Mit goldenem Oldtimer ins Eheglück: Wie die Mitterdorfer Burschen zu ihrem Kult-Fahrzeug kamen

Von Reinhard Schreiner · 30. Juli 2023 um 11:00

Es ist schon eine Ehre, wenn der Bräutigam und seine Braut im goldenen Oldtimer zum Traualtar chauffiert werden. In diesen Genuss kommen die „Hochzeiter“ des Mitterdorfer Burschenvereins, denn der hat sich vor über 40 Jahren einen Oldtimer zugelegt. Hinter der Anschaffung des Autos steckt eine außergewöhnliche Geschichte.

Der Reihe nach: Die drei 18-Jährigen Hans „Hias“ Janker, Peter „Schippi“ Ippisch und Otmar „Otti“ Roith verbrachten mit weiteren etwa gleichaltrigen Mitterdorfern ihre Freizeit und hatten viel Spaß zusammen. Wenn sie jedoch dem Emil Ruhland (inzwischen verstorbenes Ehrenmitglied) über den Weg liefen, mussten sie sich jedes Mal seine „Frotzeleien“ gefallen lassen, dass sie keine richtigen Burschen seien, weil sie keinen Kirta-Baum aufstellen könnten.

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„Das wollten wir Burschen natürlich nicht auf sich sitzen lassen“, erinnern sich Hans Janker und Erich Zoller noch genau. Durch Zufall lernten sie den „zugereisten“ Lothar Schacke im damaligen Schützenheim Brantl kennen – und aus einer Bierlaune heraus wurde beschlossen, einen Mitterdorfer Burschenverein zu gründen. Kurzerhand organisierten die „mutigen Drei“ ein Sommernachtsfest, und Schacke überreichte eine Spende für die Hilfe beim Bau seiner Garage.

Saal platzte aus allen Nähten

„Mit diesem Grundkapital wagten wir uns an die nächste Aktivität. Nach 16 Jahren Pause, vorher zeichnete der Kreuzbräu-Stammtisch für das Aufstellen des Kirta-Baumes verantwortlich, sollte am 14. Oktober wieder ein Baum in die Höhe gewuchtet werden“, erzählt Zollner. Der stattliche Baum wurde von der damaligen Stadträtin Johanna Paulus gestiftet. Am Abend durfte auch ein Kirta-Tanz nicht fehlen. „Die meisten Mitterdorfer befürchteten einen finanziellen Reinfall, doch der Kreubräu-Saal platzte aus allen Nähten, und der Tanz wurde ein Riesenerfolg.“ Dieser stachelte Hans Janker, Peter Ippisch, Otmar Roith, Josef Hofinger, Herbert Hild und Erich Zollner an, für 10. November 1978 eine Versammlung in der Heilbrünnl-Gaststätte einzuberufen, mit dem Ziel, den Mitterdorfer Burschenverein zu gründen.

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Janker, Zollner und Hild wurden zu den Vorstanden gewählt, Roith zum Schriftführer und Kassier bestimmt. Beim ersten Kirta-Baum-Aufstellen des Burschenvereins erlaubten sich die Oberkreither Schützen einen Jux und füllten nachts das ausgeschaufelte Loch wieder zu, so dass die Burschen am nächsten Tag noch mal buddeln mussten.

Beim ersten Mitterdorfer Burschenball 1979 wurden die Kirta-Dearndln mit einer Kutsche – gezogen von zwei Schimmeln – abgeholt. Dies war eine Leihgabe vom Bischof von Budweis, zu dem Robert Weingärtner aus Furth im Wald, ein Bekannter von Erich Zollner, gute Beziehungen hatte. Hans Zollner und Ludwig Hofstetter standen mit auf der Kutsche und bliesen in ihre Jagdhörner. „Es dauerte nicht lange und über den Regenfluss kamen vom Rodinger Burschenverein die Aussagen, dass die Mitterdorfer alles nachmachen würden. „Auch das wollten wir nicht so stehen lassen und hatten die Idee, die Hochzeiter mit einem Oldtimer zum Traualtar zu chauffieren“, erklärt Janker.

Jedoch war hier guter Rat teuer, ein Bausatz, wie geplant, überstieg bei weitem die finanziellen Verhältnisse der Burschenkasse. Durch Zufall hörte man von einer Auktion in Pilsen, bei der 50 Oldtimer unter den Hammer kamen. „Am Donnerstag vor Pfingsten 1980 machten uns wir beide auf den Weg in die Tschechoslowakei. Die Auktion fand im Eisstadion in Pilsen statt. Robert Weinfurtner hatte uns einen Dolmetscher organisiert“, weiß Janker noch.

