Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel: Den Segler-Club Neubäu gibt es schon seit 1967

Vor dem Clubhaus oder auf einer Terrasse sitzen, ein Glas Rotwein genießen und den Blick über den See schweifen lassen und die Boote mit ihren bunten Segeln verfolgen, wie sie schwerelos über das Wasser gleiten: ein Ambiente wie am Chiemsee oder Bodensee. In etwas familiärer Form kann man dies auch am Neubäuer See erleben. Dafür sorgt der Segler-Club Neubäu.
Den Stein ins Rollen, besser gesagt die Boote auf den See, brachten 1967 die sieben Gründerväter des Segelclubs Neubäu. Rudi Heberlein, Hans Mudra, Wenzel Rezanka, Hans Schwenn, Georg Schönberger, Hans Ruhland und Rudolf Bauer hatten die Idee, einen Segelclub zu gründen, was ihnen einige ungläubige Blicke einbrachte. Denn Segelboote verband man mit riesigen Seen.
Mit dem Wissen, dass im näheren Umfeld kein großer See war, setzten sie ihr Vorhaben in die Tat um. Die ersten Segelboote wurden am Ostufer des 58 Hektar großen „Neubäuer Weiher“ beim jetzigen Campingplatz der Familie Notka zu Wasser gelassen. Schließlich ergab sich die Möglichkeit, das Westufer mit einer ein Hektar großen Fläche von Franz Spießl als Domizil zu pachten und zudem die Wasserfläche für den Segelsport nutzen zu dürfen.
Dies sollte sich in den kommenden Jahren als Glücksfall herausstellen, sagt Gerald Schäffer, der aktuelle Präsident des Segler-Clubs im Rodinger Ortsteil. Die erste Wettfahrt fand clubintern 1968 statt und 1971 wurde mit dem Bau des Sanitärgebäudes mit Wasch-, Dusch- und Toilettenrichtungen begonnen. 1979 erfolgte die Erweiterung um einen Clubraum sowie Geräte- und Abstellraum.
Offizier statt Priester
Auf der Veranda des Clubhauses sitzend, mit Blick auf den inzwischen umbenannten „Neubäuer See“, sprudelte es nur so aus ihm heraus. Aufgewachsen ist Schäffer in Maxhütte-Haidhof. Dem Wunsch seiner Eltern nach, kam er als Zehnjähriger ins Internat Westmünster Regensburg, mit dem Ziel Priester zu werden. 1984 kam der Einberufungsbescheid und Schäffer rückte in die damalige Kaiser-Wilhelm-Kaserne in Amberg ein. Er fand Gefallen am Militär und entschied sich für die Offizierslaufbahn. Er wurde Berufssoldat. Diese Zeit war mit vielen Umzügen verbunden.
„Zum Segelsport bin ich erst mit 24 Jahren gekommen, als ich meine Frau Susanne kennengelernt habe“, erzählt Schäffer. „Sie war Segellehrerin und auch ihr Vater unterrichtete diesen Sport“. Mitglied beim SCNS sei er seit 2002 und mit dem letzten Umzug 2005 verschlug es ihn von Ahrweiler nach Wetterfeld. 2016 ging Schäffer mit dem Rang eines Oberstleutnants in Pension.
„Die Abkürzung SCNS rührt wohl da her, dass die Gründerväter bei der Vereinsanmeldung beim Amtsgericht versehentlich noch ein „S“, vermutlich für „See“ angehängt haben“, versucht der Präsident zu erklären und betont immer wieder, „der Verein ist wichtig, nicht der Vorstand oder Präsident. Nur als Einheit funktioniere das Vereinsleben. Zusammenhalt und Unterstützung faszinieren ihn.
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Für Gerald und Susanne Schäffer mit ihren Kindern Felix, Anna-Katharina und Lukas und drei Enkelkindern ist der Segler-Club Neubäu eine zweite Heimat geworden. Nach fünf Jahren im Verein wählten die Segler ihn zum Präsidenten. „Praktisch aus dem Stand in die Verantwortung“, bemerkt er, doch das war er aus Bundeswehrzeiten gewohnt.
Bei der 50-Jahr-Feier ergab sich eine nette Geschichte, erinnert sich Schäffer. Schirmherr war der damalige Bürgermeister Franz Reichold. Mit seiner Frau Roswitha schipperte Steuermann Peter Kreuzer die Ehrengäste mit dem Conger über den See. Nach Erzählungen von Roswitha Reichold herrschte ziemlicher Seegang, das Boot schaukelte, und sie wären beinahe gekentert. Die Segler bezeichnen das heute mit einem blinzelnden Auge als Seemannsgarn.
