20-Jährigen von der Steinernen Brücke in Regensburg gestoßen: So hat der Haftrichter entschieden

Von André Baumgarten, Philip Hell · 14. Oktober 2023 um 20:13

Der 28-Jährige, der einen 20-jährigen Syrer am Freitag von der Steinernen Brücke gestoßen haben soll, wurde am frühen Samstagabend dem Haftrichter vorgeführt. In Haft muss der Verdächtige nicht.

Gegen den Tatverdächtigen wird nach MZ-Informationen wegen des Verdachts auf versuchten Mord ermittelt. Die Staatsanwalt beantragte Haftbefehl gegen ihn. Der Mann, der zuletzt in Amberg lebte, wird auf richterlichen Beschluss jedoch in einer Fachklinik untergebracht – er kommt also nicht in Haft. Zwei Beamte der Regensburger Kriminalpolizei fuhren ihn in das Krankenhaus. Im weißen Anzug und gefesselt ging der Mann am Samstag durch den strömenden Regen im Innenhof des Justizgebäudes. Die beiden Vorführbeamten erlaubten ihm noch zu rauchen, ehe sie ihn im Auto sicherten.

Der 28-jährige Deutsche soll am Freitagmittag einen 20-jährigen Syrer von der Steinernen Brücke gestoßen haben. Der Mann fiel rund zehn Meter tief und wurde schwer verletzt. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht. Sein Zustand sei unverändert, sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Dem Stoß soll ein Streit vorausgegangen sein. Passanten hatten den Mann nach der Tat aufgehalten, bis die Polizei eintraf. Die genauen Hintergründe der Tat sind bislang jedoch völlig offen.

Syrer von Regensburg Brücke gestoßen? Verdächtiger schweigt

Gegenüber dem Richter soll der Verdächtige nach Informationen unserer Zeitung geschwiegen haben. Auch bei der Kripo machte der 28-Jährige keine Angaben. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, wurde er aufgrund seines Zustandes nicht vernommen. Ein psychiatrischer Sachverständiger soll den Verdächtigen aber untersucht haben – dabei ging es um verminderte Schuldfähigkeit oder Schuldunfähigkeit.

Zu den genauen Hintergründen der Tat äußerte sich die Polizei bislang nicht. Womöglich steht aber eine drogenindizierte Psychose im Raum. In einem der beiden aktuell offenen Strafverfahren gegen den 28-Jährigen geht es um nicht geringe Mengen Rauschgift. Mitte Mai war er in Bahnhofsnähe aufgegriffen worden. Die Fahnder stellten bei ihm dabei wohl mehr als 100 Gramm Amphetamine und Crystal Meth sicher. Der Prozess dazu soll in Kürze anstehen, hieß es.

Verdächtiger soll aus dem Drogen-Milieu stammen

Menschen aus dem Umfeld des Mannes berichteten der MZ, dass der 28-Jährige in den vergangenen Jahren viel in Berührung mit Drogen gekommen sein soll. Dabei habe er auch andere Substanzen als die üblichen Partydrogen konsumiert. Auch von Psychosen ist die Rede. Ob die Tat unter dem Einfluss von Drogen stattfand, werden die Ermittlungen zeigen. Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus, die der Haftrichter anordnete, ist ein deutliches Indiz dafür.

Doch auch Rassismus als mögliches Tatmotiv ist damit noch nicht vom Tisch. MZ-Recherchen zeigten schon am Freitag, dass es sich bei dem Verdächtigen womöglich um einen amtsbekannten Rechtsextremisten handeln könnte. Vor rund einem Jahr soll gegen ihn ermittelt worden sein, weil er Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen verwendet haben soll. Das Verfahren wegen möglicher rechtsradikaler Vorfälle wurde Ende Oktober 2022 jedoch eingestellt. In diesem Fall wegen Schuldunfähigkeit, die ein Gutachter attestiert hatte. Aus dem Umfeld des Mannes war zu hören, dass er nicht im rechtsextremen Spektrum organisiert sei, auszuschließen sei ein entsprechendes Weltbild allerdings auch nicht. Offiziell äußert sich die Polizei nicht dazu – allerdings ermitteln die Beamten nach Informationen unserer Zeitung auch in diese Richtung.

Wann äußert sich die Polizei?

Der 28-Jährige ist jedenfalls kein unbeschriebenes Blatt: Drei weitere rechtskräftige Eintragung weist das Bundeszentralregister in Sachen Vorstrafen aus: Dabei ging es nach MZ-Recherchen um Diebstahl und Sachbeschädigung, Beleidigung sowie Körperverletzung. Im zweiten noch offenen Verfahren geht es ebenfalls um Eigentumsdelikte. Gerichtstermin gibt es dazu aber wohl noch keinen.

Wie es nach dem Stoß von der Steinernen Brücke weitergeht, ist derzeit völlig offen. Weitere Informationen will die Polizei „frühestens am Montag“ liefern, wie ein Sprecher am Samstagvormittag sagte.