Waldmünchner Chateaubriand-Stück feiert großartiges Grande Finale

Von Petra Schoplocher · 9. August 2023 um 15:50

Die Besucher mögen es gespürt haben: Sie werden gerade Teil von etwas Einzigartigem. Auf dem Papier, weil die vierte Aufführung von Monsieur Chateaubriands letzter Reise zugleich seine wirklich (vorerst) letzte war. Und, weil klar ist: Dieses (Meister)Stück aus der Feder Bernhard Setzweins, es wird, es muss Nachhall finden, der Schlusspunkt wird somit kein wirklicher sein.

Denn : Stimmung, Geschichte, Botschaften, gehaltvolle Sätze jedes Protagonisten, allesamt sind sie zu bedeutend, um nach vier Terminen als Nebeneffekte eines 2023 uraufgeführten Theaterstücks abgeheftet zu werden.

Vorfreudige, volle Ränge

Die Stimmung. Ein vorfreudiges, aufmerksames Publikum, das vom ersten Moment an mitgeht; Die Bühne ist an einem Dienstagabend bei mieser Wetterprognose nahezu ausverkauft und kann erneut eine honorable Gästeliste aus Politik, Kultur und Kirche vorweisen.

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Die Geschichte. Genial konzipiert in der Zwischenwelt zwischen Dies- und Jenseits, der ernste Inhalt garniert mit hintersinnig-humorvollen Einblendungen (Chateaubriand hält Maßkrüge für Eimer und verlangt Austern statt Bauernseufzern).

Auf Waldmünchen zugeschnitten

Auf Waldmünchen zugeschnitten mit Szenen, die François-René de Chateaubriand 1833 so oder ähnlich an der Grenze und im Gasthaus Zur Post erlebt haben könnte – und die doch allgemeingültig sind, Stichworte Toleranz, Vorurteile.

„Krieg ist nie eine Lösung“

Die Botschaften: Kriegerisches Denken, Imperialismus, sie waren und werden nie eine Lösung sein. Festzumachen ist das an beklemmenden Bildern des Russlandfeldzugs, dessen Horror zwölf Waldmünchner Laiendarsteller berührend-brillant vor Augen führen – was, wie vieles, die Handschrift Yvonne Broschs trägt.

Seitenhieb zum Schwejk

Und in der Schlussszene: Napoleon muss, weil er sich an seine Grausamkeiten und Verfehlungen nicht erinnern will, als einfacher Soldat zurück auf die Erde. Allerdings nicht, ohne dass Autor Setzwein sich und den Zuschauern noch einen Seitenhieb auf den braven Soldaten Schwejk gönnt.

Eingeschworene Truppe

Der Waldmünchner Autor ist begeistert. Zu erleben, wie eine an sich fixe Idee (noch ein Stück für Waldmünchen) Menschen zusammengeschweißt hätte, die sich teils vorher gar nicht gekannt haben, und wie das zu einem Ergebnis führte, das das Publikum offenbar begeistert hat, stelle einen außergewöhnlichen Moment in seinem Schreiberleben dar.

Außergewöhnliche, berührende und wichtige Momente: Setzwein und Co. haben sie nicht nur sich, sondern der Welt geschenkt. Sie sollte zuhören.

Waldmünchen hat ein zweites wunderbares Theaterstück, auch dank ihnen: Initiatorin Martina Mathes (rechts), Bühnen- und Kostümverantwortlicher Andreas Arneth, Licht- und Tontechniker Alfons Gruber (von links), die Darsteller sowie Bernhard Setzwein (hinten links), der Monsieur Chateaubriands letzte Reise verfasste .