ÖDP will Mobilitätsmesse und die Classic Rallye aus Altstadt verbannen

Von Heike Haala · 17. Oktober 2023 um 05:00

Die Regensburger Classic Rallye und die Mobilitätsmesse Regensburg mobil tragen die Domstadt zwar im Namen, aus deren Herzen sollen diese Veranstaltungen aber verschwinden – zumindest, wenn es nach der ÖDP geht. Dafür gibt es heftigen Gegenwind.

Auf Initiative von Joachim Graf fordert die Fraktion, in der Altstadt keine Auto-Veranstaltungen mehr abzuhalten. Am Donnerstag soll der Verwaltungsausschuss über den Antrag entscheiden. „Der ,Autofrühling‘ und andere Veranstaltungen werden nicht mehr in der Altstadt abgehalten“, lautet der Beschlussvorschlag. Und an dieser Stelle beginnt auch schon die Kritik. „Den Autofrühling gibt es doch gar nicht mehr“, sagt Michael Quast, Geschäftsführer beim Stadtmarketing. Er ist Veranstalter der Messe Regensburg mobil, die vor einigen Jahren aus dem Autofrühling hervorgegangen ist. Im Mai werden seither auch Räder, E-Bikes und Autos mit Elektroantrieb präsentiert.

ÖDP kontra Autobranche

Initiator Graf lässt sich davon nicht beirren. Gemeint seien Veranstaltungen wie der Autofrühling. Ihm gehe es auch nicht lediglich darum, die Altstadt frei von Autos mit Verbrennungsmotor zu halten, sondern generell frei von Autos. „Es kommt nicht auf die Art des Antriebs an. Die Altstadt soll nicht mit Autos verstopft werden“, sagt er. Jede Art von Werbeveranstaltung sei da kontraproduktiv. Auf die Frage, welche Veranstaltungen mit dem Antrag denn noch gemeint seien, nennt Graf die Classic Rallye des Automobilclubs (AMC) Deuerling.

Die sei in diesem Jahr doch ohnehin vom Neupfarrplatz nach Stadtamhof umgezogen und mit der Schau auf den Dultplatz, beschwichtigt Christopher Lihl, zweiter Vorstand des AMC. „Die eigentliche Altstadt von Regensburg befahren wir nicht, vielmehr befinden sich nur Start- und Zielrampe in Stadtamhof“, verdeutlicht er. Lihl verteidigt die Idee der Classic Rallye und ihre Verbindung mit der Domstadt dann aber auch deutlich: „Bei Oldtimern handelt es sich um historisches Kulturgut, das einmal im Jahr in Regensburg präsentiert wird“, sagt der AMC-Chef.

Regensburg sei doch auch eine Stadt, die eng mit der Automobilindustrie verbunden ist und auf der ihr Wohlstand fußt, erklärt er. Florian Schmid, Geschäftsführer beim Autohaus Platzer, und Hans-Peter Landsmann, Chef im Autohaus Landsmann, die regelmäßig an Regensburg mobil teilnehmen, bringen dieses Argument ebenfalls vor: Gerade eine Stadt wie Regensburg habe der Autoindustrie viel zu verdanken, sagt Schmid. Daher würde es der Stadt auch gut anstehen, dies zu zeigen und wenigstens in der Möglichkeit einer Autoausstellung regionalen Ausmaßes zu fördern, fordert Landsmann. Deswegen solle die ÖDP die Automobilbranche doch auch als Schlüsselbranche sehen, wünscht sich Schmid. So lange es keine Alternativen im ÖPNV gibt, werde sich daran nichts ändern. „Und es wäre Aufgabe der Politik dafür zu sorgen“, kontert er. Stattdessen sei Bussystem überlastet, eine Stadtbahn werde es erst weit in der Zukunft geben.

Besserer ÖPNV gefragt

Der Individualverkehr ist für Lihl deswegen in weiten Bereichen Bayerns alternativlos. Auch Quast verdeutlicht, dass es etwa im Landkreis Regensburg nicht ohne ein Auto gehe.

Und so sieht es weder hier noch dort nach einer Planänderung aus: „Wir befinden uns bereits in der Vorplanungsphase für die Veranstaltung 2024 wieder mit dem Dultplatz als Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung“, sagt Lihl. Auch Quast kommt es darauf an, die Messe weiterhin in der Altstadt veranstalten zu können: Hier könne er viele Menschen erreichen, weswegen die Veranstaltung ein Anziehungspunkt für die Aussteller sei. Schmid vom Autohaus Platzer fände es schade, wenn die Messe nicht mehr in Regensburg stattfinden könnte. Immerhin sei sie die einzige Möglichkeit, in der Altstadt auszustellen – und das lediglich einmal im Jahr. Für Landsmann punktet die Messe mit dem Ambiente der Altstadt. „Es ging hier nie darum, die Stadt mit Autos zu verpesten oder zu verschandeln“, beteuert er.

Graf aber bleibt dabei: „Wir müssen Verkehr anders denken“, fordert er. Freilich sei der Antrag ein Symbol. Allerdings habe sich bei der Gebrauchtwagenschau im Gewerbepark auch gezeigt, dass andere Ausstellungsplätze für die Aussteller und das Publikum attraktiver seien, heißt es in dem Antrag. Die Veranstaltung im Gewerbepark sei aber ursprünglich als Neu- und Gebrauchtwagenschau konzipiert gewesen und müsste erst einmal als Autoschau eingeführt werden, entgegnet Landsmann darauf.