Regensburger Dombauhütte wird 100 Jahre: Das wird im Spätsommer groß gefeiert

Von Heike Haala · 20. April 2023 um 17:00

Regensburg und sein Wahrzeichen ohne Domspitzen? Das ist für viele vollkommen undenkbar. Dann stünde die Stadtsilhouette ohne ihr Charakteristikum da.

Vielleicht gäbe es trotzdem eine Süßigkeit aus mit Schokolade überzogenen Teigresten, aber sie würde anders heißen und auch das Logo der Tourismus GmbH würde anders aussehen. Trotzdem waren vor dem 8. November 1923, dem Tag als die Staatliche Dombauhütte in ihrer heutigen Form gegründet wurde, Überlegungen ins Kraut geschossen, die erst zwischen 1859 bis 1869 errichteten Turmspitzen abzubauen. 100 Jahre ist das jetzt her.

An dem Tag muss der Dom ein trauriges Bild abgegeben haben. „Der Zustand war schlimm und wurde immer schlimmer“, schilderte es Karl Stock, Leiter des Staatlichen Bauamts, am Donnerstagnachmittag im Domgarten. Allerdings war dieser Zustand derKathedraleauch der Tiefpunkt. Denn die Steinmetze leisten seither ganze Arbeit.

Die Hütte öffnet sich

Zum runden Geburtstag der Dombauhütte sollen alle, die an ihr vorbeikommen, erfahren können, was sich seit der Gründung getan hat. Dazu gestalteten die Mitarbeiter eine Informationstafel mit einem Zeitstrahl, die nun aufgebaut ist. Im Spätsommer soll das Jubiläum auch groß gefeiert werden: So kündigte Stock für den September eine Jubiläumsveranstaltung für geladene Gäste an. Am 17. September soll es zudem einen Tag der offenen Dombauhütte geben, zu dem alle Regensburger eingeladen sind. Eine Ausstellung im Domkreuzgang von 14. September bis 15. Oktober wird überdies die Arbeiten der Mannschaft in der Hütte in den vergangenen 100 Jahren beleuchten.

Das besondere an der Regensburger Dombauhütte: Sie ist die erste ihrer Form und wurde noch vor denen in Passau oder Bamberg gegründet. Heute hat sie 15 Mitarbeiter. Der Freistaat lässt sie sich etwas über eine Million Euro im Jahr kosten, beziffert Stock die Summe, die sich aus dem Personal, dem Betrieb und den Material zusammensetzt. Mit derInstandsetzung des Südturmssei die Einrichtung auch gerade mit einer Mammutaufgabe beschäftigt, von der nicht gesagt werden könne, wie viel Zeit sie noch in Anspruch nehmen wird. Sie habe Priorität. „Der Giebel des Nordportals müsste beispielsweise dringend ersetzt werden. Der ist auch schon zu 90 Prozent fertig. Aber der Turm hat jetzt Vorrang“, sagt Stock.

Dabei arbeiten die Steinmetze wie ihre Kollegen im Mittelalter. Sogar ihr Werkzeug stellen sie in der Schmiede der Hütte selbst her. Nötig wurde sie beim Bau des Doms wegen der schieren Größe der Kirche, erklärt Stock. „Die Skelettbauweise in der Gotik ermöglichte eine Art industrielle Vorfertigung der Bauteile“, sagt er. Weil die Dombauhütte diese Arbeitsweise bewahrt, wurde sie 2020 zusammen mit 17 weiteren europäischen Dom- und Münsterbauhütten in das internationale Register des Immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen.

Vorgänger auf Zeit

Direkter Vorläufer der Hütte in ihrer jetzigen Form sei laut Stock die vomDombauvereingetragene Einrichtung zur Errichtung der Turmspitzen gewesen, für die sich Staat und Baufirmen für einige Zeit zusammengetan hatten. „Die heutige Hütte aber ist auf Dauer ausgelegt“, sagt er.

Zu den wichtigsten Stationen zählt Stock etwa die erste Baustelle im Jahr 1924: Das war die Erneuerung des Eicheltürmchens. In den 1930er-Jahren sei noch viel renoviert und restauriert worden, bevor die Arbeiten während des zweiten Weltkrieges nahezu vollständig zum Erliegen kamen. Die bau- und kunsthistorische Erforschung des Doms startete 1985. Hauptaufgabe zu diesem Zeitpunkt sei laut Stock die Reinigung der Fassaden von St. Peter gewesen, die erst mit dem Papstbesuch im Jahr 2006 zu einem vorläufigen Abschluss am Westportal mit dem Tympanon kam. Zur Jahrtausendwende stellte die Dombauhütte mit ihren Erhaltungsarbeiten sogar einen Teil der Expo in Hannover dar.

Die Türme des Doms
Ein Bildhauer arbeitet an einer Figur für den Dom. Das Original steht daneben.
Die Tafel mit den Daten