Junges Multitalent: Anja Mittermeier will Dirndlkönigin am Gillamoos 2023 werden

Von Daniel Pfeifer · 25. August 2023 um 15:00

Der erste Blick kann manchmal echt täuschen! Anja Mittermeier aus Helchenbach (Landkreis Kelheim) mag zunächst wirken wie eine ganz unscheinbare Schülerin. Doch wer die 16-Jährige kennt oder sich nur kurz mit ihr unterhält, merkt: In ihr steckt viel mehr, als man erwarten würde.

Dass sie bayerische Vizemeisterin im Florettfechten ist, rasant Motorrad fährt, Geige und Schlagzeug spielt und das alte Handwerk der Brandmalerei beherrscht, ist an sich schon eine beachtliche Liste. Jetzt soll noch ein Punkt dazu kommen. Denn heuer bewirbt sie sich um das Amt der Gillamoos-Dirndlkönigin 2023.

Unter den fünf Kandidatinnen ist sie die jüngste. Und wohl diejenige, die das Landleben am meisten verkörpert. Kaum mehr als summende Bienen, raschelnde Obstbäume und das ferne Tuckern von Bulldogs hört man bei ihr zuhause nicht.

„Die Ruhe ist schön, aber es ist schon auch sehr abgelegen“, sagt Anja Mittermeier über den Einödhof nahe Helchenbach, in dem sie aufgewachsen ist. Abensberg erscheint dagegen schon fast wie eine Weltmetropole.

Berühmtheit Erdäpfekraut als Vater

Diese ländliche Herkunft hat die junge Schülerin nicht nur persönlich geprägt, sondern sie erklärt auch bereits ihr erstes Hobby: das Motorradfahren. „Hier am Land fährt alle heilige Zeit ein Bus vorbei“, sagt sie und lacht. Deshalb legte sie sich ihre Maschine, eine neongrüne Benelli BN125, vor allem aus Notwendigkeit zu. Aber schon auch, weil das Fahren Spaß mache, gibt sie zu.

Jeden Tag finden Sie bei uns einen neuen Text zu einer der fünf Kandidatinnen. Das Portrait zu Petra Hame finden Sie hier. Das Portrait zu Amelie Ruhfaß finden Sie hier. Das Portrait zu Anna-Maria Hauner finden Sie hier.

Ebenso großen Spaß findet Anja Mittermeier in der Musik. Mit ihrer Geige spielt sie zusammen mit Harfen- und Hackbrett-Musikern im Volksmusik-Ensemble der Musikwerkstatt Abensberg. Auch wenn es kitschig klingt: Die Musik ist ihr quasi in die Wiege gelegt. Ihr Vater Hubert Mittermeier ist der überregional bekannte Gstanzlsänger „Erdäpfekraut“. Und auch die Mutter ist als Gstanzlsängerin erfolgreich.

Für Anja Mittermeier bedeutet das auf der einen Seite, dass sie Volksfestbühnen und Fernseh-Teams schon gewohnt ist. Auf der anderen Seite bedeutet dies aber auch, stets auf die Eltern angesprochen zu werden. „Manchmal hab ich schon das Gefühl, nicht so die eigene Person zu sein, sondern immer die Tochter von jemandem“, sagt sie, fügt aber sofort hinzu: „Das stört mich aber nicht.“

Mit ihrer Kandidatur für das Amt der Dirndlkönigin 2023 würde sie definitiv aus diesem berühmten Schatten etwas heraustreten. Die Idee zur Kandidatur reifte schon lange in ihr, doch bislang hielt sie ihr Alter zurück. Nun da sie 16 Jahre alt ist, ergreift sie sofort die Initiative. „Was bringt es, das herauszuzögern“, sagt sie sich, „man weiß ja nie - wenn mir was passiert, dann könnt‘ ich das nie mehr machen. Also mache ich es jetzt.“ Man merkt: Die Kandidatur war keine Übersprungshandlung, sondern Mittermeier hat sie sich sehr gut überlegt. „Es ist eine tolle Tradition“, sagt sie, „und es gibt so viele Königinnen in Bayern, die ich gerne einmal treffen würde.“

Eine ungesunde Tradition

Die Wahl der Dirndlkönigin auf dem Gillamoos ist nicht die einzige Tradition, für die Anja Mittermeier brennt – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie führt auch ein altes Handwerk fort, das sie von ihrem Großvater erlernt hat: Die Brandmalerei. Diese Kunstform, bei der mit einem Brennstab und Farbe ein Motiv auf Holz gebrannt wird, fordert großes Feingefühl und auch eine robuste Lunge. „Gesund ist das auf jeden Fall nicht“, erzählt Mittermeier grinsend. Die Dämpfe, die beim Brennen entstehen, seien schon gewöhnungsbedürftig – gelinde ausgedrückt. „Es stinkt immer zum Verrecken“, sagt es Mittermeier unverblümter.

Doch weiterführen will sie die Tradition der Brandmalerei trotzdem, lernte sie es doch von ihrem Opa, der einst Brandmaler für die Bundeswehr in Reichenhall war. Stolz zeigt Mittermeier einen Holzteller, den sie kürzlich gebrannt hat. Darauf sind komplexe Blumen und Hopfendolden zu sehen, der Hundertwasserturm und der Schriftzug „Gillamoos 2023“ – alles in wirklich beeindruckendem Detail. Und wer weiß – vielleicht wird Anja Mittermeier irgendwann einmal diesen Teller wieder ansehen und sich zurückerinnern: „Ach ja, 2023, das Jahr, als ich Dirndlkönigin wurde.“ Ob es so kommen wird, entscheidet sich am 4. September auf dem Gillamoos.

Mittermeier und ihre Benelli
Am 4. September findet die Wahl zur 51. Dirndlkönigin im Härteis-Festzelt auf dem Gillamoos statt. Es entscheiden zu gleichen Teilen eine fünfköpfige Jury und die Gäste im Zelt.