So ordnen Grüne, SPD, FDP, Linke und ÖDP die Ergebnisse der Landtagswahl ein

Von Petra Schlierf · 8. Oktober 2023 um 22:12

Grüne: Jubel über das Ergebnis im Land

„Zweitstärkste Kraft im Land, wenn wir das halten, haben wir alles erreicht, was wir wollten und der Wahlkampf hat sich gelohnt“, freute sich Grünen-Direktkandidatin Nicole Brock, nachdem die erste Hochrechnung über den Bildschirm im Thai Orchid geflimmert war. Sie und ihre Grünen-Mitstreiter waren in Jubelstimmung, wenngleich die Zahlen im Landkreis Neumarkt nicht an die bayernweiten Werte herankommen.

Als erschreckend bezeichnete sie das AfD-Ergebnis, das auch im Landkreis Neumarkt fast den Bayernwert erreicht: „Es muss deutlich werden, dass man mit Rechten nicht zusammenarbeitet. Da müssen sich auch CSU und Freie Wähler klarer abgrenzen. Wir als Grüne tun das strikt. Doch erst wenn sich alle demokratischen Parteien miteinander gegen die AfD stellen, können wir sie zurückdrängen“, sagte Brock.

SPD: Enttäuschung über historisch schlechten Wert

Alles andere als ein Freudenfest war die Wahlparty der SPD im Gasthaus Kaiser: Bei der ersten Prognose kurz nach 18 Uhr wurden die Gesichter von Landtags-Direktkandidatin Rebecca Frank und ihrer Mitstreiter immer länger. Zuerst der Schock über das gute Abschneiden der AfD, dann das eigene, historisch schlechte Ergebnis, das in Neumarkt sogar noch unter dem bayernweiten Wert liegt. „Keine Frage, wir hätten uns mehr gewünscht“, sagte Frank. Sie habe sich zwar bereits darauf eingestellt, gegenüber der letzten Wahl zu verlieren, aber dass die SPD sogar in die Einstelligkeit rutscht, habe sie überrascht, zumal die Prognosen noch deutlich besser ausgesehen hatten.

Rebecca Frank gab sich aber kämpferisch: „Auch wenn der Weg manchmal schwierig ist, wollen wir unsere Politik und unsere Themen weiter verfolgen. Jetzt erst recht.“ Vor allem das Abschneiden der AfD müsse der Politik, ja der Gesellschaft Kopfzerbrechen bereiten.

Die Linke: Partei will sich im Landkreis neu aufstellen

„Enttäuschend, aber wie erwartet“, fand Marco Winkler, Direktkandidat der Linken für den Landtag, das Ergebnis. Er und vier seiner Mitstreiter hatten sich im Restaurant Thai Orchid getroffen, um die Prognosen und Ergebnisse zu verfolgen. Er freute sich, dass zumindest sein Einsatz im Rahmen des OB-Wahlkampf in der Stadt Neumarkt etwas auf die Landtagszahlen abgefärbt habe.

Winkler erklärte, dass er und die Linke im Landkreis jetzt nach vorne blicken wollen: „Wir wollen den Kreisverband neu aufstellen und uns mit Amberg zusammenschließen. Jetzt ist die Bündnisarbeit wichtig. Die werden wir jetzt noch weiter intensivieren.“ Bis zur Bundestagswahl soll die Linke dann auch in Neumarkt wieder mehr Mitglieder haben – und die Fünf-Prozent-Hürde wieder schaffen, wünscht sich Winkler.

FDP: Nicht überrascht, aber trotzdem enttäuscht

Die FDP habe zwar mit einem ähnlichen Ergebnis gerechnet, dennoch sei es enttäuschend, dass sie im nächsten Landtag nicht vertreten sein werde, sagte Maurizio Maier im Telefongespräch am frühen Abend mit unserer Redaktion. Der 31-jährige Direktkandidat verfolgte die Auszählung zu Hause. Erfreut zeigte sich der Versicherungsfachmann, dass er in seinem Heimatort Dietfurt ein vergleichsweise gutes Ergebnis einfahren konnte. Das werde für ihn Ansporn sein, sich intensiver kommunalpolitisch zu engagieren.

Allgemein habe er gehofft, dass die FDP im Stimmkreis besser als bei der Landtagswahl 2018 abgeschnitten hätte. Damals kam sie auf einen Erststimmenanteil von 3,0 und einen Zweitstimmenanteil von 3,3 Prozent. Doch habe sich bereits in den Umfragen die Unzufriedenheit der Wähler mit der Ampelkoalition abgezeichnet, so Maier.

ÖDP: Ergebnis Ansporn für Kommunalpolitik

„Natürlich haben wir einen Gewinn, aber das hilft uns auch wenig“, zeigte sich Ludwig Härteis am frühen Abend enttäuscht am Telefon. Die ÖDP habe zwar im Vergleich zu 2018 etwa ein Prozent gewinnen können, doch hätte er sich auf Landkreisebene eine drei vor dem Komma gewünscht, ließ der Landtags-Direktkandidat wissen. Er verfolgte die Stimmauszählung von zu Hause aus.

„Ich finde, dass wir die richtigen Themen aufgreifen, um langfristige Probleme anzugehen“, so der 47-jährige Lauterhofener. Doch habe die ÖDP offenbar das Problem, dass sie nicht wahrgenommen wird. Das liege wohl auch daran, dass sie noch nicht einmal bei Umfragen vor der Wahl erwähnt werde, kritisiert Härteis. Doch sei das Stimmenplus im Landkreis für ihn Ansporn, jetzt weiter auf kommunaler Ebene „Themen anzuschieben.“

Bayernpartei (BP): Kein Statement der Kandidatin

Für die Bayernpartei ging Michaela Weigl, Technikerin für Hauswirtschaft aus Mindelstetten, ins Rennen. Am Wahlabend war sie ein Statement nicht zu erreichen.

Bei der Stimmabgabe noch voller Hoffnung: Ludwig Härteis von der ÖDP. Foto: A.Härteis
Nicht überrascht vom Ergebnis war FDP-Kandidat Maurizio Maier. Foto: Petra Schlierf
Lange Gesichter bei der Wahlparty der SPD im Gasthaus Kaiser über die schlechten Ergebnisse im Land bei Direkt-Kandidatin Rebecca Frank und OB-Kandidat Matthias Sander. Foto: Petra Schlierf