Waldmünchen: Was die Freundschaft mit Combourg so besonders macht

Von Petra Schoplocher · 1. September 2023 um 11:00

Sie hätten es sich schöner nicht wünschen können, die Gründerväter der Städtepartnerschaft zwischen Waldmünchen und Combourg. André Belliard, Heinrich Eiber und Dieter Aumüller, sie wären stolz auf jede einzelne Szene dieses besonderen Wochenendes gewesen. Zeigt(e) sie doch: Da passt es nicht nur im Sinne einer europäischen Idee, da passt es zwischen Menschen.

Diese nunmehr 30 Jahre währende Freundschaft, sie kennt viele Geschichten. Alte, die „aufgewärmt“ wurden, und neue, die hinzukommen und die Bande stärker machen. Eine der neuen: Martina und Jean-Luc umarmen sich spontan nd herzlich, dabei kannten sie sich wenige Stunden zuvor noch gar nicht. Die Überraschung: Sie haben am gleichen Tag Geburtstag, auf den im Combourger Schlossgarten alle auf sie anstoßen – Hausherr und Graf inklusive!

Lesen Sie hier: Combourg in der Bretagne und Waldmünchen in Bayern: Da haben sich zwei gefunden

Eine „gemischte“ Geschichte aus alt und neu ist die von Stefan. Vor 25 Jahren bereits war der Waldmünchner, der mittlerweile in einer Metropole lebt, für die Fahrt nach Combourg angemeldet. Seine Familie hatte zuvor Franzosen zu Gast. Ein gebrochener Knöchel machte ihm damals allerdings einen Strich durch die Rechnung.

Als seine Mutter von freien Plätzen in der Zeitung erfahren hatte, kontaktierte er kurzerhand Organisatorin Martina Mathes . Da war der Bus aber (zum zweiten Mal) voll. Bis zwei Tage vor der Abfahrt jemand absagte. Stefan überlegte nicht lange und sagte trotz des vor ihm liegenden Organisationsberges zu – und hat es keine Sekunde bereut... Auch wenn die Vorlaufzeit nicht mehr reichte, „das Schulfranzösisch aufzumöbeln“, fügt er grinsend an.

Riesige Herzlichkeit

„Diese Herzlichkeit von vorne bis hinten“, sagt Stefan beeindruckt über die Franzosen. „Die kennen dich nicht und sind so liebenswürdig.“ Er habe bei der Begrüßung Gänsehaut gehabt, gibt der Waldmünchner gerne zu. Der deutschen Gruppe bescheinigt er zudem einen besonderen Gemeinsinn. Jeder habe sich mit jedem unterhalten, was sehr angenehm gewesen sei.

Neben der Gastfreundschaft werde er die Erfahrungen im Treibsand rund um den Mont-Saint-Michel nie vergessen. Zum einen die Gefahr , die von dem Naturphänomen ausgeht – pro Jahr gibt es allein in der Bucht um die Sehenswürdigkeit im Schnitt zehn Tote zu beklagen. Zum anderen die Tatsache, dass das Einsinken (im Versuch unter Aufsicht eines Führers bestätigt) durch Trampeln selbst ausgelöst werden kann.

„Die paar Tage haben mir viel gegeben“, fasst er zusammen und ergänzt dieses Fazit um ein großes Lob für die gesamte Organisation. Wundervolle Eindrücke nimmt er auch aus Paris mit, wo die 60-köpfige Gruppe zwischen acht und 86 (!) Jahren einen Kurzaufenthalt auf der Heimreise einlegte. Stefan nutzte die freie Zeit für einen Abstecher mit seinem Zimmergenossen zur Baustelle Notre Dame. Beeindruckend. Stefan selbst wäre „sofort“ wieder dabei; egal, um welche bayerisch-bretonische Aktion es gehe, bekräftigt er euphorisch.

Eine andere Tradition wäre fast gekippt: Die Deutschen bringen stets Musik mit – nur: Dieses Jahr war irgendwie „der Wurm drin“. Wen Martina Mathes von den „üblichen Verdächtigen“ auch anfragte, alle waren gebunden durch Feste, Hochzeiten und Co. Sie klagte einer Mit-Sängerin im Amberger Kirchenchor ihre Nöte.