Derzeit zählt der Verein 68 Mitglieder und zehn Segelboote der Klasse „Laser“, sieben „Conger“ und zwölf Flying Dutchman haben einen Liegeplatz gefunden. „Mit der Anzahl der Flying Dutchman sind wir in den Top 3 in Deutschland“, sagt der Präsident stolz. Stolz sein kann der Verein auch auf einige Mitglieder, die unter der SCNS-Flagge einige Titel eingefahren haben. Weltmeister wurde Wolfgang Gommel im Katamaransegeln K3. Felix Schäffer belegte im K2 einen hervorragenden dritten Rang. Österreichische Meister wurden Hans Woldrich mit dem Korsar und Markus Pöllath mit dem Flying Dutchman. WM-Teilnahmen in Dänemark und Afrika können Hans Gietl und Leo Linke vorweisen.
Piratenfest und Regatten
Die Gegebenheiten am Neubäuer Seeufer dürften einmalig in Deutschland sein, so Schäffer. „Bei uns können bzw. dürfen die Segler auch nächtigen, sprich ihren Wohnwagen oder Wohnmobil stehenlassen.“ Diesen Vorteil einer „festen Anlage“ hätten andere Segelclubs nicht. Und weiter: „Wir sind eine große Familie geworden, vom einfachen Arbeiter bis zum ehemaligen Schuldirektoren“. Man sei keine Konkurrenz zum See-Campingpark.
Der Segelclub ist auch um Nachwuchs bemüht und führt die Kinder in der Optimist-Klasse (kleinstes Segelboot der Welt) an den Segelsport heran und sorgt mit dem Piratenfest für gute Laune. Der Club richtet mehrere Regatten aus, bei denen zwischen 60 und 80 Personen auf dem Gelände sind, und veranstaltet neben der Vereinsmeisterschaft auch den Anton-Schießl-Gedächtnispokal.
Billig ist das Segeln nicht, denn ein neuer „Conger“ kostet um die 16000 Euro und für einen Flying Dutchman muss man circa 40000 Euro hinblättern. Die meisten Mitglieder fahren gebrauchte Boote, wie auch Schäffer. Manchmal wäre auch eine Handbreit mehr Wasser unter dem Schwert nicht schlecht (der See ist an manchen Stellen sehr seicht), sinniert Schäffer, der sich auch Windbeständigkeit für die Regatten wünscht. Andererseits behaupten die Mitglieder, „wer in Neubäu das Segeln gelernt hat, kann auf der ganzen Welt segeln. Es herrschen ständig drehende Winde, was Konzentration und schnelle Entscheidungen erfordert.
Auch über die Clubwahlen hat Schäffer, der sich bei der „Aktion Brückenschlag“ der Bundeswehr engagiert und im Chor „Lehra und mehra“ singt, eine Geschichte parat: Seine Vorgänger erzählten, dass die Kandidaten vor der Wahl mit Pralinenschachteln im Gelände unterwegs waren und Werbung für sich gemacht haben. Heute müsste ein Williger gesucht werden – so ändern sich die Zeiten. Der Präsident hat eine junge Riege hinter sich, bei den nächsten Wahlen soll die Frauenquote (derzeit null Prozent) verbessert werden.
In letzter Zeit wurden für die Neuanschaffungen der Mitglieder Bootstaufen durchgeführt. So mancher hinweisgebende Name oder Begriff ist auf den Rümpfen der Segelboote zu lesen. Eine Anekdote muss Schäffer noch loswerden: Die Segler bringen sich gerne ins Dorfleben ein und besuchen Veranstaltungen. Früher auch die Beach-Partys vom See-Restaurant Notka. Segler kommen selbstverständlich übers Wasser. Ein Conger (Zwei-Mann-Boot) wurde genutzt und plötzlich waren zehn Mann an Bord. Schäffer sah vom Steg aus nicht nur das überfüllte Boot, sondern auch wie es zu sinken begann. Zwei Meter vor dem Steg sind die zehn Mann – zur Erheiterung der Gäste – wie die Titanic gesunken. „Hier war es wieder gut, dass der See nicht so tief ist und alle heil an Land kamen“, sagt er und grinst.


