OB-Wahl in Neumarkt: So stellen sich die Kandidaten auf die Stichwahl ein

Die Neumarkter haben entschieden: Erstmals in der Geschichte der Stadt Neumarkt seit 1945 wird sich in einer Stichwahl klären, wer Oberbürgermeister wird. Amtsinhaber Thomas Thumann gibt sich optimistisch, CSU-Herausforderer Markus Ochsenkühn kämpferisch.
Amtsinhaber Thomas Thumann war am Montagvormittag durchaus etwas Überraschung ins Gesicht geschrieben: Er muss am 22.Oktober in einer Stichwahl gegen Herausforderer Markus Ochsenkühn (CSU) antreten. Den Neumarktern ist das völlig fremd – noch nie war seit 1945 bei einer Oberbürgermeisterwahl eine Stichwahl nötig.
„Klar, ich hätte mir einen anderen Wahlausgang gewünscht“, sagte Thumann am Montag dazu. „Aber es ist auch gut so, denn das ist Demokratie. Ich nehme das jetzt so an und stelle mich natürlich erneut dem Wettbewerb.“ Etwas leid täten ihm nur die vielen Wahlhelfer, die in zwei Wochen nun erneut ranmüssen, sagte er schmunzelnd.
Grundsätzlich gab sich Thumann optimistisch, was das Ergebnis der Stichwahl für ihn betrifft, schließlich habe er trotzdem die meisten Stimmen erhalten. Wenngleich er erhebliche Verluste hinnehmen musste – gut 20 Prozent weniger Stimmen als bei der letzten Wahl. Während ihn 2017 noch 68,77 Prozent der Neumarkter wählten, waren es jetzt nur noch 47,4 Prozent.
20 Prozent Verlust: Gründe „schwierig zu benennen“
Die Gründe dafür seien schwierig zu benennen, erklärte Thumann und wollte darauf auch nicht näher eingehen. Allerdings sei es natürlich so, dass sich bei fünf Kandidaten die Stimmen mehr verteilten als bei dreien wie im Jahr 2017.
Für die nächsten beiden Wochen hat Thumann aktuell noch keine besonderen Pläne, was einen weiteren Wahlkampf anbelangt. Er wolle wie bisher seiner Arbeit nachgehen „und es wäre schön, wenn ich das auch in den nächsten sechs Jahren tun dürfte“.
Grund zur Freude war das Ergebnis für Markus Ochsenkühn, der mit 35,5 Prozent für die CSU zehn Prozent mehr Stimmen holte als Richard Graf im Jahr 2017 (25,54 Prozent).Er freue sich, dass er es in die Stichwahl geschafft habe, erklärte Ochsenkühn am Montagmorgen nach gerade einmal zwei Stunden Schlaf. Dass er es so weit geschafft habe, sei keine Selbstverständlichkeit.
Mit dem Wahlkampf zeigte er sich sehr zufrieden, er habe viel positive Stimmung und in den letzten Monaten durchaus auch eine Veränderung verspürt – von der Prognose „keine Chance“ bis zur Prognose „Es könnte eine Stichwahl werden“.
Ochsenkühn will weiter Wahlkampf machen
Ochsenkühn stellt sich nun auf zwei weitere anstrengende Wahlkampf-Wochen ein, „aber das macht man ja gern“. Er werde versuchen, unter anderem an Infoständen weiterhin mit den Menschen in Kontakt zu treten. „Kommunalpolitik ist für mich die wichtigste und direkteste Politik, der Kontakt mit den Menschen das A und O“, so Ochsenkühn.
Die FDP ist trotz eines Neumarkter Bundestagsabgeordneten in Person von Nils Gründer in der Stadtpolitik eine der kleineren Parteien. Gemessen daran und dass sie als einzige Liberale im Stadtrat sitzt, erzielte Ira Hörndler ein achtbares Ergebnis: Sieben Prozent der Stimmen entfielen auf sie. Dennoch erklärte Hörndler noch am späten Sonntagabend, dass sie sich schon mehr erwünscht hätte. Es sei jedoch klar gewesen, dass die Kandidaten der kleineren Parteien am Ende keine Rolle spielen. Mit Blick auf die Stichwahl verwies sie auf den Slogan der FDP: „Neumarkt neu denken. Ein Wechsel wäre gut. Sonst wäre ich nicht angetreten."
SPD-Kandidat Sander zufrieden
SPD-Kandidat Matthias Sander war mit seinen 6,6 Prozent hingegen rundum zufrieden. „Die Devise lautete, mich als Neuling in der Neumarkter Politik bekannter zu machen. Das ist gelungen“, sagte Sander mit Blick auf die kommende Stadtratswahl im Jahr 2026.
Den fünften Kandidaten im Bunde, Marco Winkler von Die Linke, wählten 726 Wähler, was 3,5 Prozent der Gesamtstimmen bedeutet. Mit diesem Ergebnis zeigte Winkler sich am Montag „sehr zufrieden“. Wenn man berücksichtige, welche Partei er vertrete, „sind 3,5 Prozent tatsächlich viel“, kommentierte er sein Resultat.
Zumal sein Ergebnis bei der Oberbürgermeister-Wahl besser ausfiel als das bei der Landtags-Wahl – Winkler kandidierte auch für den Landtag und erreichte dort als Direktkandidat 1,4 Prozent der Stimmen, die Linke kam insgesamt auf 1,3 Prozent. Das Ergebnis bei der OB-Wahl sei für ihn Ansporn für die weitere Arbeit. „Wir brauchen ein soziales Profil für Neumarkt.“
OB-Wahl: Wahlbeteiligung niedriger als bei Landtagswahl
Die Wahlbeteiligung bei der Oberbürgermeister-Wahl lag bei 66,2 Prozent – also deutlich niedriger als bei der Landtagswahl in der Stadt Neumarkt (72,4 Prozent). Dies liegt unter anderem daran, dass es bei der OB-Wahl etwa 2000 mehr Stimmberechtigte gibt, sagt der städtische Pressesprecher Franz Janka. So dürfen beispielsweise alle EU-Bürger an der Kommunalwahl ihres Hauptwohnsitzes teilnehmen, auch wenn sie nicht deutsche Staatsangehörige sind.



