BMW steigt als Sponsor der Regensburger Schlossfestspiele aus

Der Regensburger Autobauer richtet sich neu aus, sagt eine Sprecherin, und will das Festival nicht länger fördern. Was die Hintergründe sind und wie Reinhard Söll, Veranstalter der Festspiele, und Schirmherrin Gloria von Thurn und Taxis reagieren, lesen Sie hier.
BMW Regensburg stoppt sein Engagement für die Thurn und Taxis Schlossfestspiele. Man richte das gesellschaftliche Engagement am Standort Regensburg neu aus, teilte eine Sprecherin am Montag mit. „In diesem Kontext hat das BMW Group Werk Regensburg entschieden, den im Sommer 2023 ausgelaufenen Sponsoringvertrag mit Odeon Concerte, dem Veranstalter der Schlossfestspiele, nicht zu verlängern.“
„Das wird die Festspiele nicht beeinträchtigen“
Reinhard Söll, der Inhaber der Agentur Odeon Concerte, reagierte mit Bedauern, betonte aber: „Das wird die Festspiele nicht beeinträchtigen.“ Den Veranstalter hat der Schritt nicht überrascht. „Ich hatte seit Mitte des Jahres damit gerechnet“, sagte er. Gloria von Thurn und Taxis, Schirmherrin des Festivals, kommentierte die Absage von BMW gegenüber der Mediengruppe Bayern mit einem Satz: „Reisende soll man nicht aufhalten.“
Hintergrund für den Rückzug des Generalsponsors sind Gloria von Thurn und Taxis und ihre Rolle als Schirmherrin. An der Adligen entzündet sich zunehmend Kritik. Im Dezember 2022 nannte die DGB-Jugend sie queerfeindlich und erzreaktionär und forderte vor dem Schloss ihre Enteignung. Auf Künstler und Agenturen wuchs – mit Verweis auf mögliche Negativ-Kommentare in sozialen Netzwerken – der Druck, das Festival zu meiden. Im April 2023 schwoll die Kritik an. Gut 100 Kreative warfen der Adligen in einem offenen Brief vor, sie äußere sich homophob, diskriminierend und rassistisch, und riefen zum Boykott der Festspiele auf. Die 63-Jährige kommentierte den Appell so: „Es ist nicht schön, wenn man absichtlich falsch dargestellt wird, nur um ein Feindbild zu schaffen“, und: „Nur Dumpfbacken sind homophob. Ich war es nie und werde es nie sein!“
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Jüngster Höhepunkt des Protests: Bei der Festspiel-Premiere im Juli forderten Demonstranten „Keine Bühne für Gloria“ und „Thurn und Taxis ab in die Galaxis“. Eine Aktivistin von Letzte Generation klebte sich sogar an der Bühne fest und wurde, samt Brett, an dem sie festhing, abgeführt. Die Fürstin meinte: „Ich sage nichts mehr gegen die! Das war doch Werbung für uns. Jeder sollte Klimakleber haben!“
Das BMW-Statement erwähnt Gloria mit keinem Wort, allerdings betont Sprecherin Saskia Graser: „Besonderen Wert legen wir bei unseren Aktivitäten auf eine hohe Breitenwirkung der Sponsoring-Projekte sowie einen positiven Imagetransfer vom Projekt auf den Sponsor.“ Diesen positiven Imagetransfer vermisste BMW nun wohl.
„Jeder Sponsor will positiv auffallen, das ist ja klar“, sagte Reinhard Söll. „Aber wer lobt einen Sponsor für seinen Beitrag an die Schlossfestspiele? Die Leute sagen: Die Frau hat doch genug Geld! Dass das Festival nicht von der Fürstin, sondern von einem privaten Unternehmen veranstaltet wird, unterscheiden die Menschen nicht.“
BMW war bei den Regensburger Schlossfestspielen Gönner der ersten Stunde
Der Autobauer war ab der ersten Stunde als Gönner an Bord. Als Generalsponsor gab er nach Informationen der Mediengruppe Bayern eine mittlere fünfstellige Summe. Zum Sponsoring-Paket bei den Festspielen gehören Geld und Premium-Tickets. Für die Karten, die BMW nun nicht mehr bucht, wird Odeon Concerte andere Abnehmer finden, ist Reinhard Söll überzeugt. Er verweist auf die „extrem erfolgreichen Festspiele 2023“. Hinzu kommt: Wo Kritik lauter wird, wächst auch Zuspruch. Nach den Boykottaufrufen 2023 buchten zum Beispiel Besucher von auswärts, die sich glücklich zeigten, durch bundesweite Schlagzeilen überhaupt von „diesem schönen Festival“ erfahren zu haben.
