Waldmünchens und Chateaubriand oder: Der doppelte Scherr

Von Petra Schoplocher · 17. August 2023 um 17:00

Er war schon vieles: König Ludwig II., Regisseur Marx Reinhardt, Widerstandskämpfer Kurt Huber (Die Weiße Rose). Und nun François-René de Chateaubriand. Allesamt reizvolle Bühnengestalten, aber seine jüngste, die des französischen Staatsmannes, sie nimmt für Schauspieler Uli Scherr eine besondere Rolle ein – zumal er durch sie noch auf bis dato unbekannte Verwandte stieß.

Klaus – Achtung, anderer Vorname – Scherr trat seinen Dienst an wie immer an, wenn er auf der Festspieltribüne als Rettungssanitäter für den Fall der Fälle zugegen ist. Die Ausrüstung der Ersthelfer lagert genau dort, wo die Hauptdarsteller von Monsieur Chateaubriands letzter Reise auf ihren Auftritt warten. Man kommt ins Gespräch, der Nachname, er verbindet...

Schnell kommt das Gespräch auf Fahnersdorf, wo Uli Scherr für die letzte Aufführung am Hof von Onkel und Cousin nächtigt. Dort hat er schon als Kind viele „schöne“ Ferientage verbracht.

Hausname Gagl

„Den Rudi kenn‘ I gut“, sagt Klaus über Ulis Gastgeber. Besagter Rudi und sein Großvater, Hausname „Gagl“ stammen beide aus Heinrichskirchen ab, sind verwandt. „Das ist bestimmt 200 Jahre her“, versucht der 61-Jährige BRK-ler zu relativieren. So oder so: Die beiden Männer sind sich sofort sympathisch.

Schauspielerisches Können begeistert

Klaus ist äußerst angetan vom schauspielerischen Können seines Namensvetters. Zumal der, wie er vernommen hat, dies nur „nebenbei“ auslebt.

Nicht nur für Klaus, auch für Uli, hat sich das Projekt ausgewachsen. Während dieser selbst – was er ohne Umschweife zugibt – bei der Anfrage für die Rolle „wenig bis nichts“ über das Leben Chateaubriands wusste, tat sich während der Findungsphase Unglaubliches auf. „Als ich meinem Vater davon erzählte, kramte er ein altes Schreibmaschinen-Manuskript hervor.“

Ein vor 75 Jahren abgeschriebener Artikel

Johann Scherr hatte als 13-Jährige einen Artikel zum 100. Todestags Chateaubriands 1948 entdeckt und für so spannend gehalten, dass er ihn abtippte – und bis heute aufhob.

Von den verwandtschaftlichen Bande nach Tiefenbach wusste er indes bis zu jenem Theaterabend nichts. Aber: spannend, und der Klaus, „ein feiner Kerl.“

Lesen Sie hier: Was für ein Stück!

Chateaubriand, er ist eindeutig das Alles-verbindende Element. In der Geschichte von Klaus und Uli Scherr, in der zwischen Waldmünchen und Combourg. Das Theaterstück, für Martina Mathes, Partnerschaftskomitteevorsitzende, Frau der ersten Stunde und entscheidende Antreiberin des Projekts „Monsieur Chateaubriands letzte Reise“, ist es ein weiterer, wertvoller Impuls zur Intensivierung der Beziehungen.

Auf in die Partnerstadt

Die wird schon in wenigen Tagen anderweitig (wieder) mit Leben gefüllt. Am Donnerstag wird eine Reisegruppe Richtung Bretagne aufbrechen – eine Fahrt, ein Erlebnis, das man sich wahrlich nicht entgehen lassen sollte. Auch Stück-Autor Bernhard Setzwein nahm einst daran teil und verspürte den besonderen Charme der Korsarenstadt St. Malo‘s und Combourgs, speziell des Schlosses, in dem der spätere Diplomat, Staatsmann und Schriftsteller als jüngstes von zehn Kindern aufwuchs. Ohne diese Erfahrung, ohne das Aufsaugen des „Genius Loci“, dem Geist des Ortes, das Stück wäre wohl ein anderes geworden.

Das Turmzimmer im Combourger Schloss

Setzwein wird und wurde nicht müde, das Turmzimmer zu beschreiben, in dem der junge Adelige – fernab der übrigen Familienmitglieder – schlafen musste. Mit einem Wehrgang vor dem Fenster, dem heulenden Wind...

Die Basis der Freundschaft

„Es wäre schön, wenn sich noch mehr Waldmünchner auf dieses Erlebnis, das es zweifelsfrei ist, einlassen würden“, betont Martina Mathes. Sie ist seit jeher überzeugt, dass die Partnerschaft, die Freundschaft zwischen Waldmünchen und Combourg von persönlichen Begegnungen und Erlebnissen getragen werden sollte – und wird.

Lesen Sie hier: Ein großes Projekt

Nachklang findet das (im übrigen sehr gut besuchte) Theaterstück allerdings auch auf andere Weise. Klaus Scherr etwa wird ganz sicher künftig, wenn er eine Reportage von „Uli Scherr aus dem BR-Studio Oberpfalz“ angekündigt wird, die Ohren anders spitzen.

Unglaublich, was eine geschichtliche Episode und ihre Aufarbeitung mitsamt aller Beteiligter und Zufälle auszulösen vermag...

AUF DEN SPUREN CHATEAUBRIANDS

Termin: Vom 24. bis 29. August fährt eine Reisegruppe mit dem Bus aus Waldmünchen in die französische Partnerstadt Combourg, der Heimat Chateaubriands.

Highlights: Auf der Rückreise ist eine Übernachtung in Paris mit geplant – Abstecher zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten inklusive. In der Bretagne selbst warten mit der Korsarenstadt St. Malo, der Smaragdküste und dem Mont Saint Michel attraktive Ausflugsziele auf die Teilnehmer. Die Unterbringung erfolgt in Gastfamilien in Combourg, wo ebenso ein bemerkenswertes Programm wartet.

Wissenswert: Für die Reise (Abfahrt 22 Uhr. Kosten 265 Euro) sind noch einige Plätze frei. Anmeldungen nimmt Martina Mathes unter (0170) 8327904 entgegen, die gerne nähere Informationen gibt.

Der doppelte Scherr: Klaus (links) aus Tiefenbach war bei der letzten Aufführung für das BRK im Einsatz und hatte Uli schon hinter den Kulissen kennengelernt. Dass beide auch noch weitläufig verwandt sind, setzte dem Treffen die Krone auf.