Rodings Stadtkapellen-Dirigent Josef Köppl kann die Finger nicht von der Musik lassen

Die Liebe zur Musik wurde Josef Köppl quasi in die Wiege gelegt: Sein Vater war Berufsmusiker, das Interesse des Sohnemanns daher von kleinauf groß. Die Liebe wurde im Lauf der Jahre nicht kleiner – im Gegenteil: Seit mittlerweile 27 Jahre gibt Köppl als Dirigent des musikalischen Aushängeschilds Rodings, der Stadtkapelle, den Ton an. „Klar, ist das auch viel Arbeit, aber für mich ist das positiver Stress“, sagt Köppl, der künftig auch die Nachwuchsarbeit von Rodings Musikern wieder forcieren will.
Sein Vater, Josef sen., war ein Multitalent in Sachen Instrumente, erzählt der 49-Jährige. In Tanz- und Blaskapellen habe er in ganz Europa auf großen Festen gespielt – was durchaus Eindruck machte auf den Junior. „Ich bin quasi ins Wasser geworfen worden und konnte nicht dagegen anschwimmen“, sagt er und schmunzelt.
Mit 15 Jahren schon in der Kapelle
Los ging es mit Klavierunterricht. „Meinem Vater war es schon wichtig, dass meine Geschwister und ich Instrumente lernen“, erzählt Köppl aus seiner Kindheit. Erst relativ spät, mit zwölf Jahren, ging es dann auch zur Blasmusik und zur Klarinette. „Ich habe einfach mal eine in die Hand genommen und gemerkt, dass das passt. Wir hatten ja alles zu Hause“, erinnert er sich.
Mit 15 Jahren hat er dann schon in der Kapelle mitgespielt, es folgten etliche Seminare und erfolgreiche Prüfungen. „Es hat Spaß gemacht, und Erfolg war auch da“, erzählt er. So war er etwa zehn Jahre beim Oberpfälzer Jugendorchester und später beim Bezirksorchester der Erwachsenen dabei. Der Kontakt zu anderen Musikern und anderen Vereinen sei dabei sehr schön gewesen: Er habe viel gelernt und auch Kontakte sowie Freundschaften geknüpft.
Es folgte (mit ein wenig Anschub des Vaters) der nächste Schritt auf der musikalischen Leiter: Köppl wandte sich dem Dirigieren zu. Zeit musste dafür nicht gerade wenig investiert werden: Über zwei Jahre lang fuhr er oft am Freitagabend von Roding nach Hammelburg in Franken und kam am Sonntagabend wieder zurück. „Klar war das anstrengend“, erinnert sich Köppl. Mit der Zeit nahm er die Fahrten aber gerne auf sich: Er fand sehr viel Freude am Dirigieren und erwies sich auch als sehr talentiert.
1996 übernahm er nach bestandener Abschlussprüfung erst „inoffiziell“ von seinem Vater, der altersbedingt kürzer treten wollte, die Stadtkapelle, ein Jahr später bekam er das Dirigat auch offiziell überreicht. „Seitdem mache ich es, und das nach wie vor mit viel Spaß“, unterstreicht der 49-Jährige, der im Rathaus das Ordnungsamt leitet.
Derzeit zählt die Rodinger Stadtkapelle etwa 60 aktive Mitglieder. Trotz der großen Einschränkungen während der Corona-Pandemie gab es nur wenige Abgänge, ist Köppl erleichtert. Einige davon wären wahrscheinlich langfristig ohnehin nicht dabei geblieben werden. Einen großen Einschnitt bedeutete Corona allerdings für die Nachwuchsarbeit, die von der Stadtkapelle vorher sehr engagiert betrieben wurde. Doch konnten die musikalische Früherziehung und der Blockflötenunterricht wegen der strengen Hygiene-Auflagen nicht mehr sinnvoll durchgeführt werden. Das ist mit einer der Gründe, warum das Jugendorchester aufgelöst werden musste. „Es kam einfach nicht genug nach“, berichtet Köppl.
Doch dies soll wieder anders werden: Der Blockflötenunterricht wurde wieder aufgenommen, ab Oktober soll es auch wieder musikalische Früherziehung geben. Des Weiteren will der Dirigent die Zusammenarbeit mit der Rodinger Realschule wieder forcieren. „Wenn alles gut läuft, könnten wir in zwei, drei Jahren auch wieder ein Jugendorchester haben“, blickt er zuversichtlich in die Zukunft. Anfragen für die Förderung der Jüngsten seien vorhanden.
Die aktiven Mitglieder hatten in der jüngsten Vergangenheit viel zu tun: Neben dem Volksfest stand eine Reihe weiterer Feste an, die Stadtkapelle war sehr oft gefragt. Anstrengende Zeiten für die Musiker, aber auch schöne, sagt Köppl: „Wenn man Applaus und Lob bekommt, sind der Stress und der Aufwand gleich wieder vergessen.“
Josef Köppl hat ein großes Netzwerk
Als Dirigent müsse er konzentriert sein, falls jemand etwas aus dem Takt gerate, „die Hauptarbeit wird aber bei den Proben gemacht. Wenn die Stücke richtig einstudiert wurden und es dann auch auf der Bühne gut läuft, kann ich beim Auftritt auch mal etwas entspannen“, hat der 49-Jährige schon viel Erfahrung auf diesem Gebiet gesammelt.
Müde nach 27 Jahren als Dirigent ist Köppl noch lange nicht: „Ich kann die Finger nicht von der Musik lassen“, erzählt er und schmunzelt – weshalb er auch bei einigen anderen Gruppen noch aktiv als Musiker mitspielt, etwa bei den Perlhütter Musikanten. „Wenn ich, oder auch jemand aus der Stadtkapelle gebraucht wird, sagt man ungern ab“, erläutert der Familienvater – auch wegen eines weiteren positiven Nebeneffekts, der Kollegialität: „Wenn wir mal jemanden brauchen, habe ich ein großes Netzwerk, das ich kontaktieren kann. Und die sagen dann auch ungern Nein.“
Bei Papst Benedikt und in Russland
Unvergessliche Erlebnisse: Viele besondere Auftritte hat die Stadtkapelle Roding mit Josef Köppl schon absolviert, an zwei ganz besondere denkt er noch sehr oft zurück.
Bayerische Musik auf Bierfest in Russland: So begleiteten 20 Mitglieder der Stadtkapelle den damaligen Wirtschaftsstaatssekretär Markus Sackmann (CSU) nach Moskau und spielten dort auf einem Bierfest. „Wir haben typische bayerische Blasmusik gespielt, die Leute sind gut mitgegangen. Es war halt nur schwierig, dass wegen der Sprachbarriere keine Interaktion möglich war“, erzählt Köppl.
Beeindruckendes Ausmaß des Geländes: Beeindruckt haben ihn die Ausmaße des Festes rund um das Luschniki-Stadion: „Das war riesig, das kann man sich bei uns gar nicht vorstellen.“
Papst Benedikt ganz nah gekommen: Ein weiteres unvergessliches Erlebnis gab es für die Musiker 2008: Die Rodinger Stadtkapelle durfte auf dem Petersplatz bei einer Audienz von Papst Benedikt spielen und kam dabei dem ehemaligen Pontifex sehr nah. Die Stadtkapelle intonierte unter dem Beifall tausender bayerischer Pilger den Erzherzog-Albrecht-Marsch und die „Deutsche Treue“.

