Ruhestand statt Richterrobe: Ehemalige Amtsgerichts-Chefin Petra Froschauer offiziell verabschiedet

Sie war das Gesicht der Justiz im Landkreis Schwandorf: Mit diesen Worten würdigte Landrat Thomas Ebeling (CSU) während eines offiziellen Festakts die Verdienste der bereits im März in den Ruhestand eingetretenen, ehemaligen Direktorin des Schwandorfer Amtsgerichts, Petra Froschauer.
Parallel wurde die neue Frau an der Spitze der Behörde, Michaela Frauendorfer, ins Amt eingeführt. Ihre Botschaft: Sie will das Schwandorfer Amtsgericht zukunftsfähig aufstellen. Auf der Agenda steht nicht zuletzt ein umfangreicher Umbau der Gebäude.
Es war eine illustre Schar, die sich am Dienstag in den repräsentativen Räumen des Verwaltungsgebäudes des Zweckverbands Müllverwertung (ZMS) in Schwandorf eingefunden hatte. Namhafte Gäste aus Politik und Justiz sowie hohe Vertreter der Kirche, der Polizei und aus der Verwaltung waren zur Feierstunde anlässlich des Wechsels im Amt der Direktorin des Schwandorfer Amtsgerichts gekommen.
„Eine Amtseinführung in einem Müllkraftwerk dürfte wohl einzigartig in ganz Deutschland sein“, scherzte Stefan Täschner, Präsident des Landgerichts Amberg in seiner Eröffnungsrede. An Froschauer gewandt sagte er: „Du hast aufgrund deiner schier unerschöpflichen Tatkraft, deinem den Menschen zugewandten Wesen und aufgrund deiner großen Herzlichkeit nicht nur am Amtsgericht Schwandorf, sondern im gesamten Landkreis und darüber hinaus bleibende Spuren hinterlassen.“
Landrat Ebeling kam in seiner Rede auf die langjährige, enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Schwandorfer Amtsgericht und dem Landratsamt zu sprechen. Er dankte Froschauer dafür, stets „eine sympathische und kompetente Visitenkarte der Justiz im Landkreis Schwandorf abgegeben zu haben“. Gleichzeitig brachte er seine Freude über die künftige Zusammenarbeit mit Frauendorfer zum Ausdruck.
Schwandorfer Amtsgericht bleibt unter weiblicher Leitung
Auch der Präsident des Oberlandesgerichts Nürnberg, Thomas Dickert, war am Dienstag zur Feierstunde nach Schwandorf gekommen. Zu Beginn benannte er wichtige Meilensteine in der Geschichte von Frauen in der Bayerischen Justiz. Auch das Thema Gleichberechtigung fand Eingang in seiner Rede. Darauf bezugnehmend brachte er seine Freude darüber zum Ausdruck, dass das Schwandorfer Amtsgericht in weiblicher Hand gewesen sei und auch bleibe.
„Beide Kolleginnen haben sich mit Mut und Entschlossenheit, Einfühlungsvermögen und Entschlusskraft, höchstem Verantwortungsbewusstsein und ausgeprägter Fachkompetenz auf ihrer Karriereleiter nach oben gearbeitet“, sagte er. In der Folge skizzierte er die beruflichen Werdegänge der beiden Amtsgerichtsdirektorinnen.
Dickert dankte Froschauer für „ihre herausragende Lebensleistung im Dienste der bayerischen Justiz“ und wünschte ihr für den neuen Lebensabschnitt Glück, Gesundheit, Zufriedenheit, Optimismus und Fitness. Auch Frauendorfers bisherige Leistungen würdigte Dickert ausführlich. Sie denke fortschrittlich, sei für Neues offen und an der Zukunft orientiert, so Dickert. Damit sei sie bestens qualifiziert, ihr Amtsgericht in ein neues, digitales Justizzeitalter zu führen. Der OLG-Präsident wünschte Frauendorfer für ihr neues Amt die richtige Mischung aus Durchsetzungskraft und Einfühlungsvermögen.
Anschließend ergriff Froschauer das Wort. Sie gab unterhaltsame Episoden ihrer Karriere zum Besten und dankte gleichzeitig ihren Förderern, Unterstützern und Wegbegleitern. „Ich bin jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen, habe jede neue Aufgabe mit Freude angepackt“, sagte Froschauer. „Nun ist es Zeit für mich, endgültig Abschied zu nehmen.“ Ihrer Nachfolgerin wünschte Froschauer viel Freude und Erfolg für ihre neue Tätigkeit. „Das neue Amt ist für mich Ansporn und Herausforderung, die vielfältigen neuen Aufgaben verantwortungsvoll anzugehen“, sagte Frauendorfer dann in ihrer Rede.
Umbau des Amtsgerichts auf der Agenda
Und weiter erklärte sie: „Lassen Sie uns Gerechtigkeit zusammen gestalten, jeder in seiner Position und immer gemeinsam – das ist mein Wunsch und mein Ziel.“ Zu ihren Aufgaben als Behördenleiterin gehöre, dass der Gerichtsbetrieb reibungslos laufe. „Eine funktionierende Justiz ist kein Luxus, sondern die Hausaufgabe in einer Demokratie“, sagte Frauendorfer. „Eine funktionierende Justiz zahlt sich aus. Hier setze ich an.“ Aufgaben sieht sie genug. Die räumliche Ausstattung des Schwandorfer Amtsgerichts sei mangelhaft, bei den Themen Bürgerservice und Sicherheit gäbe es einiges zu tun.
Als eine ihrer wichtigsten Aufgaben sieht Frauendorfer deswegen, die Behörde zu einem modernen Gericht zu entwickeln. Gemeinsam mit dem OLG-Präsidenten, dem Ministerium, dem Staatlichen Bauamt und der Politik wolle sie die dringend notwendigen Baumaßnahmen in die Wege leiten. Man sei dahingehend bereits auf einem guten Weg.




