OB-Stichwahl in Neumarkt: Welche Meinung die Kandidaten zu wichtigen Themen haben

Am 22. Oktober entscheiden die Neumarkter in einer Stichwahl, wer Oberbürgermeister wird. Wichtig dabei zu wissen ist, wofür die Kandidaten Thomas Thumann (UPW) und Markus Ochsenkühn (CSU) beispielsweise beim Verkehr, Wohnungsbau, Dialog mit den Bürgern und der Innenstadtentwicklung stehen.
Bürgerdialog: Wie wollen es die Kandidaten als Neumarkter OB halten?
Thomas Thumann: Der amtierende OB wehrt sich gegen Kritik: In seiner Amtszeit habe die Bürgerbeteiligung massiv zugenommen. Er verweist auf die Beispiele Flugfeld und Stadtpark. „Ich habe immer ein offenes Ohr für die Bürger“, sagt Thumann, der auch auf seine Gesprächsaktionen für die Jugend verweist (Party-Bus).
Markus Ochsenkühn: Der CSU-Kandidat will mehr Bürgerversammlungen in den Stadtteilen abhalten und hat die Idee einer Bürgersprechstunde. Die Rathausspitze müsse sich wieder mehr den Bürgern öffnen, kritisiert Ochsenkühn. Die Bürger müssten besser bei Projekten mitgenommen werden.
Pflicht- und/oder Küraufgaben: Was geht noch für die Stadt Neumarkt in Zukunft?
Thomas Thumann: Die Kritik an sogenannten „Prestigeprojekten“ kann Thumann nicht verstehen. Aus seiner Sicht ist sie zu kurz gegriffen. Hochschule, Schlossbad und Stadtpark könne sich Neumarkt leisten und das sei auch notwendig, damit die Stadt weiterhin attraktiv bleibe. Zudem suggeriere der Vorwurf, dass die Pflichtaufgaben vernachlässigt worden seien. Das sei falsch.
Markus Ochsenkühn: Er fordert, dass die Stadt sich auf ihre Pflichtaufgaben konzentrieren müsse. Als Beispiele nennt er die Umrüstung der Straßenbeleuchtung, die Feuerwehren und die Schulen. Die Zeit der Küraufgaben, wie es beispielsweise das Schlossbad aus seiner Sicht ist, sei zumindest in den nächsten Jahren vorbei.
Innenstadtentwicklung: Wie soll es in Neumarkts Altstadt weitergehen?
Thomas Thumann: Er favorisiert das von der Stadtverwaltung und dem Arbeitskreis Innenstadt vorgelegte Konzept, das mehr Aufenthaltsqualität anstrebt mit mehr Platz für Fußgänger und mehr Grün. Es sieht zudem Längsparkplätze vor. Kurzum, geht es nach Thumann, wird es weiter Autos in der Marktstraße geben, aber weniger. Die Umsetzung werde schrittweise geschehen und viele Einzelbereiche (Verkehrsplan, Entwässerungsplan, Klimaanpassungskonzept) in ein großes Konzept zusammenführen müssen.
Markus Ochsenkühn: Er plädiert ebenfalls dafür, die Innenstadt in Schritten aufzuwerten. „Aber wir müssen jetzt einfach mal auch anfangen“, will Ochsenkühn das Tempo erhöhen. Die Hallertorstraße mit ihrem holprigen Belag ist für ihn ein möglicher Startpunkt. Das Konzept von Verwaltung und Arbeitskreis ist für ihn diskussionswürdig, allerdings hätten sich seit dessen Vorstellung die Gegebenheiten schon wieder verändert. Das Konzept müsse aktualisiert werden. Motorisierter Verkehr muss für Ochsenkühn nach wie vor in der Marktstraße möglich sein, auch die Semmeltaste soll bleiben. Mit möglicherweise weniger Parkplätze kann er leben – „wenn es sinnvoll ist“.
Wohnungsbau: Wo kommt der benötigte (bezahlbare) Wohnraum für Neumarkt her?
Thomas Thumann: Der UPW-Kandidat sieht drei Säulen: Die städtische Wohnbaugesellschaft soll wie bereits angestoßen weiter im eigenen Bestand einzelne Projekte für bezahlbaren Wohnraum entwickeln. Im größeren Rahmen setzt er auf die Kooperation mit Bauträgern wie der Bayernheim. Drittens sollen private Wohnbauprojekte eine Quote an geförderten Wohnungen erfüllen müssen. Das will er dem Stadtrat vorschlagen. Große Hoffnungen beim Wohnen setzt Thumann zudem auf innovative Baugebiete wie jenes in der Maienbreite und das Zukunftsprojekt eines neuen Stadtviertels auf dem Flugfeld mit Platz für 3000 bis 4000 Menschen.
