Domturm bleibt noch lange eingerüstet: Mitarbeiter der Bauhütte prüfen alle Ziertürme

Der Dom ist neben der Steinernen Brücke das Regensburger Wahrzeichen schlechthin. Während die Brücke aber frisch saniert dasteht, ist die Kathedrale eine Dauerbaustelle. Die größte davon ist gerade der gesamte Südturm, dessen Spitze bröselt.
Die Steinmetze rücken dem Dom seine Krone zurecht
Matthias Baumüller, Leiter der Staatlichen Dombauhütte, schnappt sich einen maroden Kalkstein von der Größe eines Kiesels, der im Dachstuhl liegt, und zieht die Mundwinkel nach unten, während er ihn zwischen seinen Fingern zerreibt und die Klumpen herunterfallen. Das ist das Problem. Der Kalk wird mit der Zeit zersetzt.Deswegen brach im Juli 2019 auch eine Kreuzblume ab und stürzte 80 Meter in die Tiefe,nachdem ein Metallstift, der sie eigentlich sichern sollte, gerostet war, aufquoll und der Stein schlichtweg platzte. Jetzt werden beide Domspitzen sowie ihre Zierelemente überprüft und bei Bedarf instand gesetzt. Wie viel Zeit das in Anspruch nehmen wird, kann weder Baumüller noch Karl Stock, Leiter des Staatlichen Bauamts, sagen. „Das kommt auf die Überraschungen an, die der Dom für uns bereithält“, sagt Baumüller. Deswegen habe das Bauamt das 220 Tonnen schwere und 900.000 Euro teureGerüstauch gekauft und nicht gemietet. Immerhin ist dieerste Fiale nun so gut wie fertig, sagt Baumüller. Muss ein ganzes Teilstück von einem halben Meter ausgetauscht werden, ist ein Steinmetz über zwei Monate nur damit beschäftigt, um für Ersatz zu sorgen. Die Fiale ist neben der Kreuzblume das Zierelement am Dom schlecht hin. „Sie sind zwischen 15 Zentimetern und 20 Metern groß“, sagt Baumüller.
Ein großes Jubiläum steht an: 100 Jahre Dombauhütte
In diesem Jahr wird das Regensburger Wahrzeichen die Aufmerksamkeit teilen müssen – und zwar mit denen, die es in Stand halten: den Steinmetzen aus der Dombauhütte. Seit 1923 gibt es die Staatliche Dombauhütte und damit 100 Jahre. Stock kündigt an, dass dies auch entsprechend gefeiert wird. Etwa soll es Vorträge zur Hütte geben und auch ein Buch zu dem Thema soll erscheinen. Die Regensburger Hütte sei die erste ihrer Art gewesen. Bayernweit gibt es noch zwei weitere: eine in Bamberg und eine in Passau. Die seien laut Stock aber erst nach der Regensburger Einrichtung gegründet worden. Zu ihren größten Aufgaben zählten seither die Sanierung der Turmhelme in den Jahren 1954 bis 1957, die systematische Reinigung des Doms ab dem Jahr 1988, die beim Chor begann und an der Westfassade mit dem berühmten Figurenportal endete, oder die Sanierung des Nordturms, bei dem auch die mächtige Kreuzblume an der Spitze ausgetauscht wurde. Seit 2020 ist die Dombauhütte mit weiteren 17 Teil des immateriellen Kulturerbes der Unesco.
Neue Deckel für die Grube mit dem Gold der Steinmetze
Im westlichen Innenhof des Domkreuzgangs liegt das in der Erde, was die Steinmetze als ihr Gold bezeichnen: der Mörtel. „Wenn wir den nicht hätten, müssten wir die Steine am Dom miteinander verschrauben“, sagt Baumüller. Der Knackpunkt dabei: Der Mörtel darf keine Luft abbekommen, sonst wird er fest. Dazu ruht der Brei aus Pulver und Wasser isoliert unter einer Schicht aus Wasser. Die wiederum darf nicht zufrieren, deswegen muss auch sie isoliert werden. Bisher karrten die Steinmetze deswegen haufenweise Laub durch den Domkreuzgang in den Innenhof und verstreuten es über den Gruben. Jetzt aber haben die beiden Gruben zwei Schiebedeckel bekommen. „Das haben wir uns bei der Sanierung auserbeten“, sagt Baumüller. Jede Generation Steinmetze muss beim Mörtel für die kommende vorsorgen und von Zeit zu Zeit Kalk brennen. Eine nicht ungefährliche Aufgabe, muss er doch am Ende auch gelöscht werden, was eine heftige chemische Reaktion auslöst. „Da müssen wir sehr vorsichtig sein“, sagt Baumüller. Im Moment reicht der Vorrat noch einige Zeit, aber er neigt sich definitiv zu Ende. „In den nächsten Jahren werden wir das machen“, sagt er.


