Die Schwandorferin Annette Hirche ist eine Hobbyköchin mit ordentlich Power

Von Anika Ferko · 17. September 2023 um 15:02

Schon seit Jahren schickt die Schwandorferin Annette Hirche selbst kreierte Rezepte an das MZ-Magazin „Meine Küchenschätze“. Bei einem Hausbesuch serviert sie Kalbsmedaillons auf Sahne-Zucchini.

Das Messer gleitet ohne Widerstand durch die Zucchini. Wenige Sekunden später liegen die grob geschnittenen Stücke auf dem Schneidebrett. Annette Hirche schwebt durch ihre Küche, ihr Reich. Jeder Handgriff sitzt, hier kennt sie sich aus, auch im Schlaf. „Kalbsmedaillons auf Sahne-Zucchini“ soll es heute geben. Das Rezept liegt auf der Arbeitsfläche, die Seitenränder sind leicht vergilbt – es ist schon 30 Jahre alt und wurde viele Male gekocht.

Schon seit Jahren schickt Annette Hirche selbst kreierte Rezepte an das MZ-Magazin „Meine Küchenschätze“ und hat sich unter den Hobbyköchen einen Namen gemacht. Heute lässt sich die gebürtige Schwandorferin in ihren eigenen vier Wänden beim Kochen über die Schulter schauen.

Es ist eine geräumige Küche. Eine alte Kaffeemühle steht auf einem Schrank, zu weit oben, um mal eben hochzulangen. An der gegenüberliegenden Wand stapeln sich Kochbücher auf einem Regalbrett, diverse abgerissene Merkzettel kleben zwischen den Seiten. „Das ist nur ein Bruchteil meiner Rezeptbücher“, sagt Hirche und deutet auf den runden Tisch am Fenster. Dort liegen etliche Rezepte, säuberlich ausgeschnitten aus Prospekten oder Zeitungen, die sie bei Gelegenheit noch ausprobieren will.

Sahne ist ein Geschmacksträger

Aus dem Wintergarten ertönt leise Musik. Das Radio läuft häufig am Tag, erklärt sie und gießt Sahne und Crème fraîche in die vorgeheizte Pfanne – „Sahne ist ja bekanntlich ein Geschmacksträger“, sagt Hirche und zwinkert. Das Haus füllt sich langsam mit dem Duft nach angeschmortem Knoblauch. Der darf in der Soße nicht fehlen.

Aus dem Kühlschrank holt die Köchin einen Teller mit Kalbsmedaillons. Einen Klecks Butterschmalz in die heiße Pfanne, anschließend werden die Fleischstücke kurz scharf angebraten. Bei jeder Bewegung wippen die blonden Haare von Annette Hirche, die Haut ist braun gebrannt. „Das kommt vom vielen Schwimmen“, sagt die 67-Jährige und krempelt sich die Ärmel hoch. Jeden Tag zieht Hirche ihre Bahnen im Schwandorfer Erlebnisbad. Sie ist eine derjenigen, die auch bei Wind und Wetter ins Becken steigen.

Die Schwandorferin ist gelernte Arzthelferin. Ausgeübt hat sie den Beruf allerdings nie, sie wurde Hausfrau und Mutter. „Seit 49 Jahren wohne ich schon hier“, sagt sie, dreht sich um die eigene Achse und blickt sich um. Ihren Schwiegereltern gehörte das Haus. Seit ihr Mann vor neun Jahren unerwartet gestorben ist, und ihre zwei Töchter ausgezogen sind, hat sie viel Platz. Zu viel für ihren Geschmack: „Für jede Aktivität habe ich jetzt einen eigenen Raum, zum Beispiel fürs Nähen oder Bügeln.“ Ihr mit Abstand liebster Raum ist der Ort, aus dem die Musik ertönt: der Wintergarten. Oder wie sie ihn nennt: „mein zweites Ess- und Wohnzimmer“.

Noch mehr Anregungen für Hobbyköche und -bäcker gibt es hier: Legendäres Kochbuch der Schwandorfer Landfrauen erscheint in dritter Auflage

Sie schiebt die Form mit den angebratenen Kalbsmedaillons in den vorgeheizten Ofen. Jetzt fehlt nicht mehr viel. Der Wildreis köchelt bereits auf dem Herd, die vorbereiteten Zucchinistücke wandern mit etwas Salz und Pfeffer zum Anbraten in die Pfanne.