Markus Ochsenkühn: Für ihn ist klar, dass die Stadt aus personellen und finanziellen Gründen nicht im großen Stil selbst für den Wohnraum sorgen kann. Neumarkt sei hierbei auf Projekte von privaten Bauträgern angewiesen. Was die Stadt tun könne, sei, Bauanträge schneller zu bearbeiten und Baugebiete schneller auszuweisen. Es gelte nicht nur den Wohnungsbau anzuschieben, sondern auch weiterhin Einfamilienhäuser zu ermöglichen. Bei der Nachverdichtung und möglicher Kritik an großen Bauprojekten in bestehenden Siedlungen ist Ochsenkühn überzeugt, dass die Kommunikation mit den betroffenen Anwohnern besser werden müsse. Dann seien auch größere Wohnbauprojekte in gewachsenen Strukturen möglich.
Flächen für Wohnen und Wirtschaft: Wie sehr kann Neumarkt noch wachsen?
Thomas Thumann: Das Wachstum habe Grenzen und müsse die Lebensqualität im Auge behalten, sagt Thumann. Er plädiert daher dafür, nur noch zielgerichtet zu wachsen. Bedeutet beispielsweise beim Gewerbe: Verlässliche, heimische Firmen mit wertigen und möglichst vielen Arbeitsplätzen haben Priorität.
Markus Ochsenkühn: Neumarkt könne nicht alle freien Flächen in der Stadt zubauen, sagt Ochsenkühn. Er plädiert für eine verstärkte, neue Nutzung von bereits bebauten Flächen. Als Beispiel nennt er das Areal von Europoles in der Ingolstädter Straße.
Verkehr: Wohin soll es für Neumarkt künftig gehen?
Thomas Thumann: Der Verkehr werde weiter zunehmen, ist Thumann überzeugt. Sein Ziel ist es, möglichst alle Verkehrsteilnehmer gleich zu behandeln. Gelingen werde das nicht überall und immer. Mit Konzepten zu Nahverkehr, Radverkehr und dem Gesamtverkehrsplan sieht er Neumarkt auf einen guten Weg. Beim Stadtbus sei es sein Ziel, im Zuge des Nahverkehrskonzepts Linien rauszusuchen, die zusätzlich eingerichtet werden. Den Fahrplan in die Nachtstunden stärker auszuweiten, sieht er skeptisch. Das Verhältnis von Aufwand und Nutzen seien bei einer Stadt der Größe Neumarkts fraglich. Schon jetzt habe der Stadtbus ein Defizit von zwei Millionen Euro jährlich. Beim Radverkehr steht Thumann zum Stadtratsbeschluss für einen Radweg nach Höhenberg. Generell sei zuletzt viel passiert und werde mit dem Radverkehrskonzept verstärkt geschehen.
Markus Ochsenkühn: Es sei ihm wichtig, bei der angestrebten Verkehrswende Autofahrer, Fußgänger und Radler nicht gegeneinander auszuspielen, sagt Ochsenkühn. Radfahren und der ÖPNV werden aus seiner Sicht eine wichtigere Rolle spielen, aber das Auto bleibe in einer ländlichen Gegend bedeutsam. Der CSU-Mann fordert, die beschlossene Variante für den Radweg nach Höhenberg zu überdenken. Bei der Radwegqualität spricht Ochsenkühn davon, dass es trotz positiver Beispiele nach wie vor Luft nach oben gebe. Er spricht sich gegen einen Ringbus aus, aber dafür, etwas Neues auszuprobieren. Beispielsweise einen Pendelbus, der Ärztehaus und Nürnberger Straße verbindet. Oder die Idee, dass Kinder und Jugendliche den Stadtbus kostenfrei nutzen können, um sie an das Verkehrsmittel heranzuführen.
B299-Ausbau bei Neumarkt: Weiter verfolgen oder einstellen?
Thomas Thumann: Er steht zum Beschluss des Stadtrats, der sich 2021 mehrheitlich für den Ausbau ausgesprochen hat. Dieser schafft aus seiner Sicht mehr Sicherheit (Rittershofer Kreuzung). Zudem brauche die Wirtschaft in Stadt und Landkreis gute Verkehrswege.
Markus Ochsenkühn: Der CSU-Mann ist ebenfalls aus den oben genannten Gründen für den Ausbau.