„Wir hatten wenig Hoffnung, als wir die vielen Interessenten mit dicken Geldbörsen im Eisstadion sahen. Doch wir hatten Glück und ersteigerten einen Skoda 430 Limousine, Baujahr 1931, Otto Motor, 1655 ccm, 4 Zylinder, 34 PS, 4-Sitzer, 4-türig mit der Farbe Schwarz.“

Bereits bei der Überführung des Fahrzeugs traten Probleme auf. Der von Weinfurtner organisierte Transport war nicht rechtzeitig an der Grenze, die um 12 Uhr die Schranken dicht machte. Eine halbe Stunde später kam der Fahrer mit dem Oldtimer an. Wieder war es Weinfurtner, der die Zollpapiere organisierte und die Schranken öffnen ließ. Dort wartete bereits Konrad Meillinger mit seinem Anhänger zum Weitertransport nach Mitterdorf. In der Heimat warteten schon Neugierige und vor allem die Burschen, die das neue Burschenauto sehen wollten. An diesen Tag erinnern sich die beiden noch, als wäre es gestern gewesen, denn sie mussten noch zur Fußballstadtmeisterschaft in Mitterkreith. „Die Mannschaften standen schon am Feld. Wir streiften uns das Trikot über und der Schiri pfiff an. Stress pur“, können heute beide darüber lachen.

Mit der Ersteigerung des Oldtimers war es aber nicht abgetan. Nun standen umfangreiche Renovierungsarbeiten an. Für die Generalüberholung des Motors fertigten Spezialfirmen Ersatzteile, der Innenraum wurde komplett mit Samt überzogen, Bremsen und Radlager mussten erneuert und Sicherheitsglas eingebaut werden. Neue Türschlösser waren nötig und die Trittbretter wurden auf Maß geschnitten. Die Armaturen wurden ausgebaut und funktionsfähig gemacht. Der Wagen wurde mit neuen Schweinwerfern, Blinkern und Rückleuchten ausgestattet. Die Gesamtausgaben für die Renovierung überstiegen den stolzen Betrag von 12000 Mark. Mit einem Zuschuss der Stadt Roding und der Plünderung der Burschenkasse wurde auch diese Hürde genommen. Hinzu kamen 711 Stunden Eigenleistung, um das Burschenauto, das inzwischen den ganzen Stolz der Mitterdorfer Burschen darstellt, auf den repräsentativen Stand zu bringen.

Heilbrünnlberg war zu steil

Die Kaffee-Werbung von Tschibo mit einem goldenen Oldtimer brachte Erich Zollner auf die Idee, das Burschenauto mit einer edlen Farbe zu versehen – seitdem glänzt es goldfarben. Für die erste Fahrt zur Hochzeit von Günther Noe im Herbst habe man eine Testfahrt durchgeführt, erzählt Janker. „Wir kamen den Heilbrünnlberg nicht hoch und mussten rückwärts wieder runterfahren. Der städtische Bauhof musste kurzer Hand Split streuen, um den Hochzeiter zur Kirche bringen zu können“, sagt Janker und muss heute noch schmunzeln.

Die weitersten Strecken legte der Oldtimer bis nach Reichenbach, Thierlstein und Falkenstein zurück. Bei Volksfesteinzügen konnte er ebenso bewundert werden. Hauptsächlich dient das Fahrzeug zu Hochzeitsfahrten. „In den 40 Jahren waren das bestimmt schon über 70“, rechnet Zollner, der seine Tochter Andrea mit ihrem Mann Florian Hierl zum Traualtar chauffierte. Bei seiner Hochzeit war Josef Hofinger der Chauffeur und wurde von der Polizei angehalten. „Sie meinten, wir fahren auf der falschen Straßenseite, denn der Skoda ist rechtsgesteuert“, fällt Zollner eine Anekdote ein. Derzeit sind auch Jürgen Bauer und Klaus Schwarzfischer mit den Feinheiten beim Fahren des Oldtimers vertraut.

Im Laufe der Jahre hat das Fahrzeug durch Spezialist Thomas Daschner weitere Renovierung- und Erneuerungsarbeiten erfahren, um es im fahrbereiten und gepflegten Zustand zu halten. Nachdem die Heimat, das alte Feuerwehrhaus, dem Hochwasserschutz weichen musste und die neue Unterkunft noch nicht bezugsfertig ist, haben die Burschen bei einem Mitglied eine Unterstellmöglichkeit gefunden. „Im Nachhinein betrachtet, war die Ersteigerung im Nachbarland eine coole Aktion“, sind sich Janker und Zollner einig.

Als Wahrzeichen der Mitterdorfer Burschen ist der Oldtimer weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Tradition und das Brauchtum pflegt der Verein weiter – derzeit unter der Führung der drei Vorstände Ludwig Faltermeier, Janis Vogl und Timo Pixa.

Peter Ippisch gewährt einen Blick unter die Motorhaube auf den 34 PS starken Viertakter.
Das Burschenauto ist der ganze Stolz des Vereins.
Es sei ein tolles Gefühl, diesen Oldtimer lenken zu dürfen, schwärmt Erich Zollner heute noch.