Darsteller für „Chateaubriand“ in Waldmünchen stehen fest

Von Petra Schoplocher · 11. Januar 2023 um 19:00

Er hat es akribisch geplant und doch hat es 17 Jahre gedauert, ehe aus zwei Seiten niedergeschriebenem Vermächtnis von Heinrich Eiber ein Projekt wurde. Dieses aber schickt sich nun an, nicht nur dem Ideal seines Ideengebers mehr als gerecht, sondern ein wirklicher Glanzpunkt zu werden.

Zumindest ist Yvonne Brosch davon überzeugt, und damit ist sie nicht alleine. Wer immer auch in den vergangenen Wochen in den Genuss kam, das Eiber-Vermächtnis-Theaterstück von Bernhard Setzwein lesen zu dürfen, kann nicht umhin, Superlative auszupacken. Martina Mathes, die Senator Heinrich Eiber quasi mit der Projektleitung beauftragt hat, ist hin und weg: „Dass daraus so etwas wird, hätte ich nie und nimmer für möglich gehalten.“

Brosch ist begeistert

Auch Yvonne Brosch macht aus ihrer Begeisterung keinen Hehl. Ihr Name taucht in Eibers Manuskript unter Punkt vier auf, wenn auch noch mit einem Fragezeichen hinter dem Stichwort „Regie“ auf. „Ich liebe geschichtliche Stücke“, ist sie fast einer Entschuldigung nah, warum sich die Frage nach einem „Mach‘ ich das?“, im Grunde nie gestellt habe.

Am 24. Juni nun also wird Bernhard Setzweins Stück „Monsieur Chateaubriands letzte Reise“ uraufgeführt. Mit Waldmünchnern – und mit Profis. Schon, als sie das Stück gelesen hat, ploppten bei Yvonne Brosch erste Gesichter für potenzielle Darsteller auf – die Trenck-Regisseurin ist lange genug im Geschäft.

„Das ist mein Napoleon“

Katharina von Harsdorf und Uwe Kosubek kennt sie aus Weilheim, beide haben schon mehrfach bei den dortigen Festspielen mitgewirkt, letzterer sogar schon Regie geführt. „Ich wusste sofort, dass er der Napoleon ist.“ Sie selbst ist von dem Stück und seiner Anlage so begeistert, dass sie selbst in eine der vier Hauptrollen schlüpfen wird: Die der „Parisienne“. Warum dieser Name, der mehr mit der griechischen Mythologie zu verknüpft ist als den Bewohnerinnen der französischen Hauptstadt, ist eines der Geheimnisse des Stücks.

Abtauchen in die Unterwelt

Überhaupt die griechische Mythologie. Sie und der Fluss Lethe in ihrer Unterwelt ist zentrales Element und zugleich Hilfsmittel, damit Setzweins Stück funktioniert. Der versetzt die Handlung schlicht in eine Zwischenwelt. Der Nebel um den Fluss, das Geheimnisvolle: durchaus gewollt.

Einzig die Besetzung der Chateaubriand-Rolle erwies sich zunächst als nicht so eindeutig. Als dann einem Zufall (?) geschuldet der Name Uli Scherr ins Spiel kam, war die Sache schnell klar. Zumal der, der im Hauptberuf für den Bayerischen Rundfunk unterwegs ist, Bernhard Setzweins volle Sympathie genießt. Schon zweimal spielte der Journalist in dessen Stücken tragende Rollen. „Ich kann ihn mir sehr gut vorstellen“, freut sich der Autor. „Er gar dieses Verhuschte...“

Wechselnde Rollen

Scherrs Rolle ist auch die einzige, die nur einen Charakter umfasst. Die anderen drei müssen über ihre „Kernrolle“ hinaus sie weitere Personen darstellen, insgesamt sind es neun, die Bernhard Setzwein aufeinander treffen lässt. Hinzu kommen etliche Statisten und kleinere Rollen, für die allesamt Waldmünchner vorgesehen (und auch schon ausgewählt) sind. Auch etwas, wasdem StückEinzigartigkeit verleihen wird.

