„Wir wollen den Lindner sehen!“ – FDP-Chef spricht in Regensburg und bekommt Gegenwind

Von Philip Hell · 25. September 2023 um 22:20

FDP-Chef Christian Lindner gab bei seinem Auftritt auf dem Regensburger Haidplatz liberale Klassiker zum Besten – und musste sich mit einigen Gegendemonstranten auseinandersetzen.

Der junge Mann blickt direkt in die Handykamera eines Touristen. In der linken Hand eine Flasche Billig-Bier und eine Zigarette, sein Haar ist pink gefärbt. „Today we listen to Christian Lindner. He ist the star of the liberal party.“ Der Tourist grinst und reckt einen Daumen hoch. Neben den beiden sind rund 400 andere Menschen gestern Abend auf den Haidplatz gekommen, um Christian Lindner, Star der Liberalen, FDP-Parteichef und Bundesfinanzminister zu hören. Doch nicht alle waren freundlich gesinnt.

Schon als Lindners Vorredner sprachen, machte sich eine kleine Gruppe aus Gegendemonstranten bemerkbar – ihr Rädelsführer: der Herr mit pinkem Haar und Vorliebe für preiswertes Bier. Dabei hieß Christoph Skutella, FDP-Landtagsabgeordneter aus Weiden, die Demonstranten – auch eine Gruppe von Greenpeace-Aktivisten protestierte mit Plakaten – sogar willkommen. Das war ihnen jedoch völlig wurscht. „Wir wollen den Lindner sehen!“

Freude über Demonstranten

Auch Martin Hagen, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Landtag, vermochte es nicht so recht, die Lust auf Lindner zu stillen. Allerdings hatte er eine frohe Botschaft für die lautstarken Demonstranten: „Wir arbeiten an der Legalisierung von Cannabis, dann seid ihr beschäftigt!“ Postwendende Antwort: „Wir haben schon Bier hier!“ Hagen sprach über den Plan der FDP für die Zukunft, betonte, dass seine Partei nichts für Nostalgiker und Untergangspropheten sei, gestand aber auch ein: „Die Umfragen sagen, es wird knapp.“ Aktuelle Prognosen sehen die Partei bei rund drei Prozent. Dabei brauche die bayerische Staatsregierung eine Kraft, die liberal, weltoffen und seriös sei, so Hagen.

Mit Sakkos und weißen Hemden bekleidete breite Schultern, die sich am Bühnenaufgang positionierten, kündeten davon, dass mit einiger Verspätung eben jener Christian Lindner am Haidplatz eingetroffen war, denn sich die Gegendemonstranten ersehnt hatten. Während diejenigen brav klatschten, die im eingezäunten Sicherheitsbereich vor der Bühne einen Platz ergattern konnten, johlte die Gruppe der Gegendemonstranten außerhalb des Zauns. Ein Mann schrie: „Ich will ein Kind von Ihnen!“ Lindner folgte einer alten Regel – und fing mit einem Witz an: „Schön, dass ihr da seid. Es stört niemanden, wenn ihr schreit. Dadurch entsteht kein Schaden – außer an euren Stimmbändern. Ihr werdet morgen feststellen, dass man nur bei Wahlen eine Zweitstimme hat – aber nicht in der Natur.“ Lindner legte noch einen drauf: „Es gab Zeiten, da hätten wir Liberalen Freibier ausgeschenkt, damit gegen uns demonstriert wird.“ Womit er bei der kleinen Gruppe einen Nerv traf: „Freibier! Freibier! Freibier!“ Der Gegenwind zeige, dass die FDP relevant sei und dass mit ihr bei der Landtagswahl zu rechnen sei. „Danke für die Motivation!“ Damit wurde Lindner inhaltlich. Er sprach zunächst über das Corona-Virus, mit dem er sich in der vergangenen Woche infiziert hatte. „Der Verlauf war übrigens milde.“ Er forderte, dass Gesundheitsschutz wieder Privatsache werden müsse.

Womit der 44-Jährige bei der Meinungsfreiheit angelangt war. „Das ist keine Selbstverständlichkeit!“ Das sehe man gerade in der Ukraine. „Die Menschen dort müssen um das Recht auf ein eigenes Leben kämpfen. Friede und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeit.“ Angesichts dessen wurden sogar die Demonstranten kurz leise. Als Lindner dann jedoch für eine Aufrüstung Deutschlands plädierte, hagelte es Buh-Rufe. In seiner rund halbstündigen Rede ließ Lindner kaum einen FDP-Klassiker aus. Er sprach sich mehrfach gegen Verbote aus und betonte, wie wichtig das wirtschaftliche Fundament der Bundesrepublik sei und wie die Inflation dieses unterspüle. Eine höhere Staatsverschuldung verschlimmere die Inflation nur noch. „Die Schuldenbremse ist kein Fetisch von mir. Sie ist ein Gebot der ökonomischen Vernunft.“ Zudem kritisierte Lindner eine zu hohe Erbschaftssteuer im Unternehmenssektor: „Warum soll der Mittelstand alle zwanzig bis dreißig Jahre sein gesamtes Eigenkapital bei Herrn Füracker abgeben?“ Zudem müsse man das Leistungsprinzip wiederentdecken.

Technologie und Innovation

Auch das Thema Migration sprach Lindner an. Er stellte einen Zusammenhang zwischen einer hohen Kinderarmut und der Zuwanderung seit 2015 her. Teilweise sei er dafür als Rassist bezeichnet worden. Im eingezäunten Bereich gab es Applaus, außerhalb schallten Buh-Rufe über den Haidplatz. „Wir dürfen entscheiden, wer bei uns sein Glück suchen darf!“ In Sachen Klimaschutz forderte Lindner Technologie und Innovation. An Greenpeace gerichtet betonte er: „Euer Klimaschutzkonzept funktioniert nicht.“

Zu guter Letzt empfahl Lindner allen Anwesenden, eine Wahlentscheidung im Kopf – und damit für die FDP – zu treffen, ging von der Bühne und stieg in seine Limousine. Was zu einer gewissen Enttäuschung bei seiner bunthaarigen Fan-Meute führte. „Ich hätte schon noch gerne ein Foto mit ihm gemacht“, sagte einer.