Mehr Mitarbeiter, hohe Umsätze: Krones sieht sich nahe am Idealzustand

Von Bernhard Fleischmann · 1. August 2023 um 15:30

Steigende Umsätze und Gewinne, höhere Rendite, Aufträge bis hinein ins übernächste Jahr – Krones erlebt eine ausgesprochene Boomphase. Vorstandsvorsitzender Christoph Klenk fand sich gegenüber unserer Zeitung keinen Grund zur Klage: „Es gibt nichts, mit dem wir unzufrieden sind.“

Am Dienstag veröffentlichte der Hersteller von Anlagen zur Abfüllung und Verpackung von Flüssigkeiten, vor allem von Getränken, seine Zahlen zum ersten Halbjahr 2023. Das Unternehmen aus Neutraubling bei Regensburg hat zwei Wochen zuvor noch seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2023 nach oben korrigiert.

„Stabiles Wachstum“ – diesen Zustand betrachten Klenk und Finanzvorständin Uta Anders als Idealzustand. Deswegen ist dem Führungsduo ein Rückgang bei den Neubestellungen sogar willkommen. Denn das Niveau sei immer noch absolut ausreichend hoch. Der Rückgang resultiere daraus, dass die Vergleichszahlen aus dem Vorjahr vom Corona-Nachholeffekt verzerrt gewesen seien – das war sozusagen fast schon zu viel des Guten.

Zu lange Lieferfristen

Der Ordereingang lag von Januar bis Juni 2023 bei 2,786 Milliarden Euro, zehn Prozent unter dem „extrem hohen Rekordwert des Vorjahreszeitraums“. Der damalige Schluck quasi über den Durst hat mit dafür gesorgt, dass die Auftragsreichweite bis Anfang 2025 ausgreift. Das bedeute für die Kunden Lieferfristen von aktuell 18 bis 24 Monaten – „das ist eigentlich zu lange“, räumt Klenk ein.

Um diese Lieferzeiten auf ein erträglicheres Maß zu verkürzen, fahre Krones die Kapazitäten hoch. Vor allem Investitionen in die Effizienz, Automatisierung und die Nachhaltigkeit sollen helfen.

Krones steigert Zahl der Mitarbeiter

Zu den Investitionen zähle wesentlich auch das Personal. Man habe viele Leiharbeiter übernommen und stärke die Ausbildung. Aktuell seien 450 Azubis im Konzern beschäftigt. Im bald beginnenden Ausbildungsjahr würden etwa 130 Lernende hinzukommen, 2024 soll die Zahl der Startenden höher liegen. In diesem Jahr habe Krones die Gesamtbelegschaft bereits um 600 Menschen aufgestockt, das Plus soll bis Jahresende auf 900 (auf insgesamt dann 18000 Mitarbeiter) anwachsen. 600 der neuen Kräfte seien im Ausland angesiedelt, 300 im Inland.

Klenk betont, dass diese Zahlen keineswegs eine Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland bedeuteten. Denn die meisten Einstellungen seien Servicekräfte, die in der ganzen Welt aktiv seien. Uta Anders weist darauf hin, dass weiterhin knapp 60 Prozent der Belegschaft im Inland tätig sei.

Weitere Kapazitätsgewinne erwartet der Vorstand durch ein Ende der Lieferengpässe. Noch gebe es Probleme bei der Versorgung mit Elektronikkomponenten. Diese Knappheiten sollte aber bis Ende des Jahres „nahezu Null“ betragen. Allein dieser Effekt erhöhe die Produktionskapazität bei Krones um fünf bis acht Prozent.

Nachdem sich die Bestellungen auf dem gewünschten Niveau von 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro je Quartal einpendelten, sehen Anders und Klenk eine Größenordnung erreicht, die zur Wachstumsstory von Krones und „in den linearen Verlauf der Getränke- und Verpackungsarten“ passe. Für das Gesamtjahr sei mithin ein Umsatz von knapp fünf Milliarden Euro zu erwarten.

Wasser und Softdrinks gefragt

Besonders stark nachgefragt seien gegenwärtig Anlagen für Wasser und Softdrinks. Der Sektor Brauereien zeige sich etwas verhaltener, aber auch zufriedenstellend. Nach Märkten betrachtet, präsentiere sich laut Klenk „Nordamerika gut, Asien kommt als letzter nach Corona stark zurück, Europa ist stabil, Südamerika geht wieder nach oben, Afrika ist vor allem wegen Währungsproblemen eher ein Sorgenkind“.

Für das Gesamtjahr erwartet Krones neuerdings ein Umsatzplus von elf bis 13 Prozent. Gleich blieb die Einschätzung in Bezug auf die Ertragskraft, die auf neun bis zehn Prozent (2022: 8,9 Prozent) steigen soll – gemessen am EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen). Die dritte von Krones als entscheidend betrachtete Kenngröße ist das ROCE (Return on Capital Employed). Diese Kennzahl misst, wie effizient ein Unternehmen mit seinem eingesetzten Kapital wirtschaftet. Das ROCE stieg im 1. Halbjahr von 11,8 auf 17,3 Prozent und soll im Gesamtjahr nun bei 15 bis 17 Prozent liegen.

Der Umsatz im 1. Halbjahr betrug 2,321 (plus 16,9 Prozent) Milliarden Euro, das EBITDA legte um 26,4 Prozent auf 221,4 Millionen Euro zu. Die EBITDA-Marge verbesserte sich von 8,8 auf 9,5 Prozent.

Der Vorstandsvorsitzende Christoph Klenk