Besonderes Format in Schwandorf: Auf eine Tasse Kaffee mit der Polizei

Von der Polizei auf einen Kaffee eingeladen werden? Das dürfte noch nicht vielen Schwandorfer passiert sein. Bis jetzt. Denn am Donnerstag war die Aktion „Coffee with a Cop“ zu Gast am Unteren Marktplatz. Dabei kamen zahlreiche Bürger mit den Beamten ins Gespräch. Ein Besuch.
Von der Polizei auf einen Kaffee eingeladen werden? Das ist Gerda und Eduard Helm aus dem Landkreis Tirschenreuth auch noch nicht passiert. Eigentlich haben sie in Schwandorf ihr Motorrad beim Kundendienst. Nun stehen die beiden am Marktplatz, in der Hand je eine kleine,weiße Tasse mit Cappuccino, und plaudern mit den Polizisten Richard Blöchinger und Felix Sommer.
Diesmal geht es ums Motorradfahren – eine Leidenschaft, die die Helms mit Blöchinger teilen. Schnell kommen sie ins Fachsimpeln, sprechen über mögliche Ziele. Eine Tour ans Nordkap? „Das ist wirklich ein Erlebnis“, sagt Gerda Helm zu dem Polizisten. Nicht immer geht es eben um die ganz großen Themen.
Polizei geht aktiv auf die Schwandorfer zu
Es ist Donnerstag, gegen Mittag: Auf dem Unteren Marktplatz stehen ein Polizeibus und ein Polizeimotorrad, dazu zwei Pavillon mit Stehtischen. Etwas abseits parkt ein kleines feuerwehrrotes Gefährt, das sofort die Blicke auf sich zieht. „Coffee with a Cop“ nennt sich das Format, das nun erstmals in der Oberpfalz stattgefunden hat.
Die Idee dahinter: Die Polizei geht aktiv auf die Bürger zu, um bei einer Tasse Kaffee miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Format ist Bestandteil der Strategie „Sicherheit im öffentlichen Raum“, sagt Robert Fuchs, Vizepräsident des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Er ist extra nach Schwandorf gekommen, um sich selbst ein Bild zu machen.
Man stelle fest, dass die unmittelbare Nähe zum Bürger teilweise ein bisschen verloren gegangen sei, sagt Fuchs. Oft säßen die Beamten im Streifenwagen und würden nur an den Bürgern vorbeifahren, ohne dass ein persönlicher Kontakt zustande kommt. Genau das soll die Aktion ändern, die an diesem Donnerstag leicht scherzhaft auch so beschrieben wird: „Wir drängen uns mit einer Tasse Kaffee und einem freundlichen Gespräch auf.“
Tatsächlich suchen die Schwandorfer Polizisten aktiv das Gespräch. „Hallo, darf ich euch kurz beim Eisessen stören“, fragt etwa der Schwandorfer Dienststellenleiter Michael Duschl drei junge Bürger, die vor dem H&M stehen. „Wollt ihr vielleicht zum Eis einen Kaffee dazu?“ Der Einladung folgt die Gruppe zwar nicht, aber ein kleines Gespräch entwickelt sich dennoch. Das Thema: Autotuning, die Kontrollen der Polizei und ein höflicher Umgang mit gegenseitigem Respekt.
Es gehe darum, die Distanz zwischen den Bürgern und der Polizei zu verringern, sagt Duschl. Das Spektrum der Themen ist entsprechend groß: Von Fragen zur Notrufnummer über Betrugsmaschen, die die Menschen erlebt haben, bis zur Frage, ob die Polizei denn bei Ruhestörungen kommt, reicht das Spektrum. Aber auch Enkeltricks oder die Angst vor Wohnungseinbrüchen sind laut Polizeivizepräsident Fuchs ein Thema, das die Bürger aufs Tableau bringen.
Aktion kommt bei den Schwandorfern gut an
Auch Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) macht sich in der Mittagszeit ein kurzes Bild von der Aktion – und zeigt sich begeistert. Der Rathauschef kann sich sogar vorstellen, in Schwandorf in etwas abgespeckter Weise eine ähnliche Aktion gemeinsam mit dem städtischen Ordnungsamt und der Polizei anzubieten. Für diese Idee zeigt sich auch der Polizeivizepräsident aufgeschlossen.
Die Schwandorfer nehmen die Aktion jedenfalls gut an. „Grüß Gott“, sagt beispielsweise eine Frau und kommt auf die Beamten zu. „Jetzt, wenn ich euch schon stehen sehe, muss ich auch mal hergehen.“ Für andere Bürger bringt ein Beamter den Kaffee zu den Bänken, die am Unteren Marktplatz unter den schattigen Bäumen stehen.
Tanja Beister, Eigentümerin der Tartine Mobile Cafébar, geht die Arbeit nicht aus. Der Regensburgerin gehört der auffällige rote Oldtimer, der in der Vergangenheit einer kleinen französischen Gemeinde als Feuerwehrauto diente. Vor etwa zehn Jahren hat sie den Wagen entdeckt und umfunktioniert. Inzwischen ist er als Kaffeemobil unterwegs – diesmal für die Polizei. Die Aktion, sagt sie, komme sehr gut an. „Ich halte es persönlich für eine schöne Idee, dass sich die Polizei in ungezwungenem Rahmen mit den Bürgern unterhalten kann.“
Zurück zu Gerda und Edudard Helm, dem Ehepaar aus dem Landkreis Tirschenreuth. Die beiden ziehen ein rundum positives Fazit von der Aktion. Sie hätten auch unverbindlich Fragen stellen können. Deshalb lautet ihr Fazit: Es sei gut, dass die Polizei so auf die Menschen zugeht.

