100 Jahre Dombauhütte in Regensburg: Die Hüter des Wahrzeichens feiern Jubiläum

Von Heike Haala · 14. September 2023 um 18:56

Wenn die Glocken von St. Peter an einem Donnerstagnachmittag mehrfach läuten, muss etwas besonderes in Regensburg los sein. Und das war am Donnerstag der Fall: Die Staatliche Dombauhütte im Schatten der Kathedrale feierte ihren 100. Geburtstag. 4

Kein Wunder also, dass alle, die im, am oder um den Dom herum etwas zu sagen haben, bei diesem Festakt dabei sein wollten. Das waren zum Beispiel Domprobst Franz Frühmorgen, der den Wortgottesdienst hielt und ein Grußwort sprach, Domorganist Franz Josef Stoiber, der am Ende des Te Deums einen ergreifenden Klangteppich in der Kathedrale ausrollte, aber auch der Kunsthistoriker Achim Hubel, der den Dom erforscht, natürlich die 15 Mitarbeiter der Dombauhütte, Domhüttenmeister Matthias Baumüller und sein Vorgänger Helmut Stuhlfelder oder auch ein Ensemble sowie ein Männerensemble der Regensburger Domspatzen.

Dank an die Steinmetze

„Die Stadt würde ihr Herz verlieren, wenn sie den Dom nicht hätte“, sagte Frühmorgen während dieses Gottesdienstes und verdeutlichte so die Relevanz der Dombauhütte sowie ihrer Mitarbeiter, die das Wahrzeichen erhalten. Er dankte ihnen für ihre Sorge, ihre Sorgfalt, ihre Behutsamkeit und ihre Freundlichkeit. „Die Dombauhütte ist Geschenk und Segen“, sprach er weiter.

Beim Empfang in St. Ulrich erinnerte Karl Stock, Leiter des Staatlichen Bauamts Regensburg, an die erste Dombauhütte. Die Gotik mit ihrem überbordenden Figurenprogramm habe die Einrichtung beim Bau der Kathedrale notwendig gemacht. Die erste Staatliche Dombauhütte in Bayern wurde schließlich vor 100 Jahren in Regensburg gegründet, weil ein Expertenrat angesichts der Verwitterung der Fassade Alarm geschlagen habe. Christian Bernreiter (CSU), Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, sagte, er habe die Dombauhütte und ihre Mitarbeiter in sein Herz geschlossen. Laut Bernreiter sei geplant, die Einrichtung selbst instand zu setzen. Ein Geschenk gab es dann auch für Domprobst Frühmorgen, selbst wenn es nicht sein Geburtstag war, der da gefeiert wurde. Schon beim Gottesdienst hatte er seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass der Dom nachts bald wieder angestrahlt werde. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) versprach ihm, die Beleuchtung in diesem Winter wieder anzuknipsen.

Auf die Frage, was ihnen Freude an ihrer Arbeit bereitet, braucht keiner der Steinmetze lang zu überlegen. Florian Graml liebt es, hoch über den Dächern der Stadt Gerüste zu bauen und Steine zu tauschen. Ilka Wieber schätzt die Abwechslung: im Winter in der Hütte, im Sommer an der Kathedrale. Und Maximilian Lell ist es wichtig, etwas mit seinen Händen zu erschaffen. Und so kann er es kaum erwarten, bis ein Bauteil am Dom ist, das er bearbeitet hat. Noch vor der Winterpause könnte es so weit sein. Spätestens aber im Frühjahr. Dann sollen das Turmstück, ein Sockelstein und ein Schaftstück eingebaut werden.

Tag der offenen Tür

Wer mehr über die Dombauhütte erfahren möchte, bekommt am Sonntag Gelegenheit. Von 11 bis 17 Uhr ist Tag der offenen Tür. Die Steinmetze und Bildhauer zeigen ihre Arbeit: einen entstehenden Wasserspeier, Teile des nördlichen Querhausgiebels, Gipsmodelle, Gussformen, die Werkzeuge aus der hütteneigenen Schmiede und eine der Kreuzblumen. Für Kenner der Zunft versteht es sich zwar von selbst, aber für alle anderen sei es hier noch einmal gesagt: Keiner, der bei Steinmetzen zu Gast ist, wird hungrig oder durstig nach Hause gehen – auch Vegetarier nicht.

Mit Hammer und Meißel
Der Empfang in St. Ulrich war gut besucht.
Die Gäste beim Wortgottesdienst im Dom Fotos: altrofoto.de