Das Kochen hat sie sich selbst beigebracht: „Da wächst man rein als Mutter“, sagt sie. Ihre Devise: Immer wieder neue Rezepte ausprobieren – Hauptsache Abwechslung. „Manchmal ist ein Gericht besser, manchmal schlechter.“

Als Frühaufsteherin freut sie sich auf das Mittagessen, abends gibt es dann oft Brotzeit. „Viele von meinen Freunden verstehen nicht, wieso ich für mich alleine koche.“ Die Zeit zum Experimentieren kommt für sie vor allem im Winter: „Da probiere ich gerne und viel aus“. Im Sommer genießt Hirche es, viel unterwegs zu sein mit ihren Freunden und der Familie.

Rezepte von süß bis deftig für „Meine Küchenschätze“

Auf die Idee, Rezepte an das MZ-Magazin „Meine Küchenschätze“ zu senden, kam Hirche vor ein paar Jahren. Es sei auf jeden Fall nach dem Tod ihres Mannes gewesen, erinnert sie sich. Von süßen Gerichten über deftige Braten bis hin zu frischen Sommersalaten hat die 67-Jährige schon einiges eingeschickt.

Sie öffnet die Tür des Ofens und hebt die Form mit den Medaillons auf den Herd. „Jetzt können wir gleich anrichten“, erklärt die Hobbyköchin und probiert ein letztes Mal die Sahnesoße. Sie nickt und schaltet den Herd aus. Zum Schluss kommt gehobelter Parmesan und ein wenig Crème fraîche auf das Fleisch.

Ausreichend Säure darf nicht fehlen

Ein Salat zum Hauptgang darf nicht fehlen, findet sie. Ein Blick aus dem Küchenfenster zeigt einen weitläufigen Garten. „Tomaten, Salat und Basilikum baue ich zum Beispiel selbst an“, erklärt sie und macht sich an das Dressing. Der Salat ist schnell gemacht. Hirche greift zur Essigflasche. Was bei ihr nie fehlen darf, ist ausreichend Säure.

Schließlich ist es soweit. Die Köchin hebt die heiße Form mit einem Handtuch hoch und geht in Richtung Wintergarten. Sie steuert automatisch den linken Sessel an. „Ich weiß, es ist zwar Quatsch, aber das ist die Gewohnheit“, sagt sie lächelnd und zuckt mit den Schultern. Und während Annette Hirche das Essen anrichtet, kommen Gitarrenklänge aus dem Radio.

Rezept für Kalbsmedaillons auf Sahne-Zucchini

Zutaten für vier Portionen: 1/4Liter Schlagsahne, 150Gramm Crème fraîche, vier Zucchini (insgesamt circa 500Gramm), 50 Gramm Parmesan, ein Bund Basilikum, Salz, Pfeffer, eine Knoblauchzehe, vier Kalbsmedaillons (insgesamt circa 600 Gramm) sowie 20 Gramm Butterschmalz

Arbeitsschritte: Die Sahne und 100 Gramm Crème fraîche in einer Pfanne acht bis zehn Minuten cremig einkochen lassen. Zucchini waschen und in dünne Scheiben schneiden. Parmesan fein raspeln. Vom Basilikum die Blätter abzupfen, einige zum Garnieren beiseite legen, den Rest in Streifen schneiden. Die eingekochte Sahne mit Salz, Pfeffer und Knoblauch würzen und aufkochen, bis sie dick ist. Die Medaillons von beiden Seiten mit Salz und Pfeffer würzen und im heißen Butterschmalz von jeder Seite eine Minute scharf braten, dann aus der Pfanne nehmen. Zucchini in der Pfanne bei mittlere Hitze anbraten, mit Salz und Pfeffer würzen. Eingekochte Sahne und Basilikumstreifen untermischen. Die Zucchini in eine ofenfeste Form geben, die Kalbsmedaillons darauf setzen. Den Parmesan darüber streuen und die restliche Crème fraîche auf dem Parmesan verteilen. Die Medaillons im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad etwa zehn Minuten überbacken.

Zur Nachspeise gibt es ein schlichtes italienisches Dessert: Espresso mit Vanilleeis.