Blick hinter die Tür: Die „Wassermacher“ aus Neubäu versorgen rund 40.000 Chamer

Pumpen, filtern, weiterleiten, Rohrnetz warten, Probleme beheben und noch viel mehr – „wir machen von Neubäu aus alles, was mit der Wasserversorgung zu tun hat“, erläutert Betriebsleiter Norbert Mezei. Von der Wassergewinnung bis zum Wasserzähler im Haus des Kunden ist bei den Kreiswerken alles in einer Hand. Viel Arbeit also, um die etwa 40000 Kunden immer und zuverlässig mit dem „blauen Gold“ versorgen zu können.
Die Dimensionen sind alles andere als klein: Ungefähr 400 Quadratkilometer groß ist das Versorgungsgebiet, 800 Kilometer lang die Strecke an Versorgungsleitungen, für welche die 20 Mitarbeiter in Neubäu zuständig sind.
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Dass ein Eigenbetrieb eines Landkreises für die Wasserversorgung zuständig ist, ist eine Ausnahme in Bayern. Die Entstehungsgeschichte des 1965 gegründeten Kreiswasserwerkes Roding, das seit 1997 als Betriebszweig Wasserversorgung zu den Kreiswerken Cham gehört, reicht noch einige Jahre weiter zurück. Bereits 1955 haben die Gemeinden Walderbach und Reichenbach versucht, eine gemeinsame Wasserversorgung aufzubauen, allerdings waren die ersten Anläufe aus technischen und kommunalpolitischen Gründen nicht sehr erfolgreich. Zur Linderung des permanenten Wassernotstandes und zum Aufbau einer gesicherten Versorgung nahm sich der ehemalige Landkreis Roding dieser eigentlich gemeindlichen Aufgabe an.
Regelmäßige Kontrollen
Das Wasser wird aus acht Brunnen im Neubäuer Forst aus einer Tiefe von etwa 100 Metern nach oben gepumpt, erläutert Mezei. Es sei von bester Qualität, was auch laufend analysiert und überprüft werde, betont er: „Wasser ist eines der am besten überwachten Lebensmittel in Deutschland.“
Das geförderte Wasser aus sieben Brunnen wird gefiltert, um es etwas zu entsäuern, mehr ist nicht nötig. Das „blaue Gold“ aus dem vom Verwaltungsgebäude am weitesten entfernten Brunnen ist sogar so gut und rein, dass es unbehandelt weiterfließen kann, „das gibt es nur ganz selten“, weiß der Betriebsleiter.
Es laufen immer nur so viele Pumpen, wie benötigt werden, erklärt Mezei, den viele auch als Kreisbrandmeister und Reichenbacher Gemeinderat kennen. Im Winter würden deshalb weniger Maschinen nicht so lange laufen, wie im Hochsommer, wenn viel mehr Wasser benötigt werde. „Wir versuchen, das so effizient wie möglich zu machen“, sagt der Betriebsleiter, auch, da die Pumpen sehr viel Strom verbrauchen würden.
Wenn es zu Problemen kommt, sind die Mitarbeiter in Neubäu die Ansprechpartner – und das jederzeit. „Wir haben einen Bereitschaftsdienst, der sieben Tage die Woche 24 Stunden lang erreichbar ist“, erklärt der Betriebsleiter. Alarme im Netz, wenn an einer Stelle zu viel Wasser entnommen werde, laufen automatisch ein. „Wir prüfen dann, was los ist, und ob wir eingreifen müssen, etwa bei einem Rohrbruch. Bei einem Feuerwehreinsatz dagegen ist es natürlich normal, dass zwischenzeitlich viel Wasser entnommen wird“, erläutert Mezei.
„Macht viel Spaß“
Probleme entstünden meist, wenn das Wasser zu lange stehe oder Verschmutzungen auftreten. Deshalb sei es auch wichtig, das Rohrnetz ständig zu warten und teilweise zu erneuern − wie auch Hochbehälter, Pumpwerke oder Brunnen. So steht etwa im kommenden Jahr eine Millioneninvestition an, wenn die Hauptpumpenanlage erneuert wird.