Deren Mann spielt nicht nur Posaune, sondern ist auch Lehrer-Kollege von Blasmusik-Legende Toni Lottner. Ob er nicht jemanden wüsste... Lottner fragte kurzerhand seine Kollegen von den Oberpfälzer Blechaposteln an, die alle Lust und größtenteils Zeit hatten. „Wir sind so nei‘gschneit“, schmunzelt Lottner, sein Gesamturteil: „Glücksfall“.

Die Musiker hätten sofort den großen Gemeinsinn der Gruppe – „wir waren sofort ein Teil“ – und den besonderen Geist dieser Partnerschaft gespürt, berichtet er. Untermauert wurde das gute Gesamtgefühl gleich beim ersten Auftritt in Combourg, wie es für die Männer von Neunburg über Oberviechtach bis Amberg überhaupt bewegend war, Teil dieser besonderen Feierlichkeiten zu sein.

Was Lottner sehr zu Herzen ging: Bei der Gedenk-Zeremonie blickte er in die Runde und sah einen kleinen Jungen und einen alten Mann im Rollstuhl, dazwischen zwei, drei, vier Generationen, allesamt getragen von dem gleichen Gedanken, dem gleichen Ideal: Das friedliche Miteinander schützen und pflegen.

Erinnerungen an 1993

Diesen Gedanken lebt auch eine andere Martina, der die Verbindung zu Combourg so sehr am Herzen liegt, dass sie die rund 1300 Kilometer sogar schon zweimal mit dem Fahrrad zurückgelegt hat. Sie erlebte beim offiziellen Gedenkakt einen sehr emotionalen Flashback, war sie doch 1993 bei der Besiegelung der Jumelage mit dem Trenck-Fanfarenzug in Combourg dabei. Ihr Mann als „Taferlbub", Landrat Franz Löffler schlug damals die große Trommel, erzählte sie. Die Gruppe wohnte in einer modrigen (bayerisch: grawligen) Massenunterkunft, die sie „Château (Schloss) de Grawel" tauften. All das kam hoch, als die Glocken läuteten und die Nationalhymnen erklangen.

Von welch‘ großem Vertrauen und Wertschätzung das Große-Ganze geprägt ist, verdeutlicht die Anekdote einer Waldmünchnerin, der ihre „Gastmutter“ spontan den einzigen Haustürschlüssel überließ. Sie selber „kam dann irgendwie über den Keller wieder rein“.

Weitere Besonderheit: Die ältere Dame war im Juli (erstmals) mit der Combourg-Abordnung in Waldmünchen zu Gast. Nicht nur, dass es ihr sehr gut gefallen hat. Sie, die sich seit Rentenbeginn mitunter einsam fühlte, lernte auf der Fahrt eine Coumbourgerin kennen, seitdem sind beide beste Freundinnen.

Stichwort Juli: Da lernten sich auch Célestine und Conny kennen. Die Französin war ganz hibbelig, ehe der Bus endlich vorfuhr – mit ihrer Waldmünchner Freundin.

Überhaupt: Die nächste Generation. Stéphanie war vor vielen Jahren bei den Europäischen Jugendwochen in Waldmünchen. Nun sieht sie lächelnd zu, wie ihre Tochter mit deren deutscher Freundin herumalbert. Die Gründerväter, sie würden mitlächeln.

Länderübergreifende Geburtstagsfreude! Martina und Jean-Luc werden im Schlossgarten gebührend gefeiert. Einer von vielen zauberhaften Momenten
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Kulturelle, freundschaftliche und unterhaltsame Tage hatte Combourgs Bürgermeister Joël Le Besco den Deutschen gewünscht. Dazu zählte eine Treibsand-Erfahrung bei einer Wattwanderung rund um den berühmten Mont-Saint-Michel.
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Mit ihm begann alles: Chateaubriand, dem die Combourger ein Denkmal gesetzt haben.
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Die Gastfreundschaft zeigt sich stets auch in der Bewirtung. Französisches „Savoir-vivre“...