Auf der Suche nach alter Brücke: Taucher aus Kiel durchforsten Naab in Schwandorf

Aufmerksame Spaziergänger dürften unterhalb der Naabbrücke – unweit des Gasthofs Baier – dieser Tage eine ungewöhnliche Beobachtung machen. Plastikflaschen schwimmen symmetrisch im Wasser, zwischen ihnen steigen immer wieder Luftblasen auf. Nun ist klar: Dahinter stecken archäologische Forschungsarbeiten.
Marvin Lehmann und Silvan Schefers stehen am Freitagvormittag am Ufer der Naab. Über ihnen brettern im Sekundentakt Fahrzeuge über die Brücke. Um das Geländer vor ihnen sind zwei lange, gelbe Seile gewickelt, die meterweit ins Wasser ragen. „Mit diesen sichern wir unsere Kollegen ab“, erklären sie. Im kühlen Nass schwimmen zu dieser Zeit Daniel Brüggemann und Henning Andresen. Ausgestattet mit Neoprenanzügen und Druckluftflaschen suchen sie den Flussuntergrund ab.
Die vier jungen Männer sind Forschungstaucher und wurden alle an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ausgebildet. Doch was verschlägt sie vom hohen Norden ins beschauliche Schwandorf? „Wir wurden von der Firma ACS Archäologie Cichy & Seiler GbR beauftragt“, erklärt Lehmann. Das Unternehmen aus dem mittelfränkischen Alfeld hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres im Auftrag des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach archäologische Grabungen am Naabufer vor dem Gasthaus Baier sowie auf der Krondorfer Seite durchgeführt. Diese waren nötig, weil dort eine Behelfsbrücke gebaut werden soll, wenn der Neubau der beiden Naabbrücken beginnt.
Stadt Schwandorf ist immer für historische Funde gut
Die Stadt Schwandorf, die ihre Entstehung der Naab verdankt, ist in der Nähe von Rathaus und Jakobskirche, aber auch im Einzugsbereich des Flussufers immer mal wieder für historische Funde gut. Auch bei der Grabungsaktion im Oktober 2022 wurden eine Reihe von Sandsteinmauern und ein Boden aus Ziegelsteinen freigelegt.
Damals hatte die Grabungsleiterin bereits eine nach ihren Worten spektakuläre Tauchaktion an der Naab für 2023 angekündigt. Diese begann am Montag. Wie das Bayerische Landesamt für Denkmalschutz auf Nachfrage bestätigt, wird vermutet, dass es bereits in älterer Vergangenheit eine Brücke über die Naab gegeben haben könnte. „Die Taucher entnehmen an der möglicherweise erhaltenen Brückenkonstruktion Proben, um die vorhandenen Holzreste einer Vorgängerbrücke zu dokumentieren und durch die Zählung von Jahrringen ein genaues Errichtungsjahr herauszufinden“, erklärt Pressesprecherin Lea Kramer.
Taucher aus Kiel waren 2022 auch in Schwarzenfeld
Diese spezielle Sondierung ist nach Angaben des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach die erste dieser Art in Schwandorf. Bei großen Baumaßnahmen im Bereich eines Gewässers sei dies aber durchaus üblich. „Im Hinblick auf unser Tagesgeschäft stellt es aber schon eine Besonderheit dar“, sagt Christoph Weh, zuständig am Bauamt für den Bereich Brückenbau. Bereits 2022 habe in Schwarzenfeld eine ähnliche Aktion stattgefunden. Auch hier seien die unterwasserarchäologischen Untersuchungen im Vorfeld nötig gewesen, weil dort im Zuge der Sanierung der Kleinen Naabbrücke ebenfalls eine Behelfsbrücke errichtet wird. Auch hier waren die Kieler beteiligt.
„Da haben wir aber nichts gefunden“, erinnert sich Forschungstaucher Marvin Lehmann. Ohnehin sei die Sicht in diesem Abschnitt der Naab gegen Null gegangen.„Das ist in Schwandorf schon etwas besser. Da sieht man wenigstens rund 60 Zentimeter weit, das ist aber immer noch schlecht“, sagt er. Seit Montag taucht das vierköpfige Team hier. Die jungen Männer gehen immer zu zweit ins Wasser, die anderen beiden sichern die Taucher an Land ab. Eineinhalb bis zwei Stunden sind die Taucher im Wasser, ehe sie an Land schwimmen. Dann wird durchgetauscht. „Wir machen normalerweise ein bis zwei Tauchgänge pro Tag“, erklärt Lehmann. Und diese seien durchaus anstrengend. Allein das Gewicht der Ausrüstung sei beträchtlich, zusätzlich müssten die Taucher permanent unter Wasser Sedimentschichten mit ihren Kellen abtragen, gegebenenfalls Fotos von Funden machen und diese, wenn möglich, an Land bringen.
Gesteinsbrocken werden analysiert
Daniel und Henning haben genau das gemacht, ehe beide nach eineinhalb Stunden wieder auftauchen. Henning holt aus seiner Tasche ein paar Gesteinsbrocken. „Ob das wirklich etwas Relevantes ist, können wir noch nicht sagen. Das muss nun analysiert werden.“ Er rechne auf den ersten Blick aber damit, dass es sich lediglich um Bauschutt handele, der in der Naab entsorgt wurde.
Über die gesamte Woche haben die Kieler allgemein keine nennenswerten Funde gemacht, am heutigen Samstag sollten letzte Tauchgänge stattfinden. Lediglich zwei größere Steinplatten entdeckte das Team noch, aber auch die seien wohl nicht weiter relevant. Schließlich seien die Taucher eigentlich auf der Suche nach Holzkonstruktionen gewesen, die es laut älterer Karten hier gegeben haben soll. Alles nur ein großer Mythos also? Nicht ganz: „Es kann natürlich sein, dass die Konstruktion mit der Zeit von der Strömung weggeschwemmt wurde oder einfach verrottet ist“, sagt Lehmann. Den geplanten Baumaßnahmen steht aus unterwasserarchäologischer Sicht aber wohl nichts entgegen.