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Die Festspiele verloren zuletzt auch den Regensburger Energie- und Wasserversorger Rewag als Sponsor. „Das war eine Frage der Compliance“, erläutert Söll. Politiker und Partner auf Rewag-Kosten einzuladen, sei angesichts veränderter Regeln heute kaum möglich. Auch die Sparkasse Regensburg hatte ihre Förderung beendet. Zwei Unternehmen gehören nach wie vor zu den Gönnern: die Graf Arco Brauerei und Baustoffhersteller Leipfiger Bader.
Müssen Festivals ohne Sponsoren auskommen?
Söll geht davon aus, dass sich die schwierige Lage für Unternehmen generell auf das Sponsoring-Klima auswirken wird. „Der Wirtschaft geht es nicht gut. Das wird man merken.“ Er geht nun auf andere potenzielle Partner zu. Langfristig würden Festivals lernen müssen, ohne Sponsoren klar zu kommen. „Für uns bedeutet das: Wir konzentrieren uns darauf, gute Aufführungen zu bieten, gutes Publikum anzuziehen und guten Ticketverkauf zu erzielen.“
BMW Regensburg überdenkt nun sein Kultur-Engagement. „In jedem Fall“ wolle man auch in Zukunft „einen finanziellen Beitrag dazu leisten, dass sich Regensburg als Kulturstandort präsentieren kann“, betont das Statement vom Montag. Doch wer sich künftig über die Mittel freuen kann, die BMW nun nicht mehr an die Festspiele gibt, ist noch gar nicht klar. Die Neuausrichtung nehme noch Zeit in Anspruch, hieß es. Aktuell könne man keine weiteren Details nennen.
Dem Rückzug bei den Schlossfestspielen gingen nach Informationen der Mediengruppe Bayern intensive Gespräche voraus. BMW hätte sich danach vorstellen können, an Bord zu bleiben – unter bestimmten Bedingungen. Dazu zählte angeblich, dass Gloria beim Festival nicht öffentlich auftritt, dass sich der Veranstalter von ihr distanziert und dass die Schlossherrin nicht mehr als Schirmherrin fungiert. Die Adlige war in solche Überlegungen nicht einbezogen, wie sie erkennen ließ. Überhaupt, fragte sie: „Wer sollte denn dann Schirmherrin sein?“
Kommentar zum Sponsoringaus von BMW: Der Kniefall
BMW, international agierende Premium-Marke, ist vom Image abhängig. Insofern ist der Rückzug des Standorts Regensburg als Generalsponsor der Schlossfestspiele mit Blick auf breitenwirksame Kritik an Gloria von Thurn und Taxis nachvollziehbar. Ein gutes Zeichen ist er leider nicht.
Empörung ist heute schnell und einfach zu erzeugen, wahrscheinlicher mehr denn jemals. Die sogenannten sozialen Netzwerke machen es leicht, viele Menschen für was und gegen wen auch immer zu mobilisieren. Wenn die Welle erst mal rollt, macht sie alle nass. Die Beispiele sind Legion, nur eins davon: Hollywood schnitt Kevin Spacey eilig aus einem fast fertig produzierten Kinofilm und cancelte seine Engagements, als erste Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe laut wurden. Dass der Oscar-Preisträger vor Gericht in allen Anklagepunkten freigesprochen wurde, hilft ihm nicht mehr. Ein Hashtag hat das Urteil längst ersetzt.
Wo die Empörungswelle rollt, wird nicht mehr differenziert. Dass die Festspiele nicht Gloria veranstaltet, sondern eine renommierte Agentur, die sich auf schwierigem Terrain wacker schlägt und dem Publikum seit Jahrzehnten Konzerte höchster Güte bietet? Egal.
Der Kniefall vor den sozialen Medien macht Schule. Das tut den Empörten gut – unserer Kultur leider nicht.
