Furchtlose Festbraut: Anna-Maria Hauner will Dirndlkönigin am Gillamoos 2023 werden

Von Daniel Pfeifer · 24. August 2023 um 15:30

Sie klettert Feldwände hoch, rast mit 100 Sachen die Skipiste herunter und stellt sich bei der Feuerwehr Bayerbach Flammen und Fluten: Für Anna-Maria Hauner ist Angst ein Fremdwort und Tradition ein Muss. Nun will sie Dirndlkönigin 2023 des Gillamoos in Abensberg (Landkreis Kelheim) werden.

Manchen Leuten ist es egal, mit welcher Kleidung sie auf Dorffeste, Hochzeiten oder den Gillamoos gehen. Für andere Leute braucht es den Blick in den Kleiderschrank gar nicht, denn es steht fest: in Tracht! Anna-Maria Hauner ist definitiv im Team Tracht.

Ginge es nach ihr, sollten in Bayern viel öfter fesche Dirndl und Lederhosen getragen werden. So überzeugt davon ist die 23-Jährige aus dem kleinen Bayerbach bei Ergoldsbach, dass sie heuer für das Amt der Abensberger Gillamoos-Dirndlkönigin kandidiert.

„Ich versuche eh schon immer, die Leut‘ zu überzeugen, mehr Tracht zu tragen“, erzählt Anna-Maria Hauner. Warum also nicht gleich als offizielle Dirndlkönigin damit weitermachen? Expertise hat Hauner auf jeden Fall mehr als genug. Nicht nur besitzt sie selbst sechs verschiedene Dirndl, sie ist auch aktuell die Festbraut der Freiwilligen Feuerwehr Bayerbach zu deren 150-jährigem Jubiläum. „Ich bin es eh schon gewohnt, dass ich seit zwei Jahren überall im Dirndl hingehe“, sagt Hauner.

Feuersbrunst und Fluthilfe

Stilistisch ist das ein ganz schöner Kontrast zu früher. Denn bevor sie Festbraut war, kannte man die 23-Jährige auf Veranstaltungen oft eher in Uniform. Seit inzwischen elf Jahren ist Hauner bei der Freiwilligen Feuerwehr. Zunächst war sie Gründungsmitglied der Jugendwarte und inzwischen errang sie alle Leistungsabzeichen, ist Sanitäterin und Atemschutzgeräteträgerin.

Für sie war es seit ihrer Kindheit klar, dass sie einmal Feuerwehrlerin werden wollte. Nicht nur wegen der Gemeinschaft, sondern auch, um Menschen zu helfen. Wenn dann Dankbarkeit zurückkomme, egal ob in Form freundlicher Worte oder in Form von einer Einladung zur Brotzeit, dann sei das ein unschätzbarer Lohn.

Neben Unfällen und Unwetter-Einsätzen wurde Hauner auch schon auf den einen oder anderen Brand gerufen – als Felder brannten oder im Nachbardorf Gerabach ein Holzhaus. Besonders erinnert sich Anna-Maria Hauner auch an das Hochwasser in ihrer Heimat Bayerbach vor rund zwei Jahren. „Da sind wir die ganze Nacht unterwegs gewesen“, erzählt sie. Zimperlich ist die 23-Jährige nicht und vor Herausforderungen zurückzuschrecken liegt ihr fern.

Sogar ihre männlichen Kollegen können da manchmal nur staunen. Wenn Hauner dann zum Beispiel nach der Übung in den Löschweiher hüpft oder sich bei einer Übung mit dem C-Schlauch über den Haufen spritzen lässt, obwohl kurz darauf die Abzeichen-Verleihung ansteht. „Die Buama haben‘s sich ned getraut“, sagt sie grinsend.

Diese furchtlose Ader kam bei der Bayerbacherin schon früh hervor. Das sagt zumindest ihre Mutter. „Umso gefährlicher, umso besser“, sagt sie, „sie hat noch nix gefürchtet!“ Sei es zuhause, wenn sie zum Zwetschgensammeln auf dem Dach herumkraxelt, wenn sie in den Alpen klettern geht oder beim Skifahren. Noch vor ihrem dritten Geburtstag stand sie auf den Brettern und ist heute Hochgeschwindigkeits-Fahrerin. Stolz zeigt sie auf ihrem Handy die Höchstgeschwindigkeit ihrer letzten Skifahrt im Hochzillertal: 95,5 Stundenkilometer.

Mit dem Fanclub aus Bayerbach

Ihre Furchtlosigkeit und ihre Kondition helfen ihr nun bei der aufwendigen Wahl zur Dirndlkönigin von Abensberg ebenso weiter wie ihre Erfahrung und die Unterstützung aus ihrer Heimat. In ihrer Rolle als Feuerwehr-Festbraut habe sie viel gelernt, viel Selbstbewusstsein getankt und Spaß daran gefunden, einfach mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Jeden Tag finden Sie bei uns einen neuen Text zu einer der fünf Kandidatinnen. Das Portrait zu Petra Hame finden Sie hier. Das Portrait zu Amelie Ruhfaß finden Sie hier.

Gleichzeitig habe es auch gezeigt, dass die Freiwillige Feuerwehr Bayernbach hinter ihr steht. Wie viele von den 85 aktiven Mitgliedern auch zum Gillamoos reisen werden, um bei der Wahl am 4. September im Publikum zu sitzen, das weiß auch Anna-Maria Hauner noch nicht. „Ich weiß nur: Es kommt ein Fanclub mit einem Bus“, erzählt sie stolz. Alles weitere hielten ihre Freunde und Kameraden geheim. Doch ob es nun reichen wird für die Krone oder nicht: Für Hauner war schon jetzt die Vorbereitung mit Coachings, Fotoshootings und einem professionellen Video-Dreh ein tolles Erlebnis. „Ich war echt überrascht, wie sehr die Stadt dahinter ist. Echt krass“, sagt sie, „ich bin sehr gespannt auf die Wahl!“