OB-Wahl in Neumarkt: Thumann ist Verlierer und Gewinner zugleich

Der erste Wahlgang der OB-Wahl in Neumarkt 2023 ist Geschichte. Es geht in die Verlängerung mit einer Stichwahl. Was bedeuten die Ergebnisse? MZ-Redakteur Wolfgang Endlein ordnet ein.
Der amtierende Neumarkter Oberbürgermeister Thomas Thumann (UPW) war vor der Wahl der große Favorit. Am 9. Oktober nach 3 Uhr nachts stand fest: Thumann hat Stimmen verloren – mehr als 20 Prozent. Leicht lässt sich angesichts dessen von ihm als Wahlverlierer reden. Markus Ochsenkühn (CSU) wäre dem entsprechend der Gewinner der Wahl mit Stimmengewinnen von zehn Prozent. Doch das sind Rechenspielereien, die am eigentlichen Ergebnis vorbeigehen: Am Ende ist die Wahrscheinlichkeit, dass der „Wahlverlierer“ Thumann in der Stichwahl am 22. Oktober der tatsächliche Wahlgewinner werden könnte, weiter hoch.
Der 58-Jährige ist nach wie vor der OB-Kandidat, dem die meisten Neumarkter ihre Stimme gegeben haben. Zwölf Prozentpunkte beträgt der Vorsprung vor Markus Ochsenkühn. Als frei verfügbare Masse bestehen quasi die 17,1 Prozent der Stimmen, die die Kandidaten von FDP, SPD und Die Linke im ersten Wahlgang holten. Dass Ochsenkühn bei der Stichwahl eine sehr deutliche Mehrzahl dieser Wähler für sich einnimmt, ist alles andere als sicher. Es bleibt für ihn weiterhin eine große Aufgabe gegen den langjährigen Oberbürgermeister, die Ochsenkühn allerdings besser bewältig hat, als ihm viele zugetraut hatten.
Kritiker führen Prestigeprojekte und Amtsführung gegen Thumann an
Also letztlich alles doch gut für Thumann? Allein, dass anders als beim Erdrutschsieg 2017 ein als Bürgermeister mit einem größeren Bekanntheitsgrad ausgestatteter CSU-Kandidat gegen ihn antrat und insgesamt fünf Kandidaten um Stimmen warben, sollte Thumann nicht die Stimmenverluste erklären. Das Wahlergebnis ist trotz der weiterhin klaren Stimmenmehrheit auch ein Denkzettel für den UPW-Mann.
Was sind die Gründe dafür? Der Versuch einer Antwort darauf bleibt Interpretation. Ein Ansatz wären die Argumente, die sich nahezu bei allen Gegenkandidaten Thumanns fanden: Die Kritik an sogenannten „Prestigeprojekten“ wie dem Schlossbad, deren Zeit vorbei sei, und an derer statt nun die grundlegenden Aufgaben der Stadt wieder verstärkt in den Fokus gerückt werden sollten. Oder die Amtsführung Thumanns: Nicht kritikfähig, die Kommunikation mit Bürgern ausbaufähig. So argumentieren die Kritiker und fügen noch das üblichste aller Argumente gegen einen langjährigen Amtsinhaber an: Es sei schlichtweg an der Zeit für frischen Wind im Rathaus.
Ob diese Argumente bei vielen Wählern verfangen haben? Letztlich ist für das Ergebnis wohl ein Mix aus vielen Gründen verantwortlich, der sich nicht eindeutig festmachen lässt. Sicher ist nach diesem Wahlergebnis nur eins, die Sichtweise der Neumarkter Wähler auf Thomas Thumann ist deutlich gespaltener als noch 2017.


