Grünere Stadtmitte für Neutraubling: Brunnen statt Parkplätze?

Viele der Teilnehmer im Kulturhaus hatten keine lange Anreise. Denn zur Zukunftswerkstatt zum Thema Grünverbindung und -verflechtung der Stadtmitte kamen zahlreiche Anwohner und tauschten ihre Visionen aus.
„Wir wollten im Zuge der anstehenden Sanierung der Erzgebirgstraße gleich eine Umgestaltung der Nachbarschaft mit Fokus auf ökologische Aspekte anpacken“, erklärt Bürgermeister Harald Stadler.
Für eine grünere Stadtmitte sind im Neutraublinger Haushalt bis 2024 insgesamt knapp eine Million Euro vorgesehen. Die Stadt Neutraubling nimmt sich die Erzgebirgstraße, die Posener Straße und den Bergstadt-Mies-Weg vor. Für den Platz an der Geschwister-Scholl-Straße sind im Finanzplanungszeitraum bis 2024 insgesamt 500000 Euro veranschlagt. Die Grünverbindung Erzgebirgstraße, Posener Straße und Bergstadt-Mies-Weg ist mit 430000 Euro angesetzt.
Konstruktive Vorschläge
Gemeinsam mit dem Planungsteam Dreiseitlconsulting und den Verkehrsingenieuren Besch und Partner sollten jetzt Ideen der Bürger erarbeitet werden. „Solche Bürgerbeteiligungen spielen in unseren Planungen immer eine große Rolle“, erklärt Herbert Dreiseitl. Die Neutraublinger seien mit konstruktiven Vorschlägen zur Zukunftswerkstatt gekommen. Es gehe in diesem Prozess laut Dreiseitl aktuell nicht um die Details sondern um eine gemeinsame Arbeit mit der Stadtgemeinschaft, der Verwaltung, der Politik und den Fachplanern, um die richtige Richtung zu finden.
Vor allem der Platz an der Geschwister-Scholl-Straße sei den Teilnehmern ein großes Anliegen gewesen. „Ein Wunsch war es, mehr Aufenthaltsflächen statt der Parkplätze zu schaffen. Das könnte man zum Beispiel durch eine Tiefgarage auffangen“, sagt der Planer. Auf der freigewordenen Fläche wünschen sich die Neutraublinger zum Beispiel einen Brunnen.
Auch der Platz gegenüber, wo sich bis Herbst noch der Netto-Parkplatz befindet, könnte laut Dreiseitl gut in das Gesamtkonzept eingebaut werden – wenn es die künftigen Eigentumsverhältnisse ermöglichen. „Wir wollten bewusst nicht nur schauen, was direkt umsetzbar ist, sondern Visionen für die Zukunft mit aufnehmen“, erklärt Stadler. So sei auch die Offenlegung des Moosgrabens an weiteren Stellen im Stadtzentrum – wie bereits im Stadtgarten – ein Projekt, das man mittelfristig angehen könne.
Bürgermeister Stadler freute sich besonders, dass auch einige junge Neutraublinger an der Zukunftswerkstatt teilnahmen. „Es ist wichtig, dass die Jugend die Zukunft unserer Stadt mitgestaltet“, sagt Stadler. Ihnen sei besonders das Radwegenetz am Herzen gelegen. Außerdem sei der Jugend laut Dreiseitl wichtig, die Überquerung der Neudeker Straße für Schüler zu verbessern und sicherer zu machen. „Hier wurde eine Verkehrsinsel ins Spiel gebracht, um auch den Verkehr zu verlangsamen“, sagt der Planer.
Den Verkehr beruhigen
Autos waren auch in der Erzgebirgstraße ein großes Thema. So wird der Weg laut aktuellen Verkehrszahlen nicht nur von Anwohnern befahren, sondern auch häufig als Abkürzung genutzt, wie Alexander Kuhn von den Verkehrsingenieuren Besch und Partner erklärt. „An der schmalen Straße wird zudem an einigen Stellen geparkt. Das ist für viele ein Problem“, sagt der Verkehrsplaner. Statt Stellplätzen an der Straße könnten ein Parkhaus oder eine Tiefgarage entstehen.
Eine weitere Möglichkeit, um den Verkehr zu beruhigen und zu steuern, könnte eine Einbahnstraßen-Regelung sein. „So würden wir mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer und Grün gewinnen“, sagt Kuhn. Man dürfe die Anwohner mit Autos aber nicht zu sehr einschränken. „Jeder Eingriff in den Straßenverkehr hat Vor- und Nachteile“, betont Kuhn.
Für die Planer beginnt nun die Phase der Ausarbeitung. „Wir werden uns jetzt Gedanken machen, wie man diese Ideen umsetzen kann“, sagt Dreiseitl. Bis Ende des Jahres soll dann ein Konzept stehen, das dem Neutraublinger Stadtrat vorgestellt wird. „Keine einzige Idee der Bürger wird vergessen“, verspricht er.
Dann soll es an die Umsetzung gehen – mancherorts relativ bald. Am Platz an der Geschwister-Scholl-Straße könnten zum Beispiel schon demnächst Akzente für mehr Aufenthaltsqualität gesetzt werden. „Das Projekt ist eine konkrete Maßnahme, die nicht mehr in weiter Ferne liegt“, verrät Stadler. Hier werde bald ein Planer ausgeschrieben, der auf dem Platz für mehr Grün sorgen soll.

