Kein Happy End für Frischling Jim Knopf: Jägerin konnte ihn nicht retten

Von Bernhard Neumayer · 30. August 2023 um 05:00

Susanne Brom aus dem Berchinger Ortsteil Weidenwang lebte vier Wochen mit einem Baby-Wildschwein namens Jim Knopf. Die Jägerin wollte den Frischling retten. Doch damit fingen die Probleme erst an.

Jim Knopf kennen viele aus Lummerland – und nicht aus Weidenwang. Dennoch war Jim Knopf für vier Wochen die Attraktion im Berchinger Dorf, insbesondere für Kinder, erinnert sich Susanne Brom. Die Jägerin spricht aber nicht von dem Protagonisten der beliebten Kinderbücher von Michael Ende, sondern von einem Frischling.

Im Mai 2020 hatte Brom ein Wildschein-Baby zuhause aufgenommen. Ein anderer Jäger hatte Brom um Asyl für den Nachwuchs gebeten. „Zuerst hat mein Mann gesagt, dass es gar nicht in die Tüte kommt, den Frischling aufzunehmen, weil es eine Mammutaufgabe ist“, blickt Brom zurück. Letztlich hat sie sich gegen ihren Mann durchgesetzt, einen Namen ausgesucht und schon zog Jim Knopf in Weidenwang ein.

„Der Frischling war so süß“, sagt Brom, die sich aber damals schon bewusst war, dass es keine Dauerlösung sein könne. Ihr Plan war, das junge Wildschwein ein paar Wochen großzuziehen, um es danach in ein Wildgehege zu einer fremden Rotte abzugeben. „Aber da hieß es, dass der Frischling erst wachsen müsse“, sagt Brom.

Jägerin Susanne Brom aus Weidenwang kochte für Jim Knopf

Um das dafür notwendige Futter kümmerte sich Brom ebenso wie um den Unterstand im Garten. „Wir haben eine Art Hütte gebaut und ein Stück Wiese eingezäunt für den Auslauf“, erzählt Brom, die den Frischling zuerst mit der Flasche fütterte. Danach trank er die angerührte Ferkelmilch selbst aus der Schüssel. Schon bald ernährte sich Jim Knopf von fester Nahrung: Regenwürmer, pürierte Bananen, gekochte Kartoffeln und Karotten. „Alle drei, vier Stunden hat er etwas zu essen bekommen“, sagt Brom, die viel Zeit investiert hat, sich um das junge Wildschwein zu kümmern.

Alle zwei, drei Stunden habe sie nach Jim Knopf geschaut. Weil Brom nicht berufstätig ist, konnte sie sich im Alltag um den Frischling kümmern. Um 5.30 Uhr sei sie aufgestanden und habe ihn gefüttert. Danach wurde durch den Garten gelaufen, gekrault und gespielt. „Ein Frischling braucht Gesellschaft“, sagt die Jägerin. Normalerweise leben die Tiere in einer Rotte.

Im Fall von Brom hielt sich Jim Knopf bei Menschen auf – und einmal in tierisch gefährlicher Nähe. Broms Jagdhündin Nala ist eines Tages auf den Frischling losgegangen. „Ich konnte zum Glück Schlimmeres verhindern“, sagt Brom.

Spätestens nach diesem Vorfall sei ihr klar gewesen: Das junge Wildschwein muss woanders unterkommen. „Ich habe händeringend nach einem Platz gesucht.“ Zuerst dachte Brom an ein Wildgehege. Wegen der ausgebrochenen Afrikanischen Schweinepest habe zu diesem Zeitpunkt aber in zwei angefragten Wildgehegen Aufnahmestopp geherrscht, erzählt Brom.

Dann habe sie Jim Knopf zu einem Bio-Landwirt gegeben. Dieser hielt bereits Hausschweine. Doch das zuständige Veterinäramt sah dort die Auflagen für ein Wildschwein nicht erfüllt. „Und dann wurde mir nur noch mitgeteilt, dass sie den Frischling wegtun mussten“, sagt Brom. Vermutlich sei er geschossen worden.

Mittlerweile sagt Brom, dass es totaler Blödsinn sei, einen Frischling oder auch ein Rehkitz aufzuziehen. „Wildtiere zuhause großzuziehen, geht meist schlecht aus.“ Sie habe sich damals lediglich bereiterklärt, weil der Frischling ohnehin schon von seiner Rotte getrennt worden sei.

Tier im Wald gefunden: Das Veterinäramt Neumarkt gibt Tipps

Das Veterinäramt Neumarkt rät dringend davon ab, Wildtiere mit nach Hause zu nehmen. „Die meisten dieser Tierfindlinge sind meist nicht verwaist und benötigen keine Hilfe“, teilt Sonja Forster vom Veterinäramt mit. Für Laien sei es unmöglich zu beurteilen, ob ein Rehkitz seine Mutter verloren habe. Da die Jungtiere sich in den ersten Lebenstagen kaum bewegen, werden sie von ihren Müttern alleine gelassen und nur zum Säugen aufgesucht, erklärt Forster. Sie rät: Erst einmal beobachten. „Bei Unklarheiten oder nach einem Wildunfall sollte auf jeden Fall der Jagdpächter kontaktiert werden, bevor man falsch handelt.“

Denn die Aufzucht von Frischlingen und Rehkitzen sei äußerst problematisch. Dadurch könne es zu Fehlprägungen kommen. Nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes ist zudem eine tierschutzrechtliche behördliche Genehmigung erforderlich, in der unter anderem festgelegt wird, welche Tierart in welcher Anzahl aufgenommen werden darf und welche fachlichen Qualifikationen die verantwortliche Person nachweisen muss. Ziel der Aufzucht müsse immer die Auswilderung im natürlichen Lebensraum sein, sagt Forster. Die Aufzucht sei nur dann gerechtfertigt, wenn das Wildtier eine realistische Chance habe, in freier Wildbahn überleben zu können und sich wieder in die Wildpopulation einzugliedern.

Susanne Brom aus dem Berchinger Ortsteil Weidenwang mit Frischling Jim Knopf Foto: Melanie Stadler