Stichwahl in Neumarkt: Wie die OB-Kandidaten die Energiewende voranbringen wollen

Am 22. Oktober wählen die Neumarkter per Stichwahl einen Oberbürgermeister. Egal, ob es Thomas Thumann (UPW) oder Markus Ochsenkühn (CSU) wird, jeder müsste sich die folgenden sechs Jahre mit einem großen Thema auseinandersetzen: der Energiewende. Was sind die Vorstellungen der Kandidaten?
In etlichen Punkten sind Thumann und Ochsenkühn bei diesem Thema einer Meinung. Es gibt aber auch Unterschiede. Einig sind sie sich beim Ziel. Beide streben eine theoretische Energieautarkie an. Die Stadt soll mindestens so viel erneuerbare Energie erzeugen, wie sie verbraucht. Eine tatsächliche Autarkie werde es aber nicht geben können, sagt Ochsenkühn. Neumarkt sei keine Insel, sondern Teil des großen Stromnetzes.
Bis zu diesem Ziel ist es jedoch noch ein Stück. 2021 erzeugte Neumarkt laut Energieatlas Bayern 63,6 Prozent seines Stromverbrauchs selbst durch erneuerbare Energiequellen (siehe Infokasten).
Um auf 100 Prozent und mehr zu kommen, wollen beide Kandidaten Sonne und Wind noch stärker nutzen. Thumann und Ochsenkühn sind sich einig: Es wird weitere Windräder brauchen – auch wenn sich bereits neun auf Stadtgebiet drehen. „Es werden nicht viele sein, aber es werden welche kommen“, sagt Thumann – und dass er die Zeugenberge davon frei halten wolle. Grund sind die durch den Bund auferlegten Ziele für Windkraftflächen. Neumarkt erarbeitet wie alle Gemeinden aktuell an Plänen.
Windräder und Solarparks in Neumarkt: Akzeptanz bei Bürgern entscheidend
Auch darin stimmen beide Kandidaten überein: Die neuen Windräder sollen möglichst durch die Stadt bzw. die Stadtwerke errichtet werden und die Möglichkeit bieten, dass sich Bürger finanziell daran beteiligen. Das steigere die Akzeptanz, glauben Thumann und Ochsenkühn unisono.
Akzeptanz ist bei Windrädern und Solarparks nicht immer gegeben. „Bürgermitnahme ist das A und O“, sagt Ochsenkühn und verspricht neben der Bürgerbeteiligung an Projekten eine frühzeitige und umfangreiche Kommunikation. Die nimmt Thumann als amtierender Rathauschef trotz aller Bürgerkritik im Zuge des geplanten Solarparks bei Rittershof auch für sich in Anspruch. Die Kritik kann er nicht nachvollziehen, es habe eine der größten Bürgerbeteiligungen jemals in der Stadt gegeben. Diese hat aus seiner Sicht ergeben, dass die Kritiker in der Minderheit im Stadtteil seien.
An seinem Umgang mit Solarparks will Thumann daher auch nichts ändern. Er setzt darauf, dass jedes Projekt einzeln im Zuge eines Bebauungsplanverfahrens betrachtet wird.
Ochsenkühn kritisiert das und will wie in anderen Gemeinden einen Kriterienkatalog erarbeiten. Er soll vorab regeln, wo und wie groß Freiflächenanlagen gebaut werden können. Damit könne man Konflikte vermeiden, sagt er.
Große PV-Freiflächenanlagen sind für Thumann generell nicht das Nonplusultra. „Wir wollen es nicht überstrapazieren.“ Es gelte zunächst das Potenzial auf den Dächern zu nutzen, die Stadt gehe hier bei ihren Gebäuden voran.
Energiewende: Sollte die Stadt Neumarkt Förderprogramm für Bürger auflegen?
Ochsenkühn betont derweil, dass für ihn bei Solarparks die Möglichkeit für Bürger, sich finanziell zu beteiligen, wichtig sei. Aber: „Er wird nicht bei jedem Projekt so sein“, weiß der CSU-Mann, dass manche Projektbetreiber eine Bürgerbeteiligung nicht umsetzen. Aus seiner Sicht sind daher regional bekannte Projektanten wie die Stadtwerken oder die Jurenergie zu bevorzugen.
Apropos Bürger: Welche Möglichkeiten sehen die Kandidaten, die Bürger dabei zu unterstützen, ihren Teil zur Energiewende beizutragen? Die Stadt müsse weiter mit gutem Beispiel vorangehen, sind sich Thumann und Ochsenkühn einig und beispielsweise die eigenen Dächer mit PV-Anlagen ausrüsten. Darüber hinaus ist für Ochsenkühn denkbar, dass die Stadt Förderprogramme auflegt.
Thumann ist hingegen skeptisch. Er sieht dabei vor allem den Bund gefragt. Statt Fördertöpfe beispielsweise für Balkonkraftwerke einzurichten, will er die Kapazitäten der Stadt auf große Projekte konzentrieren, um bei der Energiewende voranzukommen.
Grüner Strom: Umspannwerk von Max Bögl könnte Kapazitäten für Neumarkt freimachen
Dazu gehört eine Energiezentrale in der neuen Feuerwache, die auch andere städtische Liegenschaften mitversorgen soll. Eine darüber hinaus gehende Versorgung von nicht-städtischen Gebäuden sei rechtlich schwierig, weil die Stadt ansonsten in den Wettbewerb eingreife, sagt Thumann. Es gebe aber die Idee und erste Gespräche mit Pfleiderer, um die Abwärme des Unternehmens künftig für Neumarkter Haushalte nutzbar zu machen.
Dazu passt der kommunale Wärmeplan, den der Bund bis 2027 einfordert, um die Wärmewende voranzubringen. Ochsenkühn sieht es kritisch, ob der Termin zu halten sein wird. Thumann geht davon aus, dass „Neumarkt wieder bei den Ersten“ dabei sein wird. Unisono betonen beide, dass die Kommunen Unterstützung vom Bund bräuchten.
Ein großer Hemmschuh bei der Energiewende sind die zu wenigen Einspeisepunkte und die überlasteten Netze. Was kann die Stadt dabei in ihrem Rahmen beitragen? Ochsenkühn sagt, dass die Stadtwerke hier gefordert und bereits aktiv seien. Aber Neumarkt sei keine Insel und von übergeordneten Akteuren abhängig.
Thumann spricht in diesem Zusammenhang von einem Projekt von Max Bögl, das für die Stadt einiges voranbringen könnte. Das Bauunternehmen plane energieautark zu werden und wolle deswegen ein großes Umspannwerk bauen. Dadurch könnten in Neumarkt „enorme Kapazitäten“ frei werden, sagt Thumann. Diese könnten für neue Stromerzeugungsprojekte genutzt werden.

