Ramona Roßmann-Bierl und Julia Bacherl – ein charmantes Duo aus Waldmünchen für Combourg

Von Petra Schoplocher · 16. September 2023 um 19:00

Sie ist leise erfolgt, die Zepterübergabe an der Spitze des Partnerschaftkomitees Waldmünchen-Combourg. Zudem ein wenig nach dem Motto: Gut Ding‘ will Weile haben. Nun aber stehen Julia Bacherl und Ramona Roßmann-Bierl in der Verantwortung für die Beziehungen nach Combourg. Ihre ersten Bewährungsproben haben sie schon bestanden.

Die waren nicht ganz ohne, hatte Martina Mathes beim Besuch in Frankreich Ende August doch ganz bewusst versucht, ihren Nachfolgerinnen Aufgaben und Verantwortung zu übertragen. Übersetzen, Organisieren, Kümmern, Netzwerken...

Trotz des Stresses: Das Gesamturteil der Lehrerinnen – Bacherl am Gymnasium in Oberviechtach, Roßmann-Bier an der Grundschule Waldmünchen – einmütig aus. „Superschön“ und „es wird von Mal zu Mal schöner“.

Tief verwurzelt

Die beiden sind trotz ihrer erst 35 und 36 Jahre tief verwurzelt in der Freundschaft mit Combourg. Besuche in der Bretagne hier, aufgenommene Gäste da. Roßmann-Bierl hat seinerzeit sogar ihre Facharbeit über die Städtepartnerschaft geschrieben.

Spielen ohne Sprache

Deren Wert wissen beide zu schätzen. Bacherls Beispiel aus dem Vorjahr, als eine Französin mit ihren beiden Kindern bei ihnen und ihren zwei Kleinen zu Gast war. „Die sind gleich miteinander rumgesprungen ohne ein Wort in der Sprache des anderen zu verstehen.“

Die Unterbringung in Gastfamilien, sie ist nach Meinung des Duos das Erfolgsrezept der Partnerschaft schlechthin. Persönlicher Kontakt statt Unterbringung in einem Hotel, dies schaffe Bindung. Und erlaube Einblicke: „Wie leben die, was essen die?“, ergänzt Ramona Roßmann-Bierl und berichtet, dass ihren Kindern zum Beispiel in Erinnerung geblieben ist, dass in Frankreich keine Teller am Frühstückstisch stehen). Kinder, sie sind für die neue Spitze ein naheliegendes wie gutes Thema: Sie sollten eingebunden werden...

Von der Wehrmacht erschossen

So eine Städtepartnerschaft, sie ist noch mehr, betont die Grundschullehrerin. Brüder von Yves Costard, einem der Begründer der Partnerschaft, wurden von der Wehrmacht erschossen, dennoch nahm er seinerzeit Deutsche in sein Haus auf. „Das wäre, als ob Ukrainer Russen unter ihrem Dach willkommen heißen.“ So schnell gewinnt eine 30 Jahre alte Idee an Aktualität.

Gerade das Bewusstsein ums Jubiläum und Anfänge hätte vor Augen geführt, wie labil letztlich auch Frieden ist, sagen sie. Mit ein Grund für die Waldmünchnerinnen, sich für genau diese Sache zu engagieren.

Was für eine Begeisterung

Dass es die richtige ist, haben sie bei der Fahrt Ende August in vielen Momenten und Situationen gespürt. Die Begeisterung, von der sich die Oberpfälzer Blechapostel als „hineingeschneite“ Musikabordnung haben mitreißen lassen: „unglaublich!“ Allein das sein ein wahnsinniger Impuls und eine Bestärkung gewesen.

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Genau dieses Weitergaben der Flamme sehen die Frauen neben organisatorischen Aufgaben (die Franzosen kommen nächstes Jahr wieder) als ihre Hauptaufgabe an. „Wenn uns das gelingt, gewinnen wir immer wieder neue Leute.“ Die dann, zusammen mit dem bereits „infizierten“ Stammpersonal, dafür sorgen, dass es weiter geht.

Wünsche sollen erfragt werden

Gut möglich, dass es die ein oder andere Programmänderung geben wird. „Wir werden uns einfach umhören“, haben sich Bacherl und Roßmann-Bierl vorgenommen, wohl wissend, dass Ziele wie der Mont-Saint-Michel oder Paris genauso wie das Glasdorf Arnbruck „gesetzt“ sind. „Vielleicht kann man dennoch Neues einbringen“, sagen sie. Und vielleicht müsse auch nicht jede Minute mit Programm ausgefüllt sein.

(Zu) viel Unverbindlichkeit

Was die Aufgabe der neuen Doppelspitze nicht einfacher macht: Die heutige Zeit sei unverbindlich, eine Zusage längst nicht mehr verlässlich, formuliert Roßmann-Bierl. So war auch beim jüngsten Austausch mehrmals Jonglierkunst gefragt. „Da ist es gut, wenn man ein paar Joker hat“, hat Julia Bacherl diesbezüglich als Erkenntnis verbucht. Joker in Form von Gastfamilien oder potenziellen Mitfahrern „in der Hinterhand“. Allesamt über Jahrzehnte generiert durch Martina Mathes, die diesen Bereich heuer noch einmal „abgearbeitet“ hat.

Eine Huldigung

Überhaupt, Martina Mathes. Roßmann-Bierl und Bacherl hoffen, dass die Ehrenbürgerin noch lange Freude daran finden wird, die Partnerschaft (aktiv) zu begleiten. Alleine die Tour durch Paris auf der Rückfahrt, „die hätten wir so nicht leisten können“. Zudem die bewundernswerte Eloquenz, mit der sie übersetze... „Wenn man dann noch bedenkt, dass immer alles alleine auf ihren Schultern lastete.“

Für die Frauen persönlich gibt es über das „absolute Zentrum Martina Mathes“ seit diesem Jahr noch ein weiteres verbindendes Element nach Combourg. Beide haben in dem Theaterstück Monsieur Chateaubriands letzte Reise mitgewirkt. „Das hat Alles noch einmal intensiviert.“

Ramona Roßmann-Bierl und Julia Bacherl sehen das Gesamtgefüge Combourg sehr gut aufgestellt, gerade durch die Kombination „alt und jung“. Festzumachen an denjenigen, denen die Freundschaft seit Jahrzehnten ein Herzensanliegen ist, und Realschülern, dies das Wiedersehen mit ihren erst in diesem Jahr kennengelernten (Austausch)Partnern gar nicht schnell genug gehen konnte.

Das klingt ziemlich nach genau dem positiven Geist, den Bacherl und Roßmann-Bierl aus eigenem aktuellen Erleben rücklickend auf die beiden Begegnungen – aus Anlass 30 Jahre Partnerschaft gab es dieses Jahr zwei – zu Waldmünchen und Combourg, von Combourg und Waldmünchen erfahren haben . Der ist sicher ein besonderer, einigen wir uns auf zauberhafter (?) Geist.

Beim Besuch in Combourg Ende August standen Bacherl und Roßmann-Bierl schon mit im Rampenlicht, auch wenn die jungen Männer hier Blicke und Lacher auf sich zogen.