Mit Einführung der computergesteuerten Prozessleittechnik wurde ein gewaltiger Fortschritt in der Überwachung und Steuerung gemacht. Das Speichervolumen von 9220 Kubikmetern kann täglich, auch mit Blick auf den effektiven Energieeinsatz, bedarfsgerecht neu befüllt werden. Die Wasserversorgungsanlagen sind so ausgelegt, dass auch bei längeren Trockenperioden ausreichend Trinkwasser geliefert werden kann.
Dadurch, dass das Wasser aus so großer Tiefe geholt wird, ist für die Kreiswerke der Klimawandel (noch) nicht das große Problem, sagt Mezei, der aber trotzdem dazu aufruft, sorgsam mit dem immer kostbarer werdenden Gut Wasser umzugehen. „Ob man im Hochsommer unbedingt häufig das Auto waschen oder große Pools füllen muss, ist die Frage“, sagt er, der selbst auf „sein“ Produkt schwört: „Ich trinke nur unser Wasser, das schmeckt am Besten“. Zudem spare man sich viel Geld im Vergleich zum Kauf von Mineral- oder Tafelwassern.
Mezei selbst ist seit Oktober 2022 Betriebsleiter der Kreiswerke, vorher war er beim Staatlichen Straßenbauamt in Regensburg tätig. Die neue, heimatnahe Tätigkeit ist für den Reichenbacher sehr erfüllend: „Es macht mir viel Spaß“, erzählt er. Die Kreiswerke versuchen auch selbst für Nachwuchs zu sorgen. So wurde jüngst ein vorheriger Auszubildender übernommen, auch jetzt gibt es einen Lehrling. Mezei sieht die Kreiswerke somit in allen Bereichen gut aufgestellt für die Zukunft.
Ein großes Versorgungsgebiet
Das Versorgungsgebiet umfasst Hintergrub, Hohenrad, Klosterberg, Pielhof, Schrottenloh, Wetzelsdorf und Zumhof (alle Gemeinde Brennberg), Falkenstein, Michelsneukirchen, Neukirchen-Balbini, Asang, Bleich, Bodenstein, Diepenried, Eckartsreuth, Entermainsbach, Fichtenhof, Forsting, Geiseck, Gunt, Hammerhäng, Harthöfl, Heinzlmühl, Hengersbach, Hinterberg, Hof am Regen, Holzseige, Holzheim, Jägerhöhe, Kaaghof, Knollenhof, Königshof, Michelsberg, Muckenbach, Mühlenthal, Obermainsbach, Oberhof, die Anwesen Am Rastberg 1, Am Rastberg 2 und Am Rastberg 5, Reisach, Roithof, Rummelsölden, Stadl, Stefling, Straßhof, Sulzmühl (ohne Flugplatzbereich), Thann, Tiefenbach, Trumling, Treidling, Untermainsbach, Überfuhr, Vorderkohlstetten, Weinting, Weißenhof, die Anwesen Wulkersdorfer Str. 50 und 50 a (alle Nittenau), Reichenbach Rettenbach, Brunnhof, Dachshof, Dicherling, Draxlberg, Eck, Eckhäusl, Eidenthal, Elend, Eppenhof, die Anwesen Falkensteiner Str. 80 und 82, Fronau, Fronauermühle, Grub, Haidhof, Heidweiherhöf, Hochbrunn, Kaghöfl, Kalsing, Kapplhof, Klessing, Kohlschlag, Lunz, Marbelshof, Monessen, Neubäu, Neubäuermühl, Oberlintach, Oberprombach, Obertrübenbach, Ödenhof, Piendling, Rabhof, Rothsal, Seigen, Stützenfleck, Thannhof, Triftersberg, Unterlintach, Unterprombach, Untertrübenbach, Wanning, Wieden, Zenzing (alle Roding), Bernried, Kleinenzenried, Marketsried (alle Rötz), Ziegertshof (Schorndorf), Stamsried (ohne Unterdeschenried), Wald (ohne Pfaffenöd und Schwalbenhof), Walderbach, Zell (ohne Dechantanger, Dechei, Steinhof und Steinmühle).
Zur Weiterverteilung des Wassers werden beliefert: Städtische Betriebe Roding, Nittenau, Zweckverband Wasserversorgung Regensburg-Süd, Zweckverband Wasserversorgung Chamer Gruppe, Zweckverband Wenzenbacher Gruppe, Regenstauf, Wiesenfelden, Wiesent, Brennberg, Rötz, Bruck und Zweckverband Wasserversorgung Mitterdorfer Gruppe.

