke entlang. Dabei kam es immer wieder zu Rangeleien. Ein junger Mann aus der Blockade wurde nach einem Scharmützel von zwei Polizisten zu Boden gebracht. Wie Einsatzleiter Glötzl der MZ am Samstagabend bestätigte, wurde der Mann festgenommen. Der Einsatz wurde von Kommentaren von Passanten begleitet. „Schmeißt‘s es die Bruck runter“, äußerte einer und meinte damit die linken Aktivisten. „Schlagt‘s erna an Schädel ei“, forderte ein anderer, als Polizisten ihre Schlagstöcke präsentierten. Die Waffen kamen allerdings nicht zum Einsatz. Insgesamt war die Stimmung rund um die Kundgebungen sehr angespannt.
Demozug dreht um
Neben einigen Journalisten berichteten auch Blogger aus der Querdenker-Szene über die Demo. Teilweise wurden die Geschehnisse in Regensburg live ins Internet übertragen. Die Querdenker-Aktivisten filmten die Demonstration und streamten sie – teilweise mit Kommentar – ins Netz.
Nach rund einer Stunde Blockade änderte die Anti-Ampel-Kundgebung ihre Route und zog über den Grieser Steg und die Eiserne Brücke in Richtung Innenstadt – erneut wartete jedoch der linke Gegenprotest. Unweit des Bayernmuseums positionierten sich rund 300 Menschen, um die Anti-Ampel-Demo aufzuhalten. Ein weiteres Mal standen sich die Gruppen gegenüber – gesichert von jeder Menge Polizei. Rund eine Stunde lang harrten die beiden Lager aus. Beleidigungen flogen hin und her. Gegen 17.30 Uhr entschied sich die Querdenker-Demo dazu, zum Dultplatz zurückzukehren. Der Protestzug bestand dann laut Polizei nur noch aus 40 Menschen.
Zur gleichen Zeit war die Wahlveranstaltung der Grünen am Bismarckplatz bereits anderthalb Stunden vorbei. Vorfälle gab es bei der Veranstaltung laut Polizei nicht. Grünen-Parteichefin Lang dürfte durchaus froh darum gewesen sein, von der Anti-Ampel-Demo nicht begrüßt worden zu sein.






