Ex-Autohaus Lell in Burglengenfeld bald Asylunterkunft? Stadt und Eigentümer sprechen Klartext

Um die Zukunft des ehemaligen Ford-Autohauses Lell in der Regensburger Straße 56 rankten sich schon mehrfach Gerüchte. Das jüngste, das am Dienstag die Runde machte, löste Wirbel aus: Demnach sollte die Immobilie zu einer Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert werden. Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) und Autohausbesitzer Johann Baptist Lell beteuerten nun in einer gemeinsamen Stellungnahme: An der verbreiteten Nachricht sei nichts dran.
„Asylhammer als Wahlgeschenk – Das ehemalige Lell Autohaus soll umgebaut werden zu einer neuen Asylantenunterkunft. Aus Angst vor der Bürgerreaktion wird das bis nach der Wahl unter Verschluss gehalten!“ So stand es auf einem Flugblatt zu lesen, das am Tag der deutschen Einheit verteilt wurde und wenig später auf der Facebook-Seite „I bin a echter Lengfelder“ auftauchte. Als Verantwortlicher war der Berliner Frank Franz genannt worden. Er soll Vorsitzender der neonazistischen Partei „Die Heimat“ sein.
Administrator der Facebook-Seite schritt ein
Bernhard Krebs, SPD-Stadtrat und Administrator der Facebookseite, handelte wenig später – und löschte den Post. Das Flugblatt stamme von einem Nazi, erklärte er, und habe „in dieser Gruppe nichts verloren“. Die Kommentare hätten zum Teil gezeigt, „dass es hier vor allem um Stimmungsmache geht“. Wem die Entscheidung nicht gefalle, der könne die Gruppe gern verlassen. Für persönliche Gespräche über die Entwicklung der Stadt stünden er und andere Stadträte aber gerne zur Verfügung.
Vor einem Jahr wurde bekannt, dass das traditionsreiche Autohaus Lell in Burglengenfeld geschlossen werden sollte. Mehr dazu lesen Sie hier.
Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) reagierte auf das Flugblatt am Mittwoch mit einer umfangreichen, von Empörung gekennzeichneten Stellungnahme. Er schrieb: „Mit Bestürzung haben wir feststellen müssen, mit welchen Methoden rechtsextreme Organisationen inzwischen auch bei uns arbeiten. Bei diesem Flugblatt handelt es sich um eine gezielte Desinformation mit der Absicht, unsere Bürger zu verunsichern und Ängste gegen Migranten zu schüren.“ Gesche lässt nun prüfen, ob das Flugblatt einen Straftatbestand erfülle. Gegebenenfalls werde er Anzeige „gegen diesen rechtsextremen Müll“ erstatten.
Landratsamt hatte Fühler ausgestreckt
Weiter betonte Gesche, keine der in dem Flugblatt genannten Thesen basiere auf Fakten. Wahr sei allerdings, dass das Landratsamt Schwandorf „vor einigen Monaten“ beim Eigentümer der Immobilie an der Regensburger Straße nachgefragt habe, um zu klären, ob die Unterbringung von Asylsuchenden vorstellbar wäre. Der geschäftsführende Gesellschafter des Autohauses, Johann Baptist Lell, habe das Thema aber nicht weiter verfolgt.
Die Unterbringung Geflüchteter ist für den Landkreis und die Regierung der Oberpfalz eine Riesenherausforderung. Lesen Sie dazu: Kritik an geplanter Sammelunterkunft für 200 Flüchtlinge in Nabburg
Lell selbst weist alle im Flugblatt genannten Inhalte entschieden von sich und prüft mit den Behörden, ob der Verfasser für geschäftsschädigendes Verhalten belangt werden kann. Schließlich habe seine Unternehmensgruppe einen guten Ruf zu verteidigen. Auch gemeinsam haben Gesche und Lell einige Zeilen formuliert. Sie schrieben, es gebe keine „geheimen“ Pläne zum Umbau des ehemaligen Autohauses in eine Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Es handle sich hier „absolut eindeutig um Fake News“. Daher würden sie auch konsequent gegen eine weitere „Verbreitung dieser Lügen vorgehen“.
Ferner richteten Gesche und Lell an die Verteiler in den sozialen Netzwerken, die Gerüchte ungeprüft verbreiteten, einen Appell. Sie sollten sich von Rechtsextremen nicht instrumentalisieren lassen. Ziel extremer Kräfte sei es nämlich, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu schwächen.
AfD-Kandidat fühlt sich bestätigt
AfD-Kreisrat und Landtagsdirektkandidat Reinhard Mixl war der Post auf der Burglengenfelder Facebook-Seite ebenfalls nicht entgangen – und er zog insbesondere aus der Löschung umgehend seine eigenen Schlüsse.
In einem dreiminütigen Video, das er auf Youtube veröffentlichte, machte er deutlich, dass er in Krebs’ Handlung eine Art Zensur sieht, die für sich spreche. Der Post sei aus dem Verkehr gezogen worden, „weil die Burglengenfelder nicht wollen, dass es noch vor der Wahl aufkommt, dass dort weitere Ansiedlungen (für Asylbewerber) stattfinden sollen“, sagte Mixl. Es sei, „unglaublich“, dass man dem Bürger diese Information vorenthalten wolle. Ob in Burglengenfeld, Maxhütte-Haidhof oder Nabburg: Das aktuelle Geschehen sei Beleg dafür, dass sich Landrat Thomas Ebeling (CSU) und die Bürgermeister angesichts der Flüchtlingslage nicht mehr zu helfen wüssten.
Gesches Konter: Er bezeichnete das Verhalten des AfD-Kreisrats als „unsäglich“. Mixl habe in verschiedenen Online-Medien die Falsch-Behauptung als Tatsachenbericht dargestellt. „Hier kann man exemplarisch sehen, wie die AfD agiert und wie sie in vollem Bewusstsein ihre Aussagen auf Unwahrheiten aufbaut“, wetterte der Burglengenfelder Rathauschef wörtlich.