Laut, aber immer fair: Richy Stauß ist Edelfan der Rodinger Gewichtheber

Von Oliver Hausladen · 31. Juli 2023 um 05:00

„Du musst mal zum Gewichtheben gehen, da ist richtig was los“, sagte 1979 ein Arbeitskollege zu Richy Stauß. „Damals wusste ich gar nicht, wie das abläuft“, erzählt er heute. Aber das änderte sich ganz schnell: Aus Richy wurde der wohl größte Fan, den die Rodinger Gewichtheber jemals hatten. Ohne ihn, seine Trommel und seine Mitstreiter würden die Heimkämpfe in der Rundturnhalle sicher nicht zu so einer Party werden.

Das Fieber hat ihn ganz schnell gepackt, als er dem Rat seines Arbeitskollegen folgte, blickt der Rodinger in die Anfänge seines Fan-Daseins zurück. „Es war ein Aufstiegskampf, 1000 Leute in der Halle und eine riesen Stimmung“, erinnert er sich.

Lesen Sie diesen Serienteil: Rodings Bürgermeisterin Alexandra Riedl und ihr Mann Manuel erwarten ihr erstes Kind

Auch die familiäre Atmosphäre begeisterte Stauß, der vorher nur als aktiver Fußballer sportaffin war. „Hans Stangl, eine Heberlegende, hat mir die Hand gegeben und mich gefragt, ob es mir gefallen hat“, erzählt der Edelfan, „das hat mich schon tief beeindruckt.“

Familiäre Atmosphäre

Seitdem ist Stauß Stammgast bei den Heimkämpfen der TB-Heber und fährt mit den sportlichen Aushängeschildern der Stadt auch in die Hallen nach Obrigheim, Speyer, Mutterstadt oder anderer Heber-Hochburgen im Bundesgebiet. Gemeinsam mit dem von ihm vor etwa 15 Jahren gegründeten Fanclub „machen wir oft mehr Gaudi als die heimischen Anhänger“, sagt er und schmunzelt. Zahlreiche Legenden des Sports hat er dabei schon live gesehen, unter anderem Olympiasieger Matthias Steiner in Chemnitz.

Das könnte Ihnen auch gefallen: Mit goldenem Oldtimer ins Eheglück: Wie die Mitterdorfer Burschen zu ihrem Kult-Fahrzeug kamen

Besonders gepackt hat Stauß auch die familiäre Atmosphäre von Sportlern und Anhängern. Simon Brandhuber, der Roding viele Jahre die Treue hielt und jetzt für Speyer die Gewichte in die Höhe stemmt, wurde nach seinen Medaillengewinnen bei den Olympischen Spielen von den heimischen Anhängern am Heilbrünnl gebührend empfangen − und dann saßen alle gemütlich beisammen. „Da ist keiner abgehoben oder so was“, betont Stauß, „es ist ein großer Zusammenhalt da, wie in einer Familie.“

Dieser Zusammenhalt hat ihm oft auch schon in ganz schwierigen Situationen Halt gegeben, etwa als seine Tochter starb. „Die Gewichtheber-Familie hat mich aufgefangen“, erzählt er. Ebenso seien Fans und Mannschaft nach einer Gehirnblutung, die er vor kurzem hatte, für ihn da gewesen. „Es war eine Minute vor Zwölf“, habe der Arzt ihm gesagt, doch nun sei er wieder auf einem guten Weg.

Auch privat haben er und seine Frau eine neue Aufgabe gefunden, die sie mit Liebe erfüllt und die sie fit hält: Sie betreuen den kleinen Sohn von Rosmarie Büchner und Alfred Bräu, das „Rodinger Christkindl“, wenn die Eltern keine Zeit haben. „Das gibt uns total viel“, sagt Stauß.

Hier finden Sie einen weiteren Teil unserer Serie: Rodings Stadtkapellen-Dirigent Josef Köppl kann die Finger nicht von der Musik lassen

Zurück zum Sport: Dass die Fans für Stimmung sorgen und die Sportler puschen, hilft diesen auch, ist sich Stauß sicher, „das gibt einen Schub, um vielleicht noch ein paar mehr Punkte rauszuholen.“ Dabei ist Stauß aber wichtig, dass es bei aller Anfeuerung fair zugeht, nicht wie in anderen Sportarten. „Bei uns wird niemand ausgepfiffen. Auch die Gäste bekommen Applaus“, unterstreicht er.

Nach dem größten Erfolg der Rodinger Heber, der deutschen Vizemeisterschaft, ließ Stauß extra T-Shirts für sich und den Fanclub drucken, „die tragen wir mit Stolz“, berichtet er. Dass die Rodinger die zweitbeste Mannschaft des Landes stellen konnten, sei ohnehin ein kaum zu glaubender Erfolg, auch wenn sich in dieser Saison viele andere Mannschaften wegen der Corona-Einschränkungen nicht wie gewohnt mit Top-Leuten aus dem Ausland verstärken konnten.

„Schaffen Klassenerhalt“

Dies sehe mittlerweile wieder anders aus, „die kommende Saison wird für die erste Mannschaft in der Bundesliga nicht leicht werden“, schätzt der Edelfan die Lage ein – „den Klassenerhalt werden wir dennoch sicher schaffen“, bleibt er aber optimistisch. In der abgelaufenen Saison belegten die Rodinger Rang sechs unter insgesamt neun Teams und hielten damit souverän die Klasse.

Los geht es am 14. Oktober mit einem Auswärtskampf in Obrigheim. „Wenn ich bis dahin fit genug bin, bin ich dabei“, sagt Richy, der noch lange nicht genug hat. „Gewichtheben ist mein Leben“, betont er. So wird er auch bei den Heimkämpfen wieder in der Rodinger Dreifachturnhalle anzutreffen sein, wenn auch vielleicht nicht mehr an vorderster Front. „Ich kriege bei Lärm noch große Kopfschmerzen als Folge meiner Hirnblutung“, erklärt er. Deshalb müsse er sich vielleicht einen Platz etwas weiter hinten suchen – nicht hingehen, sei aber keine Option.

Zweite Heimat: In der Rundturnhalle haben Richy Stauß und die weiteren Fans die Rodinger Gewichtheber schon oft beflügelt, noch ein paar Gramm draufzulegen. Was ihm wichtig ist: Es muss bei aller Stimmung immer fair ablaufen. Foto: Oliver Hausladen