Der Russland-Feldzug

In Broschs Gedanken sind die einzelnen Szenen schon sehr weit ausskizziert. Grund-„Kostüm“ ist jeweils ein langes, weißes Leinenhemd, das alle Menschen gleich macht, Stichwort Zwischenwelt. Mit minimalistischen Zeichen (Uniformen, Hüten...) könnten sie dann zu Indianern, Russlandfeldzug-Heimkehrern oder Salonbesuchern im vornehmen Paris werden, erklärt die Schauspielerin und Regisseurin. Das mag im ersten Moment befremdlich wirken, ist allerdings in der Umsetzung vor allem eines: schlicht und somit zuschauerfreundlich.

Aus Guckloch- wird Freiluftbühne

Die weitläufigeFreilicht-Bühnesei eine andere Herausforderung, zumal Setzwein beim Schreiben eine kleine „Guckkastenbühne“ vor Augen hatte. Die Folge: Das ein oder andere muss geändert werden.Für Setzwein kein Problem, solange alle Szenen erhalten bleiben. „Natürlich“, erwidert Brosch, „dafür ist jede einzelne viel zu gut“.

Brosch beschreibt das Stück als spannend, philosophisch, ein Antikriegsstück, das es schafft, zwischenzeitlich zudem humorvoll zu sein: Broschs Begeisterung ist beinahe mit Händen zu greifen.

Proben beginnen bald

Bernhard Setzwein ist seinem Naturell gemäß verschlossener, dennoch ist auch bei ihm das Feuer längst entzündet und Vorfreude spürbar. Wie bei seiner „Resl von Konnersreuth“ möchte er frühzeitig bei den Proben – die demnächst in München beginnen –vorbeischauen.„So einen Entstehungsprozess mitzuerleben, ist faszinierend“, betont er. Um augenzwinkernd nachzuschieben, dass er sich im Hintergrund halten werde. Schließlich sei die Regie Herr oder Frau des Geschehens.

Die französische Übersetzung

Die Übersetzung ins Französische ist in der Rohfassung ebenso schon fertig. Setzwein schwärmt in den höchsten Tönen vom Engagements Marc Bouvets, der die schwierige Aufgabe hatte, nicht nur Inhalt, sondern auch Anspielungen, Humor und Wortspiele in seine Heimatsprache zu transportieren. Setzwein nennt nur ein Beispiel: Geschüttelt, nicht gerührt. Während dieses James-Bond-Zitat so ziemlich jeder Deutsche kennt, kann der gemeine Franzose damit nichts anfangen. „Marc hat ewig gesucht, bis er etwas Vergleichbares fand.“

Ziemlich am Ende von Heinrich Eibers zweiseitigem Vermächtnis steht: „Dieser Klassiker soll Auftakt für Jubiläumsfeiern sein.“ Scheint, als ob sein Wunsch in Erfüllung ginge. Auf spannende, philosophische, humorvolle Weise – und mit einer wichtigen Botschaft.

Monsieur Chateaubriands letzte Reise

Vermächtnis:Schon Senator Heinrich Eiber hatte Wunsch und Vision, Waldmünchen neben dem Trenck ein zweites Theaterstück zu geben. Martina Mathes nahm sich des Vermächtnisses an.

Vorstellung:Eben jener Ehrenbürger hatte schriftlich angeregt, dass Yvonne Brosch Regie führen möge. Eiber schätzt ihre Gastspiele sowie ihre Arbeit für die Trenckfestspiele.

Vorstellungen:Bereits terminiert sind die Premiere am 24. Juni auf der Festspieltribüne, zur Freilicht-Aufführung am 14. Juli ist eine Gruppe aus Combourg eingeladen. Zwei weitere Abende sollen folgen.

Format:„Nichts mit Wiese und Mauer“, macht Yvonne Brosch erste Andeutungen zum Bühnenbild. An dem feilt Andreas Arneth, mit dem Brosch seit 1999 die Weilheimer Festspiele leitet

Katharina von Harsdorf wird in die Rolle der Atala, eine Romanfigur Chateaubriands, schlüpfen. -Foto: Pablo Leiva
Bekanntes Gesicht in Waldmünchen: Yvonne Brosch führt Regie und spielt zudem die Parisienne. -Foto: Ingrid Theis
Uli Scherr (l.) hat schon mehrfach in Setzwein (r.)-Stücken mitgespielt, unter anderem als König Ludwig in „Lola Montez“
Gefragt als Schauspieler, (Synchron)Sprecher (unter anderem „Columbo“) und Erzähler: Uwe Kosubek -Foto: Steffi Henn