Die Basis von Frieden und Menschlichkeit – 30 Jahre Städtepartnerschaft mit Combourg

In diesen Momenten war alles vergessen: Die 13 Stunden lange Busfahrt. Müdigkeit, Rückenschmerzen – für manche gut 30 Stunden ohne Schlaf. Endlich lag man sich wieder in den Armen! Wenn es ein Sinnbild dieser Freundschaft gibt, sind es diese Begrüßungsszenen.
Deren Bedeutung weit größer ist als die Verbindung von Menschen und Städten. Mit diesem Wissen gewann der Geburtstag „30 Jahre Städtepartnerschaft“ eine Menge Nachhall.
30 Jahre. Noch ehe beim Festakt die Partnerschaftsurkunde symbolisch neu unterzeichnet und bewegende und bedeutsame Worte gesprochen wurden, durften die Menschen ihre Herzen sprechen lassen. Da waren die, die es gar nicht erwarten konnten, die erst vor wenigen Wochen gefundene Freundin zu umarmen. Da waren die, die sich seit Jahrzehnten kennen und schon einen eigenen Begrüßungs-Code haben. Und die, die auf beiden Seiten vorfreudig-aufgeregt warten und denen ein wenig mulmig im Bauch ist: Ob die Familie wohl passt, der Gast? Ob es mit der Verständigung klappt?
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Wenig später vor dem Rathaus (mit gehisster Waldmünchner Flagge) sind diese Bedenken bereits verflogen. Am nächsten Morgen wird eine der „Ersttäterinnen“ schon beeindruckt erzählen, wie „wahnsinnig freundlich diese Franzosen sind.“
Garant für Frieden
Diese Franzosen – sie haben Namen, Gesichter. „Wen man kennt, auf den schießt man nicht“, sagt eine Waldmünchnerin, nachdem die Bürgermeister die Städtepartnerschaft mit ihrer Unterschrift symbolisch bestätigt hatten. Markus Ackermann und Joël Le Besco zeigten sich überzeugt, dass Verbindungen wie diese Friedensstifter und -garanten sind.
„Europa mag uns manchmal ganz weit erscheinen, dabei ist es Teil unseres Alltags“, führte der Combourger vor Augen. „Frieden, nichts als Frieden, stellt für uns den Kern des europäischen Geistes dar.“ Er erinnerte an François-René de Chateaubriand, der die beiden Städten zusammengeführt habe – die sich im übrigen sehr ähnlich seien.
Den französischen Adligen und Diplomaten mit Wurzeln in Combourg zeige, dass Dinge, die vor 200 Jahren passiert sind, immer noch aktuell seien. Deswegen sei jeder Einzelne wichtig, jeder könne Verantwortung übernehmen, etwas Positives im Sinne der europäischen Idee bewegen.
„Wir alle sind der Beweis dafür, dass wir die deutsch-französische Erbfeindschaft überwunden haben.“ Das Verhalten der Staaten untereinander hänge davon ab, „wie wir Menschen miteinander umgehen“. Wer den anderen kennenlerne, ihm begegne, könne Verständnis entwickeln. Städtepartnerschaften bezeichnete er als „Keimzelle Europas“.
Geprägt vom Krieg
Auch Landrat Franz Löffler (von 2002 bis 2010 Bürgermeister Waldmünchens) betonte die große Bedeutung der Verbindung. „Wir alle sind Botschafter, wir alle widersprechen denen, die die europäische Idee und den Staat in Frage stellen.“ Er erinnerte sich (er arbeitete damals bei der Stadt), wie bei der Ausarbeitung der Urkunde seinerzeit um Formulierungen gerungen wurde. Der Kern: Frieden, Frieden und nochmals Frieden, brachten die Gründerväter André Belliard und Heinrich Eiber doch ihre Erlebnisse als Kriegsteilnehmer mit ein.
Ihnen und Dieter Aumüller als Drittem zollte Löffler bei der Gedenkzeremonie zudem Respekt für ihre Präzision, ihren Mut und ihre Vision. „Nun liegt es an uns, den Staffelstab weiterzugeben für ein friedliches, geeintes und zukunftsfähiges Europa“, mahnte er. Erstes Zeichen: Der elfjährige Theo Heidinger aus Waldmünchen legte Blumen nieder.
30 Jahre, da darf es durchaus Geschenke „hageln“. Klein, aber bedeutsam: Ein USB-Stick (mit Stadtlogo), auf dem sich die französische Übersetzung von „Monsieur Chateaubriands letzte Reise“ gespeichert ist. „Das Theaterstück soll unsere Freundschaft festigen“, unterstrich Markus Ackermann, zugleich hoffend, dass das Werk eines Tages auch in Combourg aufgeführt wird.
Aus Anlass des Jubiläums wurde Programmpunkten zwischen (offiziellen) Begegnungen und Ausflügen einer hinzu gefügt: Ein Santé, ein Prosit auf die Freundschaft. Im beeindruckenden Park des Schlosses, in dem Chateaubriand einen Teil seiner Kindheit verbrachte. Und mit dem ja in gewisser Weise alles begann. Gerade auch diese wunderbare, wichtige Freundschaft.






