Prognosen übertroffen, Umsatz stark gesteigert: Krones steht vor einem Berg an Aufträgen

Grund zur Freude bei Krones: Beim Neutraublinger Getränkeabfüller reichen die Bestellungen bis weit ins nächste Jahr. Darauf muss der Vorstand reagieren.
Für Uta Anders war die Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen des Jahres 2022 der erste Auftritt als Krones-Finanzchefin. Sie agiert zwar schon seit rund zwei Jahren im Unternehmen verantwortlich im Finanzressort, an dessen Spitze steht sie aber erst seit Anfang 2023. „Das war schon etwas Besonderes“, sagte sie gestern gegenüber unserer Zeitung. Die Performance des Unternehmens hat ihr die Premiere leicht gemacht: „Das war ein sehr guter Einstieg.“
Gute Zahlen heißt: Starkes Wachstum, höhere Gewinne, alle Prognosen zumindest erfüllt, zumeist übertroffen. Vorstandsvorsitzender Christoph Klenk schreibt dies einem „klasse Team“ zu.
Konkret hat der Systemlieferant für Getränkeindustrie und Nahrungsmittelhersteller in Neutraubling (Kreis Regensburg) den Umsatz um 15,8 Prozent auf 4,209 Milliarden Euro gesteigert, das operative Ergebnis um fast 20 Prozent auf 373,3 Millionen Euro verbessert. Die operative Marge erhöhte sich von 8,1 auf 8,9 Prozent. Dabei halfen Einmaleffekte. Rechnet man diese heraus, verbleibt die Marge bei 8,1 Prozent.
Lieferzeiten sind zu lang
Mit dem Umsatzplus von fast 16 Prozent hat Krones sein im Oktober ohnehin angehobenes Ziel (10 bis 12 Prozent, ursprünglich waren nur fünf bis acht Prozent erwartet worden) noch deutlich übertroffen. Klenk lobt die Mannschaft, die vor allem mit den Materialengpässen sehr kreativ und innovativ umgegangen sei.
Ein immenses Plus verzeichnete Krones bei den Bestellungen. Der Auftragseingang legte um gut ein Drittel auf 5,78 Milliarden Euro zu. Der Auftragsbestand näherte sich mit plus 83 Prozent einer Verdoppelung auf 3,47 Milliarden Euro.
Ein derartiger Auftragsboom ist ein Segen,hat aber auch Nachteile. Der Fluch liegt in den langen Lieferzeiten. Kunden müssen 14 bis 17 Monate auf ihre Anlagen warten. Das ist Klenk zu viel. Sieben bis zehn Monate hielte er für gesund. Wettbewerber könnten zum Teil schneller liefern, weil sie zuletzt weniger gewachsen seien. Um Auftragsbücher und Produktion besser auszugleichen, plant Krones laut Klenk für heuer mit einem geringeren Neuauftragsvolumen von 4,8 bis 5 Milliarden Euro. Auch ein Umsatzplus von acht bis zehn Prozent im laufenden Jahr soll zu einer besseren Balance beitragen.
Krones stellt zusätzliche Mitarbeiter ein
Krones stocke seine Belegschaft auf, habe 2022 im Inland um 300 auf gut 10100 Mitarbeiter erhöht und will heuer weitere 300 Stellen aufbauen. Man werde dazu auch Zeitarbeiter übernehmen. „Wir müssen die Mannschaft stabilisieren“, erklärte Klenk.
Dazu gehöre zudem, die Mitarbeiter weiterzuqualifizieren. Auch Quereinsteiger würden qualifiziert. Unter anderem nutze Krones seinen internationalen Verbund und befähige Mitarbeiter für Wechsel ins Ausland. Das gebe es auch umgekehrt, um Kräfte nach Deutschland zu holen. Eine Reihe von Beschäftigten nähmen dieses Angebot wahr.
Den Auftragsboom erklärt der Vorstandschef mit Trends, die nicht ganz neu, aber dringlicher denn je seien. Knapp zusammengefasst seien dies Effizienz und Nachhaltigkeit. Die Kunden hätten sich anspruchsvolle Ziele gesetzt, um ihre CO2-Emissionen massiv zu senken, weniger Energie, Wasser und Material zu verbrauchen. Besonders der US-Markt wachse deshalb stark, so Klenk. Auch der Bereich alternative Proteine sorge für Schwung. „Wir müssen weniger Fleisch essen und die Ernährung ändern“, erklärte Klenk. Auch in diesem Geschäft sei Krones stark vertreten.
Technik hilft sparen
Eine sparsame Technik habe Krones eingeführt, mit der Powerdrinks aseptisch abgefüllt werden können. Bisher wurde die Flüssigkeit auf 70 Grad erhitzt, um keimfrei zu bleiben. Dazu waren sehr stabile PET-Flaschen notwendig. Krones verlagert das Sterilisieren im Prozess nach vorne, kann so bei Normaltemperaturen abfüllen und deshalb nur halb so schwere PET-Flaschen verwenden. Das spart Ressourcen.
Längst versorgt Krones nicht nur Getränkekonzerne mit Anlagen, sondern auch Hersteller von Nahrungsmitteln und von Körperpflegeprodukten oder Putzmitteln. Wie sich das Geschäft auf die jeweiligen Bereiche aufteilt, kommuniziert das Unternehmen nicht. Klenk sagt nur so viel: Die Gewichte zwischen diesen Geschäften hätten sich nicht verschoben.
Prall gefülltes Sparschwein
Bei den Lieferketten gibt Klenk noch keine Entwarnung. Die Probleme und Entlastungen würden sich verschieben. Während sich die Kupferpreise moderat entwickelten, erwarte Krones bei Elektrokomponenten hohe Steigerungen.
Für Risiken ist vorgesorgt. Das Sparschwein hat Speck angesetzt. Die flüssigen Mittel abzüglich Bankschulden sind von fast 380 auf knapp 670 Millionen Euro angewachsen. Die Zahl sei ein wenig verzerrt, erklärte Anders, weil Anzahlungen für die vielen Aufträge enthalten sind. Man brauche Geld für die Transformation, für Nachhaltigkeit oder auch für mögliche Übernahmen. Die Vorstände bleiben dennoch zurückhaltend: „Wir sind nach wie vor vorsichtige Kaufleute und werden konservativ mit der Liquidität umgehen.“
