Herr der Gänse und Hühner: Max Haberzeth führt Geflügelhof in Mitterkreith in die Zukunft

Gackert und schnattert es, ist oft ein Geflügelhof nicht weit. Auf dem Betrieb der Haberzeths in Mitterkreith gehört das Geschrei der Gänse und Hühner bereits in der dritten Generation zum Alltag. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich ein junger Mensch für diesen Beruf interessiert. Maximilian, Sohn von Kerstin und Armin Haberzeth, ist mittlerweile in den Familienbetrieb eingestiegen – und führt ihn als Tierwirtschaftsmeister in die Zukunft.
Für Max, der zwar von Kindheit an am Geflügelhof mitgeholfen hat, war das aber nicht unbedingt die erste Berufswahl. Nach der Grundschule absolvierte er den M-Zug an der Mittelschule und erlangte so die Mittlere Reife. Danach hängte er ein Berufsgrundschuljahr (BGJ) in Neunburg vorm Wald dran. Parallel machte er Praktika für technische Berufe bei Firmen in der Region. Doch am Ende kam er zu dem Entschluss, dass das nicht das Richtige für ihn sei.
Von Haltung bis Hygiene
„Im BGJ wurde viel Theorie in Landwirtschaft gelehrt, die Praxis kam etwas zu kurz“, erinnert sich Max. Ganz anders verlief die betriebliche Ausbildung zum Tierwirt (Fachrichtung Geflügel) im Versuchs- und Bildungszentrum für Geflügelhaltung im Staatsgut Kitzingen. „Die beiden Jahre waren sehr intensiv und haben mir viel gebracht“, erzählt der 23-Jährige rückblickend. Damit gab sich Max aber noch nicht zufrieden: Von Anfang 2022 bis Juli 2023 büffelte er noch mal und sattelte den Tierwirtschaftsmeister drauf, worauf Mutter Kerstin stolz ist. Dies zeige, dass ihm an dem Betrieb etwas liegt und somit die Nachfolge gesichert ist.
Bei der Prüfung sei das komplette Spektrum der Geflügelhaltung gefordert worden, sagt Max und zählt einige Themen auf, die am Geflügelhof von existenzieller Wichtigkeit sind: Fachkenntnisse zu Geflügelrassen mit Aufzucht bis zur Schlachtung. Das Erkennen von Tierkrankheiten, verbunden mit der Behandlung, wenn das O.k. vom Tierarzt vorliegt. Dazu gehören auch die nötigen Impfungen der Tiere. Sehr wichtig sind die Hygienekonzepte und das Einhalten der Lebensmittelvorschriften bei der Schlachtung (Tierschutzgesetz) und Lagerung von Schlachtgeflügel. „Die Lagerung und Sortierung von Eiern waren auch dabei, und natürlich muss man den auf die Eier aufgestempelten Code lesen können“, sagt er und schmunzelt. Haltungsform, Ländercode, Bundesland, Betriebsnummer und Bestallungsart seien hier verschlüsselt.
Den Geflügelhof in Mitterkreith haben Barbara und Bruno Haberzeth sen. 1960 aufgebaut. Armin und Kerstin Haberzeth haben zur Jahrtausendwende übernommen. Der Hofladen wurde in den 90er Jahren eröffnet und erfreut sich mit dem Angebot von Eiern, Enten, Gänsen, Hühnern, Hähnchen und Puten sowie Eiernudeln und Gewürzen bei den Kunden großer Beliebtheit. Mit diesem Angebot ist Armin Haberzeth auf dem Chamer Bauernmarkt vertreten und mit Haustürgeschäften in den Landkreises Cham und Schwandorf unterwegs.
Apropos Eier: Am Geflügelhof gackern 10000 Hühner um die Wette und sorgen ganzjährig für die Frühstücks- und Brotzeiteier. Dafür sind täglich Tausende Eier (halbautomatisch) zu verpacken. Nebenan, in der Halle mit Auslauf ins Freigelände, schnattern 2000 Gänse ganz aufgeregt, wenn sich Fremde nähern. Max, der „Herr der Hühner und Gänse“, hat hier uneingeschränktes Zugangsrecht.
Alle helfen zusammen
„Mir bereitet die Arbeit mit den Tieren Freude, und das Arbeitsklima in der Familie ist lustig“, sagt Max. Und auch seine Freundin Julia, die als Gesundheits- und Krankenpflegerin tätig ist, scheut die Arbeit am Hof nicht und hilft auch bei den Schlachtungen mit. Schwester Julia, die eine Ausbildung zur Ergotherapeutin absolviert, packt auf dem Hof mit an, wenn Not am Mann ist. Trotz ihrer 87 Jahre hilft Oma „Bettl“ Barbara, wo es geht. Sie kocht für die ganze Familie und „ist eine super Unterstützung für den ganzen Betrieb“, lobt der Enkelsohn.
Ein weiterer Teil unserer Serie: Blick hinter die Tür: Die „Wassermacher“ aus Neubäu versorgen rund 40.000 Chamer
Die Tiere brauchen natürlich auch etwas zum Fressen. „Wir bauen Getreide und Mais selber an und betreiben eine eigene Mahl- und Mischanlage“, berichtet der 23-Jährige. Neben der Theorie im BGJ hat er sich landwirtschaftliches Wissen autodidaktisch und durch „learning by doing“ angeeignet. So verwundert es nicht, dass er nicht nur die zerbrechlichen rohen Eier in die Schachteln sortiert, sondern auch den PS-starken Traktor zur Feldbearbeitung lenkt. Bei den Arbeiten steht Onkel Bruno zur Seite, der auch für Betriebsbereitschaft der Geräte sorgt. Zudem ist Helfer Georg beschäftigt und fünf Frauen, die an den Schlachttagen unterstützen.
„60 Prozent unserer Waren wird von Privathaushalten abgenommen“, schätzen Max und eine Mutter. Es werden Seniorenheime, Bäckereien, Metzgereien und Gaststätten vor Ort und in der näheren Region beliefert, jedoch keine Discounter. „Das spricht für unsere Qualität und die Kundenzufriedenheit“, freuen sich beide. Der Geflügelhof darf sich EU-zertifizierter Schlachtbetrieb nennen und ist Partnerbetrieb von Landgenuss Bayerwald. In diesem Netzwerk machen sich Lebensmittelerzeuger im Landkreis für den Erhalt und die Pflege regionaler Produkte, regionaler Speisen und die Region stark.
Großen Zuspruch habe man 2015 erfahren, als wegen Verdachts der Vogelgrippe 13000 Tiere gekeult werden mussten. Das sei ein Schock gewesen, doch der Betrieb habe sich durch den Zusammenhalt der Familie und den treuen Kundenstamm, „der hinter uns gestanden ist“, gut erholt. Auch die Corona-Pandemie habe der Hof gut überstanden, bestätigen die Haberzeths. Die Gastronomie sei ja zeitweise geschlossen gewesen, so habe sich das Geschäft mit privaten Kunden gemehrt. Es seien auch neue Abnehmer dazugekommen, die inzwischen zu Stammkunden wurden.
„Bei uns gibt es immer etwas tun und es ist immer etwas los“, erzählt Max bei der Kaffeepause – und schon fährt der Tierarzt in den Hof und bringt den nächsten Impfstoff vorbei. Um dann doch mal von der Arbeit abschalten zu können, wohnt Max mit Freundin Julia bei Opa Alfons Heuberger in Roding.


