Gloria von Thurn und Taxis: „Nur Dumpfbacken sind homophob“

Von Christian Eckl · 23. Juli 2023 um 21:02

Die Schlossfestspiele-Veranstalter Reinhard und Ludwig Söll ziehen in der MZ eine durchweg positive Bilanz und kündigen Kracher für das Jubiläum im kommenden Jahr an. Die Fürstin lässt Kritik von Zarrella und Demonstranten kalt – auch Monika Gruber steht hinter der Adeligen.

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Die Schlossfestspiele 2023 sind Geschichte. Geschichten gab es heuer genug. Demos, Klimakleber, Regenbogenfahnen als angeblicher Affront gegen die Hausherrin: Dabei waren es doch die Konzertabende, die täglich bis zu 3000 Zuschauer begeisterten. Reinhard Söll und sein Sohn Ludwig ziehen an einem Strang. „Es wird auch im kommenden Jahr Schlossfestspiele geben“, sagt Ludwig Söll. „Und zwar mit einem Jubiläum: Vor 20 Jahren haben wir im Schloss angefangen“, sagt sein Vater.

„Die Boykott-Aufrufe waren Rohrkrepierer“

Die Bilanz heuer ist aus ihrer Sicht „hervorragend: Die Boykott-Aufrufe waren Rohrkrepierer. Die Festspiele waren so gut besucht wie noch nie!“, sagt Reinhard Söll. Er sieht auch keine Probleme in der Debatte um den Sponsor BMW heraufziehen. „Wir bieten ein Festival mit breitem Angebot von Musik und Künstlern mit Alleinstellungsmerkmal.“ Er sei mit der Fürstin „nicht immer einer Meinung, aber in einer Demokratie muss man andere Meinungen akzeptieren“.

Sein Sohn Ludwig, der eng in die Organisation eingebunden ist, musste sich am Premierenabend mit Klimaklebern von der Letzten Generation auseinandersetzen. „Ich finde es schade, dass man Leute dabei stört, die sich eine Auszeit nehmen wollen. Die Kultur hat während Corona doch genug gelitten. Es gibt andere Formen des Protests.“ Die Absage von Jonas Kaufmann bedauerten beide. „Künstler sind keine Maschinen“, so Reinhard Söll.

Richter am Supreme Court

Dass das Publikum bei den Festspielen auch Menschen sieht, denen man alltäglich nicht begegnet, bewies das hohe Sicherheitsaufkommen am Samstagabend: in der ersten Reihe saß neben Fürst Albert und seiner Schwester Elisabeth auch ein ganz besonderer Gast aus den USA. Samuel Alito gehört zu den mächtigsten Richtern weltweit. Er hat sein Amt auf Lebenszeit, wurde unter Präsident George W. Bush berufen und ist als Richter des Supreme Courts mit den Grundsatzfragen amerikanischer Politik befasst.

„Die Alitos sind private Freunde“, verriet Gloria von Thurn und Taxis. „Wir besuchen auch gemeinsam die Festspiele in Bayreuth.“ Und: „Wir lieben schwarze Musik – das verbindet!“ Dass auch Fürst Albert und Prinzessin Elisabeth am vorletzten Abend der Festspiele noch vorbeikamen, freute Gloria besonders. Wie zu hören war, hat sich der Fürst nun am Starnberger See niedergelassen und dort ein Haus gebaut. Der Adelige mit einem geschätzten Vermögen von 1,5 Milliarden Euro ist Junggeselle – und bleibt lieber privat.

„Nur Dumpfbacken sind homophob“

Vor und während der Festspiele wurde scharfe Kritik an Gloria laut. Homophobie und Rassismus wurden ihr unterstellt. Wie sieht sie die Vorwürfe? „Es ist nicht schön, wenn man absichtlich falsch dargestellt wird, nur um ein Feindbild zu schaffen“, sagte sie zur MZ. „Nur Dumpfbacken sind homophob. Ich war es nie und werde es nie sein!“

Mancher wunderte sich, dass sich Stadtoberhaupt Gertrud Maltz-Schwarzfischer nicht bei der Premiere blicken ließ, während der SPD-Parteichef Raphael Birnstiel gegen Gloria vor dem Schloss demonstrierte. Glorias Meinung dazu ist eindeutig: „Die haben einfach wunderbare Abende verpasst!“

Der Schlagerbarde Giovanni Zarrella hatte sogar eine Regenbogenfahne um das Mikro geschlungen. Deutschlandweit mutmaßten Medien, das sei als Affront gegen Gloria zu sehen. Was sagt sie selbst dazu? „Mich hat Zarrella mit seiner Fahne nicht gestört. Aber wenn der Regenbogen zum Symbol von Ausgrenzung religiöser Menschen missbraucht wird, ist dies sicher kein Symbol der Liebe“, findet die Adelige.

„Ohne Regeln wird‘s dunkel“

Der Regenbogen existierte nur, „wenn alle Farben darin ihren Platz haben. Vermischt man die Farben, entsteht nur Schwarz“, so ihre Ansicht. Und weiter: „Wenn alle Regeln verschwinden, wird es dunkel!“Am Sonntagabend beschloss dann Italo-Superstar Eros Ramazzotti die Festspiele. Ehrengast: Monika Gruber. „Man fühlt sich wie im Märchen“, sagte Gruber zur MZ „Ich bin schon nervös, weil ich meinen Jugendhelden Eros sehen darf.“ Sie und Gloria seien ein bisschen unbequem: „Ich unterstütze jede Frau, die sich traut, ihren Mund aufzumachen“, schloss Gruber.

Reinhard und Ludwig Söll sind zufrieden mit den Festspielen 2023. Foto: altrofoto.de
Da wurde nicht nur Monika Gruber schwach: Eros Ramazzotti schloss die Festspiele. Foto: altrofoto.de
Fürst Albert mit Monika und Herbert Schmalhofer Foto: altrofoto.de
Samuel Alito ist seit 2006 Richter am Supreme Court der USA. Foto: altrofoto.de
Bezaubert Prälat Wilhelm Imkamp: Prinzessin Elisabeth von Thurn und Taxis. Foto: altrofoto.de
Monika Gruber mit der Fürstin und einem engen Freund Foto: altrofoto.de